Erste Sitzung der Stadtverordneten

Das erste Doppel ist geschafft

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Spaß für Hartgesottene: Während die Albert-Schweitzer-Schüler gestern für den Weg zum Schulschwimmen schon Mütze und dicke Jacke übergezogen haben, wurde die Freibad-Saison trotz anhaltend durchwachsenem Wetter verlängert. Ein Schild am Eingang weist darauf hin, dass noch bis einschließlich Sonntag bei lauschigen 24 Grad Wassertemperatur im Freien geschwommen werden darf.

Neu-Isenburg - Drei Tage noch, dann endet Isenburgs Badesaison im Freien. Anlass für eine erste Bilanz für das Konzept, Hallen- und Freibad samt Sauna parallel zu betreiben. Von Barbara Hoven 

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Wogen geglättet - so und so

Es war die erste Sitzung nach der Sommerpause, und so hatten sich doch einige Themen angesammelt, die die Stadtverordneten am Mittwochabend abzuarbeiten hatten. Um Verkehr im Allgemeinen und die Ergebnisse von Fluglärm- und Schadstoffmessungen im Besonderen drehte sich beispielsweise die Debatte. Auch um Anträge der Grünen für ein schlüssiges Verkehrskonzept bei Festen oder der SPD für eine betreute Seniorenwohnanlage (Berichterstattung folgt). Doch wirklich viel Neues, was im Verlauf von zwei Sitzungsstunden herausgekommen wäre, gibt’s eigentlich nicht zu berichten. Drum fällt der Blick auf ein Thema, das zwar nicht auf der Tagesordnung, aber auf den Tischen im Sitzungssaal zu finden war: ein Rückblick auf die erste Saison, in der das komplett sanierte und nach heftigen Geburtswehen Mitte Mai eröffnete Waldschwimmbad einen – in der Region einzigartigen – Parallelbetrieb von Freibad, Hallenbad und Sauna erlebt hat. Für Eberhard Röder, Geschäftsführer der Stadtwerke, fällt die Bilanz unterm Strich positiv aus – trotz einiger Anlaufschwierigkeiten.

„Das Konzept, das Hallen- parallel zum Freibad zu betreiben, wird durch die hohe Besucherzahl von 35 .253 in den knapp vier Monaten seit der Eröffnung am 17. Mai bis zum 21. September bestätigt“, schreibt Röder in einem Bericht für die Stadtverordenten. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 besuchten während der gesamten achtmonatigen Wintersaison 41.004 Schwimmer das alte Hallenbad. Auch aufs dürftige Wetter kommt Röder zu sprechen. Das hat wie überall auch Isenburgs Freibad die Bilanz diesmal mächtig verhagelt. Nur 65.709 Menschen zog’s in diesem Jahr ins Freibad – das ist das schlechteste Ergebnis seit Jahren. 2013 waren es noch 101.445 Freiluft-Schwimmer. Allein: Dank des Parallel-Angebots kann sich Isenburg im Stillen ein wenig ins Fäustchen lachen – auch wenn das so natürlich niemand der Offiziellen formulieren würde. Im Bericht liest sich das so: „Leider ist der Freibadbetrieb immer wetterabhängig, umso schöner jedoch, dass dank des neuen Hallenbads trotzdem eine Gesamtbesucherzahl in Hallen- und Freibad von 100 .962 Gästen erreicht werden konnte.“

Startschwierigkeiten ausgebessert

Im persönlichen Gespräch wird Röder gestern noch konkreter – und gibt auch zu, dass das Bad anfangs mit Startschwierigkeiten zu kämpfen hatte. Am Pfingstwochenende zum Beispiel. „Das war der Doppel-Gau“, denn da drängten sich 12.092 Besucher an den Kassen, außerdem wollten viele Leute Jahres- oder Saisonkarten kaufen. Da seien Bad und Team durchaus an die Belastungsgrenze geraten. Wo sich Schwächen zeigten, habe man zeitnah nachgebessert. Für Leute beispielsweise, die das Hallen- und das Freibad besuchen wollen, wurde im Juni ein Kombitarif eingeführt, mit dem die Besucher seither hin- und herwechseln können. Ja, können – immer noch. Denn ganz nebenbei ist gestern zu erfahren, dass man sich trotz anhaltend durchwachsenem Wetter entschieden hatte, die Freibad-Saison zu verlängern. Noch drei Tage, bis einschließlich Sonntag, können Hartgesottene im Freien schwimmen. Tatsächlich ziehen gestern noch einige Isenburger ihre Bahnen an frischer Luft, die Verlängerung gefällt offenbar. Überhaupt hört man mittlerweile lobende Worte von manchem Stammkunden; etwa, dass Mängel – wie die nicht funktionierenden Uhren oder zu kleine Kleiderhacken – zügig beseitigt worden seien.

Auch den Kritikpunkt, der Internetauftritt und so der Informationsfluss aus dem Bad könnten besser sein, kennt Röder. Und betont, dass derlei Themen beackert werden sollen, um den Wünschen möglichst aller Badegäste gerecht zu werden. So habe man etwa, um Warteschlangen zu vermeiden, ein Chiparmband eingeführt, das für den Eintritt ohne Umweg sorgt. Ein Thema, das den Stadtwerke-Chef sicher Nerven gekostet hat: Es gibt immer noch Mängel, die zu beheben sind; speziell im Bereich der Technik im Keller. „Dies ist allerdings bei einem Projekt dieser Größenordnung keinesfalls ungewöhnlich und auch nicht für den Betrieb hinderlich“, betont Röder. Größte noch offene Baustelle: das Gewerk „Elektroinstallation“ – und zwar laut Röder aufgrund der Tatsache, dass der beauftragte Elektriker insolvent ist. So blieben Dinge liegen. „Aktuell wird unter Mitarbeit des Fachanwalts ein Vergleichsangebot an den noch bestehenden Teil des Auftragnehmers unterbreitet, mit dem Ziel der Fertigstellung aller Leistungen entsprechend dem Hauptauftrag“, so Röder. Die Stadtwerke gehen davon aus, dass die anderen Restarbeiten bis Ende Oktober erledigt sein werden. Bei den Elektroinstallationen sei aufgrund der Insolvenz „mit einer kompletten Fertigstellung erst ab Ende Februar zu rechnen“, heißt es weiter.

900 Gäste im August

Was der Badegast von den Elektrik-Lücken merkt? „So gut wie nichts“, sagt Röder. Höchstens die Tatsache, dass die Beleuchtung am Baum vorm Bad-Eingang noch nicht funktioniert und dort einige Kabel herumliegen, könne sehen, wer genau hinschaut. Und Sauna im Sommer, wie kam das an? Die Tendenz sei steigend, sagt Röder. Lag die Besucherzahl im Mai und Juni im Schnitt noch je unter 500 Gästen, so stieg sie auf fast 900 im August. Vor allem die Damensauna werde gut angenommen, auch die Spezial-Angebote von Saunameister Udo Mohr. Bei einer Prognose sei zwar „immer auch ein wenig Glaskugel dabei“, doch er hoffe, „dass wir mit der Sauna nun in den Wintermonaten die Früchte der guten Arbeit ernten“, sagt Röder.

Für ihn ist klar: Der Parallelbetrieb von Hallen- und Freibad stellt sich dar und soll in den nächsten Jahren ebenfalls so praktiziert werden – mit Ausnahme von vier bis sechs Wochen im Sommer, die die Stadtwerke benötigen, um im Hallenbad Wartungsarbeiten zu erledigen.

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