Großer Andrang bei Infoveranstaltung

Ansprüche bei Fluglärm

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 Die Plätze reichten bei Weitem nicht: Dicht gedrängt verfolgen die Bürger im Leersaal des Feuerwehrhauses den Vortrag.

Neu-Isenburg - Der Ansturm auf die RP-Veranstaltung zu Ansprüchen bei Fluglärm bringt die Organisatoren in die Bredouille. Von Leo F. Postl 

„Mit solch einem Andrang haben wir nicht gerechnet. “ Sichtlich besorgt reagiert Bürgermeister Herbert Hunkel auf den Ansturm, den die Infoveranstaltung zu finanziellen Ansprüchen bei Lärmschutzmaßnahmen am Freitagabend auslöst. Während die Feuerwache aus allen Nähten platzt, suchen draußen auch kurz nach Beginn der Veranstaltung noch etliche Interessierte jenseits der Friedhofstraße nach Parkplätzen.

„Wir wollen keinen wegschicken“, verkündet Hunkel nach Rücksprache mit Vertretern des Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt – und bietet all jenen, die nicht mal mehr einen Stehplatz ergattert haben, an, den Vortrag am gleichen Abend ein zweites Mal abzuhalten. So werden eigens Feuerwehrautos aus der Halle gefahren, um den Wartenden einen warmen Raum zur Verfügung zu stellen. Die meisten tragen sich jedoch in Listen ein und treten den Heimweg an.

Stimmung rechtzeitig erkannt

Für Christel Malkemus (Grüne) lief die Bürgerinformation völlig schief. „Unabhängig davon, dass der Raum für eine solche Veranstaltung viel zu klein und zudem viel zu wenig Info-Material vorhanden ist, waren die Redner schlecht vorbereitet“, verweist Malkemus in ihrer Kritik auf das große Interesse der Bürger am Thema Fluglärm. „Diese Veranstaltung ist auf unseren Antrag zurückzuführen, denn wir haben die Stimmung in der Bevölkerung rechtzeitig erkannt und entsprechend gehandelt. Die Neu-Isenburger möchte informiert werden, aber nicht so dilettantisch“, setzt Malkemus nach.

Einige Bürger sahen das ähnlich. Sie sei gerade unverrichteter Dinge von der Veranstaltung zurückgekehrt, berichtet etwa am Freitagabend eine betroffene Hauseigentümerin, die ihrem Unmut am Redaktionstelefon Luft macht. Sie sei ja mit der Arbeit der Stadt im Großen und Ganzen zufrieden, „aber das gerade war absolut unbefriedigend“. Sie hoffe inständig, dass zeitnah eine Folgeveranstaltung initiiert werde.

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Das Stadtparlament hatte den Magistrat beauftragt, die Bürger darüber in Kenntnis zu setzen, wer Anrecht auf welche passiven Schallschutzmaßnahmen und Entschädigungspauschalen bei Wohnungen und Grundstücken hat. Ferner sollte darüber informiert werden, inwieweit die Inanspruchnahme der Ausgleichmaßnahmen zusätzliche juristische Schritte zur Einforderung weiterführender Schallschutzmaßnahmen beziehungsweise Schadensersatzforderungen ausschließt und welche Klagemöglichkeiten sich für nicht berechtigte Lärmbetroffene ergeben. „In der Bevölkerung herrscht Unklarheit darüber, an welche Bedingungen die Ausgleichmaßnahmen geknüpft sind. Es herrscht Unwissen über die Zuordnung zu den Schallschutzzonen sowie über die einzuleitenden Schritte, die zu erbringenden Formalitäten und über die juristischen Möglichkeiten“, so die Begründung der Grünen in ihrem Antrag.

Tagesschutzzone ist besonders betroffen

Ein solcher Infoabend ist für die Vertreter des RP nichts Neues. „Wir informieren die Bürger in über 20 Kommunen rund um den Flughafen. Aus Neu-Isenburg liegen uns bisher rund 250 Anträge für Maßnahmen nach dem Fluglärmschutzgesetz vor, weitere 100 zu den erweiterten Ansprüchen aus dem Regionalfonds“, sagt Holger Trodt vom RP. Über die Details informiert dann Dr. Helmuth Beck, ebenfalls RP-Mitarbeiter.

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Zuschüsse für Lärmschutz

Um Ansprüche früher als nach der ursprünglichen Wartezeit von sechs Jahren erfüllen zu können, wurde vom Land Hessen und der Fraport ein Regionalfonds eingerichtet. Somit können ab sofort Ansprüche geltend gemacht werden. In der Nachtschutzzone, die in einem Bereich mit einem durchschnittlichen Dauerschallpegel von 50 bis 55 Dezibel liegt, gibt es ausschließlich Erstattungen für Lärmschutzmaßnahmen in Schlafräumen. In der Tagschutzzone gibt es bei 60 bis 65 Dezibel Beihilfen für Lärmschutzeinrichtungen, die das ganze Haus, ja sogar den Außenbereich betreffen.

Die Nachtschutzzone umfasst das Isenburger Stadtgebiet etwas nördlich der Linie von der Bansamühle über den Alten Ort bis einschließlich des Sportparks. Die Tagschutzzone ist ein besonders vom Fluglärm betroffener Streifen von der Endhaltestelle der Straßenbahn im Nordosten Isenburgs über das nördliche Stadtgebiet bis rund 150 Meter nordwestlich des Bahnhofs. Auch der nördliche Siedlungsbereich von Zeppelinheim, etwa vom Sportpark bis zum Bahnhof, fällt in die Zonen. Die Begrenzungslinien werden durch „Isophonen“ festgelegt.

Wer nun wissen möchte, in welcher Zone die eigene Immobilie liegt, kann dies direkt über die beim RP hinterlegte Datenbank per Internet ermitteln. „Sie können aber auch jederzeit bei uns anrufen, sagen uns ihre Flurnummer und sie erhalten die Auskunft“, so Trondt.

Fluglärm-Urteile für Frankfurter Flughafen

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Paul Rissmann, der in der Friedensallee wohnt, ist die Definition des Dauerschallpegels ein Dorn im Auge. „Jedes Mal wenn ein Flugzeug vorbeifliegt, erreicht der Lärmpegel rund 72 Dezibel, dennoch liegt der Dauerschallpegel weit darunter, weil auch die Lärmpausen in die Berechnung einfließen“, kritisiert der Isenburger.

Zeit genug bleibt den Bürgern auf jeden Fall, um Anträge zu stellen. Die Frist läuft erst 2017 ab. Pro Wohneinheit gibt es aus dem Regionalfonds einen Zuschuss von maximal 4 350 Euro. Details sind über die Homepage des RPs (www.rp-darmstadt.hessen.de) zu erfahren. Die vielleicht versöhnlichste Nachricht des Abends kommt aber von Bürgermeister Herbert Hunkel: „Wir wollen unsere Bürger nicht enttäuschen und werden diese Veranstaltung in der Hugenottenhalle wiederholen.“

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