Watt-Club fordert Abschaltung aller Atomkraftwerke und eine Energiewende

Erinnerung in Neu-Isenburg an Fukushima

Vertreter des Watt-Clubs trafen sich am Samstag vor dem von ihnen bezahlten Fukushima-Plakat an einer Bushaltestelle vor dem Isenburg-Zentrum. Mit dabei waren die Sprecherin Inge Göbl (Zweite von rechts) und Gisela Mauer (links).
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Vertreter des Watt-Clubs trafen sich am Samstag vor dem von ihnen bezahlten Fukushima-Plakat an einer Bushaltestelle vor dem Isenburg-Zentrum. Mit dabei waren die Sprecherin Inge Göbl (Zweite von rechts) und Gisela Mauer (links).

Es ist zwar schon zehn Jahre her, dennoch sind die Bilder weiter präsent. Nach einem schweren Seebeben am 11. März 2011 vor der Ostküste Japans kam es dort zu einem Tsunami mit verheerenden Auswirkungen. Die Folge war die Atomkatastrophe von Fukushima, an die nun der Watt-Club in Neu-Isenburg mit einer Plakataktion erinnert.

Neu-Isenburg - „Nach der Katastrophe mussten über 200 000 Menschen, etwa so viele wie in Mainz leben, evakuiert werden, mussten den Verlust von Heimat, Besitz und Arbeitsplatz ertragen“, beschreibt Inge Göbl, Sprecherin des Watt-Clubs. Es sei nicht auszudenken, wenn ein solches Unglück in Deutschland mit seinen vielen Atomanlagen passiert wäre. Nach dem Motto: Nicht (nur) reden, sondern handeln, beteiligt sich der Watt-Club an der Plakataktion der Anti-Atom-Organisation „ausgestrahlt“. Die Isenburger Bürgerinitiative für Energiewende hat – auf eigene Kosten – zwei Plakatwände angemietet, um mit dem unvergessenen Bild der Reaktorkatastrophe auf die weiter bestehenden Risiken der Kernkraft aufmerksam zu machen – trotz des Atomausstiegs in Deutschland.

„Wir haben eine Plakatwand an der Bushaltestelle vor dem Isenburg-Zentrum und eine weitere an einer Hauswand Hugenottenallee Ecke Bahnhofstraße für zehn Tage angemietet“, erklärt Inge Göbl. „Wir haben das aus eigener Tasche finanziert, aber das war es uns wert“, betont Gisela Mauer. Mit dieser Aktion will der Watt-Club auf die Folgen der Atomkatastrophe verweisen. Es soll Erinnerung und Mahnung sein.

Noch heute gebe es einen signifikanten Anstieg von Schilddrüsenkrebsfällen bei Bewohnern der Region, die damals unter 18 Jahre alt waren. „Sie tragen das 20-fache Risiko einer solchen Erkrankung“, betont Inge Göbl. Die Fischerei war für zehn Jahre verboten, was viele nicht nur in den Ruin, sondern gar in den Selbstmord trieb. Inge Göbl findet es gut, dass die sechs noch laufenden Atomkraftwerke in Deutschland Ende 2022 endgültig abgeschaltet werden sollen. „Aber in Europa gibt es dann immer noch 120 aktive AKWs, viele in den Grenzregionen zu Deutschland“, verweist sie auf die Risiken. Zudem gebe es weltweit bisher noch keine einzige Möglichkeit für eine sichere Endlagerung des Atommülls. Bei einer Lagerung über die Dauer von einer Millionen Jahre werde die Dimension ersichtlich, „welche Bürde und Verantwortung wir den nachfolgenden Generationen damit hinterlassen“, so Inge Göbl.

Der Watt-Club appelliert deshalb, die beiden Atomkatastrophen von Fukishima 2011 und Tschernobyl 1986 niemals zu vergessen. Inge Göbl: „Lernen wir aus diesen Katastrophen und setzen uns dafür ein, dass die Atomkraft keine Zukunft hat. Bringen wir gemeinsam die Energiewende voran – auch bei uns vor Ort in Neu-Isenburg.“ (Von Leo F. Postl)

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