Ein Neutraler soll’s richten

Fernwärme: Initiative wehrt sich gegen EVO-Preissystem

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Gravenbruch - Die Änderung des Preissystems für Fernwärme der EVO erhitzt nach wie vor die Gemüter. Die eigens gegründete Hausverwalter-Initiative will sich weiter wehren und ruft nach mehr Transparenz bei den Tarifen.

Nun hat die EVO reagiert und angeboten, einen Wirtschaftsprüfer einzuschalten. Er soll die Rechtmäßigkeit des Preissystems klären und so den Streit beenden. Seit die Energieversorgung Offenbach (EVO) im vergangenen Herbst das Preissystem für Fernwärme verändert hat, kommt das Thema nicht aus den Schlagzeilen. Rund 2000 Haushalte beziehen in Gravenbruch über die EVO Fernwärme. Für viele bedeutet die Umstellung des Preissystems eine Erhöhung der Kosten um durchschnittlich acht Prozent. Die Besonderheit: Im Stadtteil sind fast alle Haushalte an das Fernwärmenetz angeschlossen. Wie berichtet, wirft die von Manfred Hartig, Ernst Binninger und Klaus Klein gegründete Hausverwalter-Initiative der EVO vor, ihr Monopol auszunutzen. Die Beschwerdeführer hatten daher Infoschreiben an alle Haushalte verteilt und dazu aufgerufen, sich gegen das Preissystem zu wehren und einen Widerspruch einzulegen. Daraufhin gab es ein Gespräch zwischen der EVO, der Initiative und deren Rechtsanwalt. Zwar habe das zunächst „kein konkretes Ergebnis“ gebracht. Wohl aber „einen Nachdenkungsprozess bei der EVO angestoßen“, heißt es im offenen Brief der Initiative.

Nach Rechnung von Hartig, Binninger und Klein dürfte „die Mehrbelastung für das Versorgungsgebiet Gravenbruch bei schätzungsweise einer Million Euro liegen“ – es gehe also um viel Geld. Zudem weist das Trio darauf hin, im Gegensatz zur EVO hätten andere Anbieter, etwa die Mainova, die Fernwärmepreise gesenkt „und damit die in letzter Zeit massiv gesunkenen Preise für die wesentlichen Einsatzstoffe ordnungsgemäß an die Kunden weitergegeben“.

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In ihrem offenen Brief rufen die drei Gravenbrucher ihre Mitbürger nicht nur zum Widerstand auf. Sie bitten auch um finanzielle Unterstützung „für die Auseinandersetzung mit der EVO“. Die Stadt, so erklärt der von der Initiative ebenfalls mehrfach kontaktierte Bürgermeister Herbert Hunkel, dürfe sich „aus rechtlichen Gründen an einer Finanzierung von Privatklagen nicht beteiligen“. Hunkel berichtet, er habe der Initiative die Gründung eines Vereins vorgeschlagen, sollte es zu keiner Einigung mit der EVO kommen – ähnlich dem Verein „Neu-Isenburg: Wir wollen hier gesund weiterleben“, in dem sich Bürger gegen Fluglärm wehren. Auch habe er zugesagt, einen solchen Verein zu unterstützen. Der Rathauschef hat der Initiative nach eigener Aussage auch angeboten, beim nächsten Gespräch zwischen EVO und Gravenbruchern dabei zu sein – „im Sinne einer gütlichen Regelung“.

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Die EVO hat nun per Pressemitteilung reagiert und betont, man wolle die Debatte über das neue Preissystem „sachlich und konstruktiv“ beilegen. „Obwohl die EVO nach wie vor von der Rechtmäßigkeit der neuen Systematik überzeugt ist“, hat der Versorger der Gravenbrucher Initiative „einen Vorschlag zur Beendigung des Streitfalls“ unterbreitet. Demnach soll ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer die Rechtmäßigkeit des Preissystems klären.

„Um ein faires Verfahren zu gewährleisten, würde die EVO den Wirtschaftsprüfer gemeinsam mit der Interessengemeinschaft auswählen und beauftragen“, berichtet Vertriebsleiter Dominik Gertenbach. Die Kosten würde die EVO seiner Aussage nach alleine tragen, „um allen Beteiligten die Chance zu eröffnen, den Weg der Schlichtung mitzugehen“. Wenn beide Seiten sich bereit erklärten, das Votum des Wirtschaftsprüfers zu akzeptieren und im Anschluss entsprechend zu handeln, könne die Debatte um das Preissystem „ohne Gerichtsverfahren und unnötige Kosten“ beendet werden.

Eine Nachricht, die der Bürgermeister als positiv wertet: „Das ist ein richtiger Schritt in Richtung Kompromiss, wenn beide Seiten nun aufeinander zu gehen“. 

hov

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