Falk Schien in Ruhestand verabschiedet

Stadtplaner mit Leib und Seele

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Sein schönstes Projekt sei die Sanierung des Rathauses gewesen, sagt Stadtplaner Falk Schien (Mitte). Wie passend, dass diese Woche – just zum Tag seiner Verabschiedung – auch das Stadtwappen wieder seinen Platz am Verwaltungssitz gefunden hat. Bürgermeister Herbert Hunkel (rechts) und Erster Stadtrat Stefan Schmitt überreichten Schien die Hugenottenmedaille.

Neu-Isenburg - 30 Jahre lang hat Falk Schien das Gesicht der Stadt mit geprägt, gestern wurde der Stadtplaner mit Leib und Seele in den Ruhestand verabschiedet – und warf dabei einen interessanten Blick auf alte und neue, schöne und schwierige Großprojekte. Von Barbara Hoven

Die Hände in den Schoß legen ist aber auch künftig nicht angesagt: Schien bleibt Neu-Isenburg als Berater erhalten. Für seine besonderen Verdienste hat er nun die Hugenottenmedaille bekommen.

Eigentlich wollte er gar keinen großen Bahnhof, der Trubel um seine Person ist ihm fast schon zu viel. „Ich habe nur meine Arbeit gemacht“, sagt Falk Schien, als Bürgermeister Herbert Hunkel Sätze sagt wie: „Falk Schien hat das moderne Gesicht der Stadt geprägt, wie kaum ein anderer hat er dazu beigetragen, Neu-Isenburg nachhaltig zu gestalten. Mit seinem Sachverstand sorgte er dafür, dass verschiedenste Großprojekte reibungslos und mit größtmöglicher Planungssicherheit umgesetzt werden konnten.“ Der Rathauschef attestiert Schien neben dem fachlichen Können aber auch eine hohe soziale Kompetenz und großes Engagement – „vor allem sein Wissen über das soziale Leben in der Stadt ist neben seinem technischen Fachwissen nur schwer zu ersetzen“, so Herbert Hunkel.

„Man wird nie fertig“

Als Falk Schien im Oktober 1984 seinen neuen Posten bei der Stadt antrat und bereits 1985 zum Leiter des Stadtplanungsamtes bestellt wurde, sahen viele Dinge noch völlig anders aus als heute. In Sachen Wirtschaft zum Beispiel habe sich viel getan. „Als ich kam, standen 7000 Einpendler 14 000 Auspendlern gegenüber, heute hat sich das Verhältnis bekanntlich völlig gedreht“ – mit den entsprechenden Herausforderungen etwa an die Infrastruktur. Überhaupt sei klar: „Man wird nie fertig werden mit einer Stadt.“ Stadtplanung sei immer ein Prozess, sagt Schien. „Man kriegt immer wieder neue Themen auf den Tisch“ in dem Bemühen, die Stadt den Bedürfnissen der hier lebenden Menschen anzupassen und das Wohnen, das Arbeiten und das Zusammenleben zu gestalten.

Zudem gehe es in einer Mittelstadt wie Neu-Isenburg nicht, dass man etwas plant, ohne die Bürger einzubeziehen. „Die Demokratie ist hier viel direkter als in einer Großstadt“, sagt Schien. „Da redet man im Zweifelsfall auch mal über den einzelnen Pflasterstein vor dem Haus eines Bürgers.“

Viele Projekte für Schien

Falk Schien, der 1944 im Sudetenland geboren wurde, kam nach seinem Architekturstudium an der TU Berlin und der TH Darmstadt nach Tätigkeiten in verschiedenen Architektur- und Planungsbüros ins Offenbacher Stadtplanungsamt, später dann nach Neu-Isenburg. Er war an allen wichtigen städtebaulichen Entwicklungen der letzten 30 Jahre beteiligt, hat viele Planungsprozesse für den Laien verständlich erklärt, vor den politischen Gremien präsentiert und bei Unstimmigkeiten zwischen allen Beteiligten vermittelt. Unter seiner Ägide entstanden in den 80er Jahren das Wohngebiet Erlenbachaue oder das 1990 mit dem ersten Platz von der Wüstenrot-Stiftung ausgezeichnete „Betreute Wohnen mit Treff im Quartier IV“. Das sei eine aufregende Zeit gewesen, erinnert sich Schien, „und das war die Arbeit, mit der wir das größte Renommee erzielt haben“.

Später gehörte zu Schiens Aufgaben unter anderem die Entwicklung des Gewerbegebiets Ost oder die Umstrukturierung des Gewerbegebiets Süd – bis hin zum derzeit noch laufenden Planungsprozess für das Stadtquartier Süd. Außerdem beschäftigte sich der Planer mit Projekten wie dem Neubau von Kindertagesstätten, dem Wohnungsbau oder der Neugestaltung von zentralen Plätzen und Straßen wie dem Rosenauplatz, der Bahnhofstraße oder des Bansaparks. Von 2009 bis 2013 waren die Sanierung des Rathauses, die Modernisierung des Schwimmbads und die Entwicklung eines neuen Konzepts fürs Bildungszentrum Gravenbruch wichtige von Schien betreute Projekte.

Bürgermeister hört nicht gern Anekdoten

Seinen letzten Arbeitstag hatte der Stadtplaner, der sogar gleich neben dem Rathaus wohnt, offiziell schon am 31. Dezember. Allerdings bleibt er der Stadt zum Beispiel für die Abwicklung von laufenden Projekten beratend erhalten. Und als Geschäftsführer der Regionalpark RheinMain Südwest gGmbH behält er auch sein Büro im Rathaus. Vor allem die weitere Entwicklung des Quartiers Süd werde ihn künftig hauptsächlich beschäftigen, sagt Schien.

Und will noch die Anekdote von seiner ersten Begegnung mit Neu-Isenburg erzählen, „obwohl ich weiß, dass der Bürgermeister die nicht gerne hört“: Es war 1958, Schien war mit seinem Onkel unterwegs und passierte auf dem Weg nach Götzenhain die Kreuzung Frankfurter- und Offenbacher Straße mit der Schulgasse. „Mein Gott, ist das hässlich hier“, habe er damals im Bezug auf diese Stelle gedacht, sagt er augenzwinkernd. Inzwischen habe sich auch dort so viel getan, das Alte Stadthaus erstrahlt in neuem Glanz. Doch Schien fügt hinzu, dass diese Kreuzung an sich einer der Punkte sei, an dem stadtplanerisch noch Handlungsbedarf bestehe, „die Kreuzung ist ungünstig, da sollte man etwas tun“.

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