Geburtswehen überstanden

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Die Gründungsmitglieder des Waldkindergarten-Vereins (von links): Nicoletta und Armin Franke, Alice Wszeteczka, Robert Wagner, Sandra Haring und Heike Anschütz.

Neu-Isenburg - Sie sind Eltern und als solche mit Geburtswehen vertraut. Doch wie schwer es ist, einen Verein „in die Welt zu setzen“, das mussten die Gründungsväter und -mütter des Waldkindergartens noch lernen. Von Leo F. Postl

„Wir hatten so viele Zusagen zur Gründungsversammlung, doch plötzlich gab es nur noch Absagen“, schildert Robert Wagner die Situation vor dem entscheidenden Zusammentreffen in der Bansamühle. Bereits im Vorfeld hatte er viele Eltern angesprochen, und neben zweifelnden Fragen gab es viele ermunternde Zusagen.

Sieben Personen sind gemäß deutschem Recht nötig, um einen Verein aus der Taufe zu heben – genau sieben waren es, die sich zur Gründungsversammlung eingefunden hatten. Das Ziel war allen klar, doch bevor sie die Hand hoben, galt es noch die Satzung zu verabschieden. Auch hier hatte Robert Wagner im Vorfeld viel Einsatzbereitschaft gezeigt, aus über zehn Satzungen hat er jene für den „Waldkindergarten Neu-Isenburg“ erarbeitet. Man beginnt mit den Minimalanforderungen, neben dem Vorsitzenden gibt es einen Stellvertreter sowie einen Kassenwart. Auf Wunsch kann der Vorstand um einen Schriftführer und zwei Beisitzer erweitert werden.

Robert Wagner zum Vorsitzenden gewählt

Einstimmig wurde der 34-jährige Robert Wagner zum Vorsitzenden, seine Lebenspartnerin Alice Wszeteczka (33) zur Stellvertreterin gewählt. Die Kassenführung übernimmt Sandra Haring (34). „Ja, wir haben es wirklich geschafft“, freute sich Robert Wagner und will nun weitere Schritte in die Wege leiten, damit das eigentliche Ziel, die Einrichtung eines Waldkindergartens in Neu-Isenburg, möglichst bald erreicht werden kann.

Nach der Genehmigung durch das Amtsgericht soll die Hürde der Finanzbehörden, zwecks Anerkennung der Gemeinnützigkeit, genommen werden. „Wir wollen aber auch bei der Stadt eine entsprechende Unterstützung beantragen“, kündigt Wagner an.

„Wir wissen alle, dass dies wohl die schwierigste Aufgabe sein wird, doch wir sind es unseren Kindern schuldig“, sagte Alice Wszeteczka über die Aufgabe, ein geeignetes Gelände zu finden. Sie kennt den Betrieb eines Waldkindergartens aus Buchschlag und war von Anfang an begeistert. „Mein Sohn war dort und hat sich sehr wohl gefühlt, das war einfach toll“, meint die 34-Jährige.

„Wer nur Plastik riecht, hat zur Natur kaum eine Beziehung“

Sandra Haring war als Kind selbst bei Wind und Wetter draußen, ist mit Pferd und Hund aufgewachsen. „Die Kinder kommen noch früh genug mit der oft dominierenden Technik in Berührung“, findet sie. Heike Anschütz (44) ist Mutter von vier Kindern, und der Jüngste (fünf Jahre alt) geht ebenfalls in den Waldkindergarten in Buchschlag. „Ich fände es auch aus Sicht von Freundschaften der Kinder gut, wenn es hier in Neu-Isenburg eine solche Einrichtung gäbe“, meint Anschütz. Sie verweist darauf, dass alle Sinne im Kindesalter angelegt werden. „Wer nur Plastik riecht, hat zur Natur kaum eine Beziehung.“

Armin und Nicoletta Franke (beide 38) sind Eltern von Kindern im Alter von sieben und vier Jahren und möchten gerne, dass der Jüngste noch den Waldkindergarten in der Hugenottenstadt besuchen kann. „Ich habe Kinder gesehen, die können nicht ruhig auf einem Stuhl sitzen, aber auch solche, die sitzen stundenlang auf der Erde, spielen mit einem Stöckchen und beschäftigen sich selbst“, berichtet Armin Franke. Für Alice Wszeteczka spielt auch der Natur- und Umweltschutz eine große Rolle. „Ich denke, wer in einem Wald groß geworden ist, der wird ihn später nicht zerstören oder zumüllen.“

Suche nach einem Gelände

Als nächstes gehen die Eltern auf die Suche nach einem Gelände. Sie favorisieren den Heegwald. „Es gibt zwar viel Wald um Neu-Isenburg, doch viel davon gehört der Stadt Frankfurt, ein anderer Bereich ist zu feucht und unter den Fliegern zu leben, wollen wir unseren Kindern auch nicht zumuten“, gibt Robert Wagner zu bedenken.

Zudem müssen verschiedene Behörden, von der unteren Naturschutzbehörde über das Forstamt bis zur Stadt Neu-Isenburg, zustimmen. „Wir brauchen einen Schutzraum und gute Erreichbarkeit bei Notfällen“, nennt der Vorsitzende die wichtigsten Voraussetzungen für einen Waldkindergarten.

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