Fachleute sind optimistisch:

Waldspielpark im Tannenwald bis Sommerferien fertig

Nanu, ein Felsenmeer für Neu-Isenburg? Nein, Bauleiter Florian Zorn erklärt, wie aus diesen bereits gelieferten Findlingen künftig das Wasser spritzen soll.

Neu-Isenburg - Der Sommer 2018 ist gerettet – davon zeigen sich die Fachleute gestern bei einer Ortsbegehung der Baustelle im Waldspielpark Tannenwald jedenfalls überzeugt: Bis zu den großen Ferien sollen die neuen Wasserspiele fertig sein und den Nachwuchs blubbernd, sprühend und spritzend begeistern. Von Barbara Hoven

Gebaut ist der Spielpark Tannenwald für warme Tage, wie gestern endlich mal einer ist – doch die größte Attraktion der weitläufigen, mehr als fünf Hektar großen Anlage kühlt bekanntlich bereits seit Jahren nicht mehr; mittlerweile ist sie gar seit einer Weile abgerissen. Denn die bei Generationen von Kindern beliebten Wasserspiele mussten wegen Baumängeln dicht gemacht werden. So weit, so bekannt. Die Vorarbeiten für neue Wasserspiele laufen seit einiger Zeit, seit Anfang März wird im Tannenwald nun mit Hochdruck gearbeitet, um das neue Wassersprühfeld – trotz witterungsbedingter Verzögerungen – bis zu den Sommerferien in Betrieb nehmen zu können. „Und wir kommen jetzt sehr gut voran, insofern ist das durchaus realistisch“, sagt der für die Außenanlage zuständige Bauleiter Florian Zorn. Der Mann von der Garten- und Landschaftsbaufirma Immo Herbst übernimmt es, die Presseleute bei einem vom Magistrat angesetzten Ortstermin über den Stand der Dinge zu informieren.

Rein rechtlich zählt der Waldspielplatz bekanntlich zu Frankfurt, wird aber gefühlsmäßig von den meisten Isenburgern nach Neu-Isenburg verortet. „Was der Goetheturm für Frankfurt war, ist der Waldspielplatz für Isenburg“, formuliert es Bürgermeister Herbert Hunkel: „Er ist für die Isenburger der wichtigste Spielplatz der Stadt, für viele sogar ein Lieblingsplatz, mit dem viele gute Erinnerungen verbunden sind.“ Entsprechend gelte gerade jetzt, wo die Temperaturen endlich ansteigen, auch die häufigste Frage, die die Bürger ihm stellten, dem Baufortschritt der Wasserspiele.

Wo diese bald spritzen oder blubbern oder sprühen sollen, ist mittlerweile gut zu erkennen. Denn die etwa 1000 Quadratmeter große, befestigte Fläche, auf der die Wasserspiele ihren Platz finden werden, wurde mittlerweile „höhengerecht vorbereitet“, wie das im Planer-Sprech heißt. Und an vielen Stellen ragen Schläuche und Leitungsstränge aus dem Boden. Das, so erklärt Zorn, sind die Zuläufe für die insgesamt 34 Fontänen und anderen Quellen verschiedener Größe, aus denen das gechlorte Wasser – übrigens Isenburger Wasser, wie Hunkel anmerkt – sprühen wird. Für die Mitte haben die Planer einen Geysir als Hingucker vorgesehen. Jetzt werden die Versorgungsleitungen gelegt und ein neuer Abwasserkanal und die Wasserzuleitung verlegt. Noch in dieser Woche soll zudem mit der Montage der Wasseraufbereitungstechnik begonnen werden.

Abbrucharbeiten im Tannenwald: Bilder

Ins Auge fällt derzeit vor allem der große Steinhaufen, der neben dem Sprühfeld aufgetürmt liegt. Aus einem Teil dieser Findlinge soll künftig das Wasser in Fontänen in die Luft spritzen, „die restlichen Steine dienen zur Deko“, erklärt der Bauleiter. Insgesamt werde das Areal ähnlich gestaltet wie der 2013 errichtete Wasserspielpark im Niddapark in Frankfurt. Weil die alten Holzschuppen neben der Minigolfanlage einen zu hohen Sanierungsbedarf hatten, wurden sie mittlerweile ebenfalls abgerissen. Die derzeit abgesperrte Abbruchfläche soll gegen Ende der Gesamtbaumaßnahem gerichtet werden.

Bereits so gut wie fertig ist (wie berichtet) das neue Betriebsgebäude in der Nähe des Parkeingangs. Dort wird im rechten Gebäudeteil die Technik für die Sprühanlage untergebracht, außerdem finden Parkbesucher darin auf der linken Seite künftig öffentliche – auch behindertengerechte – Toiletten. Die sind bereits so gut wie fertig, die Türen wurden eingebaut und Wasser- und Stromanschlüsse gelegt. Einen Kiosk wird’s auf dem Areal künftig bekanntlich nicht mehr geben. Als Alternative soll es aber neben dem Betriebsgebäude am Parkeingang eine Bewirtung mit Food-Trucks geben. Auch während der Bauarbeiten steht der Tannenwald Besuchern zu Verfügung. Allerdings bitten die Stadt Frankfurt als Bauherrin und die Nachbarin Neu-Isenburg, die sich an den Kosten beteiligt, um erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber dem Lkw-Verkehr im Eingangsbereich. - hov

Zur Geschichte des Spielparks

Im Frankfurter Stadtwald wurden ab 1954 sieben Waldspielparks eingerichtet, die alle am Waldrand liegen. Der Waldspielpark Tannenwald wurde 1961 fertiggestellt. Das Besondere: Lange bevor der Begriff dafür erfunden wurde, gab es zwischen den Städten Frankfurt und Neu-Isenburg bezüglich der Errichtung dieses Waldspielplatzes eine „Interkommunale Zusammenarbeit“. Am 7. Oktober 1958 einigten sich die Nachbarn darüber, alle beiderseitige Interessen berührenden Fragen freundschaftlich zu regeln. Mit dieser Vereinbarung wurde gleichzeitig eine Reihe von Dingen geregelt, die sowohl für Frankfurt als auch für Isenburg bedeutsam waren und bis heute sind. Beispielsweise wurde Neu-Isenburg gestattet, sich an die Frankfurter Kläranlage anzuschließen beziehungsweise Frankfurter Müllabladeplätze oder die Müllverbrennungsanlage mitzubenutzen.

Im Gegenzug verpflichtete sich Isenburg, keine Einwände gegen die Pläne Frankfurts zu erheben, ihr im Taunus gelegenes privateigenes Waldgelände gegen den im Isenburger Gemarkungsgebiet liegenden Staatswald des Landes Hessen – westlich der Main-Neckar-Bahn zwischen Gehespitz und Mitteldick – zu tauschen. Aufgrund des sogenannten Nachbarschaftsvertrages von 1958 wurde auch der Kinderspielplatz im Tannenwald geschaffen. Vertraglich wurde vereinbart, dass Isenburg die Beaufsichtigung und Reinigung des Spielplatzes übernimmt, während die sonstigen Unterhaltsaufgaben in der Zuständigkeit Frankfurts liegen.

Pumptrack-Bahn im Tannenwald

Lesen Sie dazu auch:

Tannenwald: Auf dem Weg zum neuen Wasser

„Es geht endlich los“

Die Einweihung des 5,2 Hektar großen Spielparks war am 29. Juni 1961. Für die Errichtung war die Stadt Frankfurt zuständig. Die Bauzeit betrug damals gut anderthalb Jahre, die Kosten lagen bei rund 500.000 D-Mark. Der Tannenwald mit den zahlreichen Sport- und Spielmöglichkeiten, einer Minigolfanlage und einer Rollschuhbahn, mit Bolzplätzen und Tischtennisplatten sowie den liebevoll gestalteten Spielgeräten (wie der Wikinger-Schiff-Wippe oder dem Fliegen-Dreh-Pilz) avancierte schnell zum beliebten Ausflugsziel. Im Mittelpunkt stand allerdings das markante Wassersprühfeld mit den großen wasserspeienden Fischen, den verwinkelten Tunnelgängen und dem Wasserbassin am Ende der Rutsche, die aus dem großen Fischmaul führte. Was früher Begeisterung beim Nachwuchs weckte, trieb aber am Ende den für die Sicherheit Verantwortlichen mehr und mehr die Schweißperlen auf die Stirn. Das Aus für diese Anlage kam schließlich rund 50 Jahre nach ihrer Errichtung. Sie entsprach nicht mehr den Sicherheitsvorschriften und wurde vom TÜV dicht gemacht.

Dass die Anlage nun neu gebaut werden kann, liegt an einer weiteren Einigung zwischen Frankfurt und Isenburg darauf, die Gesamtkosten von inzwischen weit mehr als 600.000 Euro gemeinsam zu stemmen. Der Vertrag, den Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig und Bürgermeister Herbert Hunkel im Juli 2015 unterschrieben, regelt die Finanzierung und Bestimmungen zur Verkehrssicherungspflicht, Reinigung und Unterhaltung.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare