Ein Kreisel aus Farbe

Fahrradstraße in Neu-Isenburg: Markierungen zeigen Strecke an

1,50 Meter Abstand, bitte: Christine Wolf (vorne) und Laura Kehrer zeigen mit Poolnudeln die Distanz, die Autofahrer beim Überholen wahren müssen.
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1,50 Meter Abstand, bitte: Christine Wolf (vorne) und Laura Kehrer zeigen mit Poolnudeln die Distanz, die Autofahrer beim Überholen wahren müssen.

Studierende der Hochschule Darmstadt geben mit farblichen Markierungen einen Eindruck davon, wie die Fahrradstraße in Neu-Isenburg gestaltet werden könnte.

Neu-Isenburg – Da staunt so mancher Anwohner der Luisenstraße nicht schlecht, als plötzlich Studierende der Hochschule Darmstadt an bestimmten Stellen Markierungen auf den Asphalt malen. Noch mehr Aufmerksamkeit erfährt die „Installation“ eines Kreisels im Kreuzungsbereich mit der Gartenstraße. Mit Maler-Klebeband wird das Zentrum auf den Asphalt geklebt und mit Sprühfarbe farblich auffällig gestaltet.

„Die Reaktion der Leute war recht unterschiedlich“, verweist Studentin Laura Kehrer auf Äußerungen von „So ein Quatsch!“ bis hin zu „Endlich wird mal was gemacht.“ Mit 14 Metern Durchmesser entspricht der Minikreisel nicht nur den verkehrstechnischen Anforderungen, sondern passt auch genau in die Kreuzungsfläche.

Neu-Isenburg: Findungsprozesses für eine Fahrradstraße

Im Rahmen des Findungsprozesses für eine Fahrradstraße in Neu-Isenburg, die in Nord-Süd-Richtung verläuft, findet nach einer ersten Begehung mit Anwohnern nun ein zweiter Workshop statt, zusammen mit Studierenden der Hochschule Darmstadt um Prof. Jürgen Follmann. „Um die Sache ziemlich realitätsgetreu darzustellen, haben wir die entsprechenden Markierungen im Straßenverlauf aufgebracht“, erläutert Follmann. Dann macht sich der Tross, leider mit wenigen Anwohnern, auf zur Besichtigung. Die AG Verkehrswende hatte sich schon zu Beginn, als die Wahl der Fahrradstraße auf den Verlauf der Ludwigstraße/Luisenstraße fiel, ausgeklinkt. Die Gruppe beteiligt sich nicht an diesem „Testfeld Fahrradstraße“. „Wir lehnen diese Streckenführung unter dem Begriff Fahrradstraße aus mehreren Gründen ab: Es gibt bei dieser Variante keine durchgehende Straße, sondern es handelt sich um zwei getrennte Teilstücke“, so die Begründung. Die Nichtteilnahme wird von allen Seiten bedauert.

„Hier sehen wir die Markierung eines Sichtfeldes aus einer Ausfahrt. Obwohl der Platz nicht als Parkplatz ausreicht, stehen hier immer wieder Fahrzeuge“, zeigt Follmann auf eine Grundstücksausfahrt. Da bekanntlich Markierungen kaum respektiert werden, schlägt der Professor das Aufstellen eines Fahrradständers vor. „Drei bis vier Räder könnten hier problemlos stehen.“ Etwas weiter verläuft eine Markierung gerade mal einen halben Meter breit von der Parkfläche. „Das ist die Door Zone“, erklärt der Verkehrsexperte und verweist auf gute Erfahrungen, neben den geparkten Fahrzeugen eine „Türöffnungszone“ auszuweisen. „Allerdings gab es anfangs in Offenbach ein paar Irritationen, denn die Radler beklagten sich über einen viel zu schmalen Radstreifen. Dabei sollten sie genau diesen Sicherheitsstreifen nicht nutzen.“ In den Fahrschulen werde derzeit das Türöffnen auf der Fahrerseite mit der rechten Hand gelehrt. „Dadurch wird man fast gezwungen, die Tür erst einen Spalt zu öffnen, dann nach links hinten zu sehen, ob ein Radfahrer oder anderes Fahrzeug kommt“, so Follmann.

Fahrradstraße in Neu-Isenburg: „Ja, so sind die Radfahrer!“

Wie schnell – oder auch nicht – Verkehrsteilnehmer auf neue verkehrsleitende Maßnahmen reagieren, zeigt sich am kurz zuvor aufgepinselten Minikreisel. Kaum stehen die Teilnehmer der Workshop-Gruppe dort, biegt auch schon das erste Auto wie immer links ab – statt rechtsherum den Kreisverkehr zu nutzen. Andere halten an diesem „neuen Ding“, wie es ein Autofahrer bezeichnet, kurz an, orientieren sich und fahren dann los – aber korrekt. Als ein Radler einfach geradeaus über die Kreuzung fährt, dabei noch gegen die Fahrtrichtung im Kreisverkehr, kommt es aus vielen Mündern: „Ja, so sind die Radfahrer!“ „Diese Problematiken kennen wir, die meisten spielen sich ein – aber es gibt halt bei allen Verkehrsteilnehmern die Unbelehrbaren“, sagt Follmann. Er schlägt eine Aufpflasterung in der Mitte vor, damit Radler, andere Zweiräder und Pkw den Kreisel nutzen, größere Fahrzeuge aber die Pflasterung überfahren können. Anwohner Klaus Stribrny ist wenig begeistert: Er befürchtet eine Lärmentwicklung, die es bisher nicht gab.

Kritisch gesehen wird der Kreuzungsbereich der Luisenstraße mit der Friedrichstraße. „Hier haben die Radfahrer kein Vorfahrtsrecht, sonst müsste hier größer umgebaut werden“, erklärt Follmann. Die Querung der Fußgängerzone beurteilt er als „kein Problem, wenn jeder Rücksicht nimmt“.

Am Ende sind die Teilnehmer aufgefordert, Punkte an einer Beurteilungspinnwand anzubringen – alle entscheiden sich für „sehr gut“ oder „gut“. Bürgermeister Herbert Hunkel hofft, dass nach der Zustimmung durch das Stadtparlament die Umsetzung bald erfolgen kann – man sei ja schließlich schon „seit Jahren“ dran. (Leo F. Postl)

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