Ferienakademie zum Open-World-Festival

In Vielfalt der Musik geeint

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„Vielfalt ist der größte Schatz“: Bei den Workshops am Wochenende gab’s unter anderem Einblicke in afrikanische, arabische, afghanische und indische Musik.

Neu-Isenburg - Kinder und Jugendliche, Erwachsene, Hobby-Musiker und Profis begaben sich am vergangenen Wochenende auf eine spannende musikalische Weltreise.

An ihren Erfahrungen teilhaben können alle Interessierten beim ersten Open-World-Festival am 14. April in der Hugenottenhalle. Die Musiker gehen zusammen in einem kleinen Kreis im Obergeschoss der Alten Goetheschule. Mit den Füßen stampfen sie einen gleichmäßigen Rhythmus, in ihre Flöten in den Händen blasen sie jeder einen anderen Takt. Dabei entsteht ein sehr melodisches Zusammenspiel ganz in der Tradition Südafrikas. Phillip Nangle, ein südafrikanischer Meister-Instrumentalist, führte die rund 30 Workshop-Teilnehmer der Open-World-Ferienakademie in die Faszination der südafrikanischen Ritual-Trommeln, Blas- und Saiteninstrumenten ein. Die großen und kleinen, jungen und alten Teilnehmer, darunter Hobby-Musiker und Profis, erlebten am Wochenende eine so lehrreiche wie unterhaltsame musikalische Weltreise. Drei Tage lang jeweils sechs Stunden wurde in den Räumen der Isenburger Musikschule miteinander musiziert, geprobt, ausprobiert, gelernt und gelacht. „Es ist solch ein spannender Prozess und ein voller Erfolg“, ist Initiator Torsten de Winkel fasziniert von der entspannten und gleichzeitig konzentrierten Atmosphäre.

Gemeinsam mit dem internationalen Komponisten Volker Staub und Musikschulleiter Thomas Peter-Horas hat de Winkel das Musik-Festival Open World ins Leben gerufen. „Volker und ich kennen uns aus Neu-Isenburg noch von der Schule und wir arbeiten beide schon sehr lange an ganz unterschiedlichen Projekten mit vielen internationalen Musikern zusammen“, erzählt de Winkel.

Er selbst ist nach dem Abitur in der Hugenottenstadt nach Boston zum Musikstudium in die USA gegangen, hat viele Jahre in New York gelebt und als Gitarrist in der US-Musikbranche mit Stars wie Santana, Miles Davis oder Herbie Hancock gearbeitet. Er ist auch der Initiator des Unesco-empfohlenen Begegnungs-Festivals „Bimbache open ART“ auf der kanarischen Nachhaltigkeitsinsel El Sitio. Und die Begegnung der Musik aus verschiedenen Kulturen der Welt haben de Winkel, Staub und Peter-Horas jetzt auch in Isenburg initiiert.

Am Freitag war schon Salem zu Gast. Ein syrischer Flüchtling, den Torsten de Winkel vor einem halben Jahr in der Erstaufnahmeeinrichtung an der Rathenaustraße kennengelernt hat. Inzwischen ist er aus dem Camp ausgezogen, lebt in einer anderen Stadt. Trotzdem hat der Musiker mit seiner Oud, einem syrischen Saiteninstrument, gerne zugesagt, an dem Workshop mitzuarbeiten. Außerdem ist ein afghanischer Ustad – ein Meister seines Instrument – zu Gast und stellt die Rubabb vor. Ebenfalls ein Saiteninstrument, schon viele Jahrhunderte alt. Der Mann aus Afghanistan war vor zwei Jahren geflüchtet, weil die Taliban gedroht hatten, ihm die Finger abzuhacken, wenn er weiter sein Instrument spielt.

Auch mit von der Partie ist eine Gruppe eritreischer Flüchtlinge, die im Erdgeschoss proben. Spontan haben sich die beiden Jungs Davi und Marlon dazu gesellt und trommeln den für europäische Ohren doch eher fremden Rhythmus sofort mit. Mebrathu Welday, einer der eritreischen Musiker, zeigt ihnen den richtigen Beat – und schon geht es los. „Es ist einfach zauberhaft, so viele Musiker, Jung und Alt, aus aller Welt. Es ist wirklich super-spannend und macht viel Spaß“, hat Jutta Loskill, eine der Teilnehmerinnen, ihre Freude an dem Workshop.

De Winkel sieht das komplette vergangene Jahr als das Open-World-Musikfestival an. „Wir intensivieren die Arbeit jetzt noch einmal mit diesem Workshop. Das Konzert am 14. April ist nicht als Ziel oder als Ergebnis zu sehen. Es ist vielmehr ein großes, gemeinsames Abschlussfest der vergangenen Monate“, betont der Musiker. Am Donnerstag, 14. April, kommen um 19 Uhr in der Hugenottenhalle dann viele, viele Musiker aus dem kompletten Festival-Prozess zusammen. Inklusive 13 professioneller Musiker, die aus allen Erdteilen der Welt anreisen.

„Wir haben uns nicht gefragt, wie sollen wir all diese Hobby-Musiker und Profis, Kinder und Erwachsenen unter einen Hut bringen. Die verschiedenen Nationalitäten und Stilrichtungen? Alles geht, wenn wir keine Angst vor dem Versagen haben. Hier gibt es keine Looser – und genau diese Vorurteilsfreiheit hat die vergangene Zeit sehr gut geklappt“, ist de Winkel überaus zufrieden und stolz auf die Mitwirkenden. (col)

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