Fernsehsendung zur Spvgg. 03

Das Wunder von Berlin

Klaus Reinhardt mit dem Original-Nachdruck der Sonderseite der Offenbach-Post.
+
Klaus Reinhardt mit dem Original-Nachdruck der Sonderseite der Offenbach-Post.

Neu-Isenburg - Bald jährt sich der größte Tag in Neu-Isenburgs Fußballgeschichte. Von Leo F. Postl

Es ist der 24. Juni 1956, die Spielvereinigung 03 hat es bis ins Finale um die deutsche Amateur-Fußballmeisterschaft geschafft und tritt im berühmten Berliner Olympiastadion gegen den VfB Speldorf zum alles entscheidenden Spiel an. Der Kampf um die Krone im deutschen Amateurfußball wird als Vorspiel der Profi-Fußballer ausgetragen. Dabei stehen sich der Karlsruher SC und Borussia Dortmund gegenüber – was aus Neu-Isenburger Sicht ein völlig unbedeutendes Spiel ist. „Uns haben ganz schön die Knie gezittert, denn keiner von uns hat jemals in einem so großen Stadion und vor so großer Kulisse gespielt“, erinnert sich heute noch Helmut Stamer, der nur „King“ genannt wurde.

Das Wunder von Berlin geschah tatsächlich. Die Isenburger Spvgg. 03 gewann nach spannendem Kampf das Spiel mit 3:2. Den alles entscheidenden Treffer erzielte „King“ Stamer. Heute noch hält er stolz das Foto mit seinem Jubelschrei im gegnerischen Tor in den Händen – und alles ist wie damals.

Autokorso durch die Stadt

Nach dem Spiel stand die Hugenottenstadt buchstäblich Kopf. Viele Fans waren zwar mit Bussen und Sonderzug nach Berlin gereist, doch die meisten verfolgten zu Hause an den wenigen Fernsehern, aber vielen Radios das Spiel. Schon als der Schlusspfiff fiel, stürmten die Isenburger auf die Gassen und feierten ausgelassen „ihre“ Mannschaft. Noch gewaltiger sollte jedoch der Empfang der Meistermannschaft ausfallen – mehr als 15.000 Isenburger empfingen die Sieger, die im Autokorso durch die Stadt fuhren.

All diese „Bilder und Emotionen“ lässt der Isenburger Medienschaffende Klaus Reinhardt nun noch einmal aufleben. In Zusammenarbeit mit dem Offenen Kanal in Offenbach zeichnete er eine Fernsehsendung unter dem Titel „Der größte Tag in Neu-Isenburgs Fußballgeschichte“ auf. Dafür hatte Reinhardt nicht nur „King“ Helmut Stamer ins Studio des Offenen Kanals in der Berliner Straße eingeladen, sondern auch den Isenburger Torhüter Karl-Heinz Volz sowie den Vorsitzenden der Spielvereinigung 03, Günther Marx. Die Moderation der Sendung übernahm Michael Sauer, der früher als Sportmoderator beim ZDF arbeitete und heute einen Lehrauftrag für Sportgeschichte an der Uni Mainz hat. Leider musste Dr. Norbert Fuchs, ebenfalls Mitglied der Meistermannschaft, wegen Krankheit absagen.

„Beim Kopfball die Naht noch nach dem Spiel auf der Stirn zu sehen“

Im Studio des Offenen Kanal hat Klaus Reinhardt, der für die Redaktion verantwortlich zeichnet, alles bestens vorbereitet. Das Licht wird für jeden Platz in der Talkrunde eingerichtet, dann noch ein Panorama mit bedeutenden Gebäuden aus Frankfurt und Offenbach als „Rückwand“ ins Studio gebracht. Die einzige Verbindung zur Hugenottenstadt ist das Isenburger Schloss, welches bekanntlich in Offenbach steht. Im Vorspann erzählt Bürgermeister Herbert Hunkel von der sagenhaften Heimstärke der „Nulldreier“, die alles vom Platz im Buchenbusch gefegt haben, was damals Rang und Namen hatte. „Der Buchenbusch war eine schier uneinnehmbare Bastion“, so Hunkel.

50 Jahre Budensliga: die besten Momente

50 Jahre Bundesliga: Die besten Momente in Bildern

50 Jahre Bundesliga
50 Jahre Bundesliga
50 Jahre Bundesliga
50 Jahre Bundesliga
50 Jahre Bundesliga: Die besten Momente in Bildern

Im dann aufgezeichneten Gespräch erzählt „King“ Stamer, wie man damals als Amateur Fußball gespielt hat. „Jeder hatte seinen Beruf, der ging natürlich vor. Unter die einfachen Fußballschuhe hatten wir Lederstreifen genäht, da es ja noch keine Stollen gab. Und der noch handgenähte Ball war bei Regen so schwer, dass beim Kopfball die Naht noch nach dem Spiel auf der Stirn zu sehen war“, schildert der Linksaußen die Umstände. Auf die Fans, mit denen jeder Spieler persönlich bekannt war, konnte man sich verlassen. „Wir haben 100 Mark als Monatsgehalt bekommen, dazu noch Prämien – klar, dass wir uns reingehängt haben“, so Stamer. Das Größte aber, was er je als Fußballspieler erlebt hat, war der Empfang in Neu-Isenburg. „Den Autokorso nach unserem Sieg durch die Tausenden von begeisterten Leuten werde ich nie vergessen“, erinnert sich heute noch der „King“, als wäre es erst gestern gewesen.

Die Sendung im Offen Kanal wird am 24. Juni ausgestrahlt.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare