Helferkreis für Flüchtlinge

Hilfe beim Neubeginn in Isenburg

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„Flüchtlinge in Neu-Isenburg willkommen heißen“ lautete das Motto am Runden Tisch beim ersten Treffen des Helferkreises.

Neu-Isenburg - Auch in Neu-Isenburg sind inzwischen Flüchtlinge eingetroffen, insgesamt sind im Hotel Zentral und dem Hotel Linde bisher 34 Menschen untergebracht worden.

Die Stadt startet nun einen Helferkreis mit Ehrenamtlichen, die die Flüchtlinge dabei unterstützen sollen, in ihrer neuen Umgebung heimisch zu werden. Das erste Infotreffen zeigt: Die Hilfsbereitschaft ist groß, viele Bürger wollen ihren Teil beitragen.

Es war lange angekündigt: Aus verschiedenen Krisengebieten werden Flüchtlinge nach Deutschland kommen und sie müssen von den Landkreisen aufgenommen werden – da sind die Kommunen im Kreis Offenbach keine Ausnahme. Die 34 Flüchtlinge, die inzwischen in Neu-Isenburg leben, erhalten kostenfreie Unterkunft und ein Frühstück, die Kosten übernimmt der Kreis. Danach sind sie auf sich allein gestellt und müssen mit der monatlichen Zuwendung (354 Euro für allein stehende Person oder Haushaltsvorstand, Ehepartner und Kinder zwischen 318 und 210 Euro) ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Alle Stühle waren besetzt

Die Stadt Neu-Isenburg, einst selbst von Glaubensflüchtlingen gegründet, sieht sich in einer besonderen Pflicht und ruft nun Bürger, Kirchengemeinden und Initiativen zu gebündelter Hilfe auf. Wie ein Netzwerk von Ehrenamtlichen entstehen und funktionieren kann, darum ging es nun beim ersten Runden Tisch im Rathaus. Recht schnell waren alle Stühle besetzt, und immer mehr Leute kamen. Am Ende waren es mehr als 80 Hilfswillige. „Ich bin überwältigt von ihrer Hilfsbereitschaft, sie machen unserer Stadt, der Stadt der Flüchtlinge, wirklich alle Ehre“, stellte Bürgermeister Herbert Hunkel, der zur Veranstaltung geladen hatte, allen weiteren Informationen voran.

„Wir wollen sehen, wie wir mit ihrer Unterstützung den Flüchtlingen so helfen können, dass sie sich in unserer Stadt wie Gäste fühlen“, beschrieb Hunkel den Anspruch. Und verwies darauf, dass es nicht bei den erstmals genannten 12.000 Flüchtlingen, die in Deutschland aufgenommen werden müssen, bleibe; es sind mittlerweile 14.000 angekündigt, die untergebracht werden müssen. Der Kreis Offenbach rechnet mit rund 500 Flüchtlingen im Laufe des Jahres.

Isenburger als Bezugspersonen

Die städtische Integrationsbeauftragte Paola Fabbri Lipsch erläuterte, bei den angedachten Hilfen gehe es vor allem um „ganz elementare Dinge, die aber das Leben schwer machen, wenn man nicht die Verhältnisse in einem fremden Land kennt“, wie Arztbesuch, Einkauf oder Behördengang. „Einmal in der Woche kommt jemand von der Ausländerbehörde des Kreises, schaut nach dem Rechten – und das war´s“, beschrieb sie den normalen Alltag in den Gemeinschaftsunterkünften. Viele der Flüchtlinge, insbesondere Familien, würden aber gerne ihr gewohntes Essen kochen oder ihre Wäsche waschen, nannte Fabbri Lipsch Beispiele. Und fragte: „Wie können wir das organisieren?“. Viele der Neuankömmlinge interessierten sich auch bereits für sprachliche Weiterbildung oder kulturelle Veranstaltungen. Daher werden nun Isenburger als Bezugspersonen gesucht, um ein Vertrauensverhältnis aufbauen zu können und die neu in der Stadt angekommenen Flüchtlinge beim Einkaufen oder ähnlichem zu begleiten. „Die Sprache ist die kleinste Barriere“, verwies Fabbri Lipsch auf erste Erfahrungen.

Doch damit es kein „wildes Durcheinander“ bei den vielen Hilfswilligen gibt, sollen nun erst einmal alle Ressourcen – also wer wie helfen kann und will – gesammelt und danach die Leistungen organisiert werden. Anlauf-stelle hierfür ist die Stabstelle Integration unter Leitung von Paola Fabbri Lipsch, aber auch die Stabstelle zur Förderung des Ehrenamts.

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Für Gerhard H. Gräber wäre es wichtig, dass der Helferkreis einen Namen erhält. Der engagierte Isenburger schlug den schon einmal von Andreas Thiele geprägten Slogan „Fremde brauchen Freunde“ vor. „Hierunter kann sich jeder etwas vorstellen, der Spruch sollte zum Erkennungszeichen dieser Aktion werden“, so Gräber. Bereits auf eigene Initiative haben sich einige Bürger zur finanziellen Unterstützung der Flüchtlinge eingebracht. So berichtet Heide Enfield, dass in ihrer Firma der Erlös aus der Tombola bei der Weihnachtsfeier zur Hälfte dem Flüchtlingsprojekt zugute komme. „Es gibt sicherlich viele Menschen, die gerne helfen würden, aber nicht viel Zeit haben und daher mit Geld diese Sache unterstützen würden“, regte Petra Bremser die Einrichtung eines Spendenkontos an. Dies soll in Kürze geschehen und von der Marktplatzgemeinde, die viel Erfahrung mit solchen Projekten hat, verwaltet werden.

Vorgeschlagen wurde auch eine Kleidersammelstelle. Mussie Habte, der 1986 selbst als Flüchtling aus Eritrea kam und jetzt als politischer Berater für die Grünen im Landesparlament tätig ist, verwies darauf, die Flüchtlinge nicht nur als Bedürftige zu sehen, sondern sie mit Würde zu behandeln, denn auch sie hätten eine Vorstellung von ihrem zukünftigen Leben.

Wer sich – in welcher Form auch immer – in dem Helferkreis einbringen will, meldet sich bei der Stadt unter 241763.

(lfp)

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