Fäuste fliegen im Keller

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Zwischen den Ringseilen fühlt sich der 15-jährige Patrick Rupp (links) sehr wohl, auch wenn ihm Alexander Konrad, der Vorsitzende des Boxrings, gegenüber steht.

Neu-Isenburg ‐ Im Sportpark in der Alicestraße trifft man abends viele Sportler. Die späten Besucher des Hallenbades haben ihre Bahnen hinter sich, während in der Sporthalle schon die Basketballer und Handballer zu hören sind. Von Christian Endecott

Unter ihren Füßen befindet sich noch eine ganz andere Welt – die des Boxrings Neu-Isenburg. Bis zu 18 Boxer kommen montags, mittwochs und freitags zunächst im Kellervorraum zusammen. Noch sind sie als Kampfsportler nicht zu erkennen, denn Handschuhe oder Kopfschutz tragen sie erst später. Anfangs ist die Kondition an der Reihe. Im zweiten Raum befindet sich dann das Wichtigste für jeden Boxer, der Ring.

Aber erst geht es auch für den 15-jährigen Patrick Rupp an den Boxsack. Seit 2009 kämpft er für den Isenburger Boxring. Durch einen Freund kam er zum Verein. „Und seitdem hat es mir richtig gut gefallen“, sagt der Brüder-Grimm-Schüler. Schon vorher nahm er am Training teil, aber nicht konstant.

Beim Boxen wird der ganze Körper trainiert

In seinem Premierenkampf musste er sich früh geschlagen geben. „Der Gegner war mir einfach überlegen“, gibt Patrick zu. Doch das hat ihn nicht entmutigt. Beim Frankfurt-Cup im Dezember stieg er wieder in den Ring. Vor 450 Zuschauern stand er im Junioren-Bantamgewicht dem Oberurseler Armin Schell gegenüber. Das Publikum habe ihn dabei nicht gestört. „Ich habe meine Umgebung abgeschaltet und mich einfach nur auf den Gegner konzentriert. Ich glaube, die Trainer waren nervöser als ich“, erinnert sich Patrick. Die Disziplin zahlte sich aus, denn der 15-Jährige gewann den Kampf nach Punkten.

Patrick Rupp hat sich gegen beliebtere Sportarten wie Fußball entschieden. „Beim Boxen wird wirklich der ganze Körper trainiert“, sagt er. Das bestätigt auch der Vorsitzende des Boxrings, Alexander Konrad. „Es wird nicht nur physisch trainiert. Das mentale Training ist ebenso wichtig, denn vieles spielt sich im Kopf ab“, erklärt Konrad. Seit 2008 steht er an der Spitze des Vorstandes und hatte es anfangs nicht ganz leicht. Nicht von allen Seiten gab es Rückendeckung. Es hieß, ihm fehle die Erfahrung. Mit erst 21 Jahren zählt er zu den jüngsten Vorstandsmitgliedern aller Isenburger Vereine.

Der Verein brauchte laut Konrad einen Neuanfang, es fehlte an Schwung und Dynamik: „Für einige Zeit war der Boxring wie ausgestorben. Wir wollen ihn jetzt wiederbeleben und etwas Neues aufbauen.“

Keine Gewalt außerhalb des Rings.

Im Jahr 2004 hat er selber mit dem Boxen angefangen. „Ich habe einen Ausgleich zur Arbeitswelt gebraucht und habe alle Sportarten ausprobiert“, gibt Konrad zu. „Schließlich bin ich beim Boxen gelandet und dabei geblieben.“

Nun trägt er die Verantwortung für den Verein. Seit seinem Amtseintritt habe sich einiges zum Positiven verändert. Der Keller ist so ziemlich jede Woche voll. Als Grund dafür nennt der Vorsitzende auch das neue Motto des Vereins: „Boxen statt Gewalt. Runter von der Straße. Rein in den Ring.“

Auch für Patrick Rupp bedeutet dieses Motto viel: „Für mich gibt es keine Gewalt außerhalb des Rings, weil ich eben hier meine Aggressionen rauslassen kann.“

Alexander Konrad hat mit dem Boxring in diesem Jahr noch viel vor. Im Mai wollen die Sportler mit einer größeren Veranstaltung den 30. Geburtstag ihres Vereins feiern. Dabei wollen sie Menschen aller Altersgruppen für diese Sportart begeistern.

Interessierte können sich auf der Internetseite des Boxrings informieren oder bei Alexander Konrad unter Tel.: 0177/8050084.

Oft werde Boxen als gefährlich und brutal abgestempelt. „Die Verletzungsgefahr gerade im Training ist unheimlich gering. Härte, Ausdauer und Disziplin sind trotzdem erforderlich“, betont Konrad. „Schmerzen gehören dazu, wie in jeder Sportart.“ Konrads Kritiker sind mittlerweile verstummt. Dies habe er den Trainern, vor allem aber Horst Gauß, zu verdanken. „Gauß hat mich immer unterstützt, und er ist wie die anderen Trainer auch als Boxförderer enorm wichtig für den Verein“, sagt Konrad.

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