Scharfe Kritik an Variante 4 der Lärmpause

Neu-Isenburg sagt Nein

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Im Isenburger Westen nichts Neues: Die Belastung durch Fluglärm ist groß.

Neu-Isenburg - Als Schlag ins Gesicht empfinden viele krach-geplagte Isenburger die geplante Fluglärmpause, für die sich jetzt die Fluglärmkommission aus- gesprochen hat. Wie berichtet, soll die Variante 4 erprobt werden.

Dieses Modell hat allerdings nicht nur Gewinner – für viele wird es noch lauter, darunter auch Neu-Isenburg. Entsprechend deutlich fallen gestern die Reaktionen in der Hugenottenstadt von Bürgern und Politik aus.

„Wir lehnen Lärmpausenmodell 4 ab“, betont Bürgermeister Herbert Hunkel. Denn das vom Verkehrsministerium empfohlene und von der Fluglärmkommission geduldete Modell sei mit zusätzlichem Lärm für bereits hochbelastete Gebiete in Neu-Isenburg verbunden. „Es darf keine Lärmentlastung zu Lasten bereits hoch Betroffener geben“, findet Hunkel. „Wie auch schon im Positionspapier der Stadt dargelegt, fordern wir eine echte achtstündige Lärmpause und eine – technisch mögliche – kontinuierliche Reduzierung des Fluglärms. Nur so können alle Menschen im Einzugsbereich des Flughafens entlastet werden.“ Die Lärmpausenmodelle seien Rechenspiele, „der Lärm wird nur verschoben“.

Das Lärmpausen-Modell 4 sei rein rechnerisch mit einer Mehrbelastung an Lärm für etwa 7 200 Bürger Isenburgs verbunden. Einer Entlastung in der Morgenstunde von 5 bis 6 Uhr für 10 900 Bürger stehe eine Mehrbelastung am Abend von 22 bis 23 Uhr für 18 100 Personen gegenüber. Hunkel berichtet, in der Sitzung der Fluglärmkommission am Mittwoch seien die Auswirkungen der fünf vorgeschlagenen Modelle vorgestellt worden. Danach erbrächten nur die Modelle 4 und 5 insgesamt eine rechnerische Entlastung für „netto“ 39.700 beziehungsweise 39.800 Menschen. Die Fluglärmkommission habe zwar kein Modell empfohlen, jedoch erklärt, den Probebetrieb des Modells 4 zu dulden.

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Hunkel lehnte das ab. Die Isenburger dürften nicht noch mehr belastet werden. „Stattdessen müssten endlich die Maßnahmen angegangen werden, die zu einer spürbaren Entlastung führen.“ Wie berichtet, haben Hunkel und Vertreter der AG Flughafen am Mittwoch einen Termin bei Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), um die Position der Stadt zu den Lärmpausen und Isenburgs Positionspapier vorzustellen.

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Nichts Gutes an der neuesten Entwicklung erkennt auch Isenburgs SPD, die sich gestern „restlos enttäuscht“ vom hessischen Verkehrsminister zeigt. „Obwohl die Fluglärmkommission alle Lärmpausenmodelle zu Recht als untauglich bewertet hat, geht nun das für Neu-Isenburg unvorteilhafteste Modell in den Probelauf“, schreiben die Sozialdemokraten. „Wir hatten schon in der vergangenen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung als einzige Fraktion darauf hingewiesen, dass alle Modelle untauglich sind und man aufpassen muss, Herrn Al Wazir nicht auf den Leim zu gehen. Es war klar, dass er, nachdem er in Sachen Lärmschutz und Flughafenausbau bisher nichts erreicht hat, irgendeinen ‘Erfolg’ braucht. Irgendeines dieser untauglichen Modelle musste kommen, damit er nicht sein Gesicht verliert“, sagt Karl-Heinz Groh, Mitglied der AG Flughafen.

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Parteichef Markus Munari ergänzt, es sei absehbar gewesen, dass es zum reinen Verschiebebahnhof komme und dort, wo man die einen entlastet, andere noch mehr belastet würden. „Nun sind wir Isenburger einmal mehr die Verlierer, weil sich Frankfurt durchgesetzt hat“, so Munari.

Der Fraktionsvorsitzende Christian Beck fordert: „Al Wazir soll endlich das machen, was er den Menschen in Neu-Isenburg jahrelang versprochen hat. Er ist bei der letzten Landtagswahl von vielen Menschen hier gewählt worden, weil er eine Reduzierung der Lärmbelastung versprochen hat. Nun setzt er das Gegenteil um und besitzt noch die Frechheit, das als politischen Erfolg zu verkaufen. Da wünscht am sich ja fast die FDP-Wirtschaftsminister zurück. Die haben zwar auch immer mehr Lärm gebracht, haben aber vorher nicht das Gegenteil behauptet.“

Er hoffe nun, dass die örtlichen Grünen ihren Einfluss auf Frank Kaufmann und Tarek Al Wazir geltend machten, „um vielleicht eine endgültige Umsetzung dieses Pfuschs zu verhindern“.

Auch die Montagsrunde meldet sich zu Wort. „Neu-Isenburg hat beim Poker um die Lärmpausen verloren“, schreibt Werner Geiß als Sprecher des regionalpolitischen Arbeitskreises. Gleichwohl habe es keinen Sinn, weiter um eine Lärmverlagerung zu verhandeln. „Der Fluglärm muss jetzt endlich an der Quelle bekämpft werden.“ Die Runde fordert „Lärmpausen für Krachmacher“. Mit dem Modell der Lärmpausen und den gestaffelten Lärmentgelten habe das Verkehrsministerium formal richtige Schritte eingeleitet. „Die müssten aber so restriktiv ausgestaltet sein, dass die Luftfahrtbranche auch die notwendigen Konsequenzen ziehen. So sollte für die extremen Krachmacher eine generelle Lärmpause von 22 bis 6 Uhr gelten. Zumindest für jene im oberen Drittel der von Fraport definierten Lärmkategorien, auch die von der Lufthansa bevorzugten Großflugzeuge wie B747-8 und A380“, schreibt Geiß.

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