"Wenig zielführend"

FDP zur Fahrradstraße: Am Bedarf der Anwohner vorbei geplant

Neu-Isenburg - Wenig begeistert zeigt sich die FDP von der Idee zur Einrichtung einer Fahrradstraße Am Trieb, die sie als „wenig zielführend“ betrachtet.

Nach Meinung der Liberalen handelt es sich dabei vielmehr um eine Planung, die „am Bedarf der Anwohner und den Notwendigkeiten der örtlichen Verkehrspolitik vorbei“ geht. Per Pressemitteilung regen sie daher an, die Stadt möge sich doch für die erste Straße dieser Art in Neu-Isenburg eine geeignetere Stelle suchen.

„Was hat denn ein Parkplatz-Engpass durch das Neubaugebiet Birkengewann mit einer Fahrradstraße zu tun?“, fragt Dirk Stender. „Nichts“, lautet die Antwort, die der neue Ortsvorsitzende der Liberalen sich darauf gleich selbst gibt, „denn bei Beibehaltung einer normalen Straße kann genau die gleiche Parkplatzanzahl erreicht werden“. Und Susann Guber, seine Stellvertreterin, schiebt süffisant hinterher: „Hier hätte ein Lehrer wohl nach einem Aufsatz gesagt: Thema verfehlt, Note 6, setzen.“

Die Gründe liegen aus Sicht der FDP auf der Hand. Das Baugebiet Birkengewann beheimate bereits einen parallel verlaufenden Radweg zur Goetheschule, beginnend an der Brücke zur Feuerwehr. Und die Liberalen meinen, es sei „auch mit dem Neubaugebiet für die radfahrenden Schüler immer noch sinnvoller und sicherer, diesen unmittelbar benachbarten Weg fernab jeglichen Autoverkehrs zu nutzen“ als eine Fahrradstraße Am Trieb. Zumal damit die straßengleiche Querung der Friedhofstraße vermieden werde. Des Weiteren sei die Straße Am Trieb immer noch – und erst recht nach der Entwicklung des Neubaugebiets – eine „Sammelstraße“, die den Ziel- und Quellverkehr zum zügigen Abfluss des Autoverkehrs der Anwohner kanalisiere. Dies kollidiert aber aus FDP-Sicht mit dem Vorrecht für Radler in solchen Fahrradstraßen, nebeneinander fahren zu dürfen, gepaart mit einer Unterordnung des Pkw-Verkehrs.

„Die Bürger wollten von der Verwaltung Lösungen für ein sich abzeichnendes Parkplatzproblem am Trieb. Aktuell gibt es 70 Parkplätze und auch das ist schon oft zu wenig. Nun möchte sich die Stadt für maximal 55 Parkplätze und ein ideologisches Projekt in Randlage feiern lassen. Offenbar hat man bei der Anwohnerversammlung nur gehört, was man hören wollte“, so Susann Guber.

Solche Fahrradstraßen gehören nach Meinung der Liberalen grundsätzlich auch eher in die Stadtmitte zur Nutzung durch eine größere Zahl an Radlern aller Altersklassen – „und nicht in irgendwelche Stadtrandlagen“. Dies sei auch „das Zugeständnis der FDP an den Magistrat, der sehr gerne eine solche Fahrradstraße in der Stadt sehen möchte, nachdem in Dreieich, Langen und Frankfurt (Töngesgasse, Goethestraße) solche Straßen für Radler bereits eingerichtet wurden beziehungsweise werden“.

Was sich für Autofahrer und Radler 2018 ändert

Eine bessere Möglichkeit, eine solche Fahrradstraße zu errichten, wäre aus Sicht der FDP zum Beispiel die Luisenstraße/Ludwigstraße „oder vielleicht auch die Waldstraße an der Brüder-Grimm-Schule fernab weiterer existierender reiner Radwegeverbindungen“. Dort könnten Pedaleure parallel zur Frankfurter Straße gegenüber dem Pkw-Verkehr bevorzugt radeln, „was auch Zielkonflikte auf der Hauptverkehrsader ebenfalls in Nord-Süd-Richtung zwischen den Verkehrsteilnehmern entschärfen würde“.

Die FDP gibt abschließend zu Protokoll, sie erwarte von der Stadt, auch eine Variante der Verkehrsführung ohne Fahrradstraße aufzuzeigen und diese dem Parlament zur Abwägung vorzulegen. Warum diese offensichtliche Variante bislang nicht beleuchtet worden sei, erschließt sich den Liberalen nicht. „Echte Transparenz sieht anders aus“, meint Stender.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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