Keine ernstzunehmenden Gebote

Kein Zuschlag für Forsthaus-Galerie

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Die teilweise leerstehende Ladengalerie in der Gravenbrucher Ortsmitte mitsamt Tiefgarage, Büros und Mietwohnungen fand gestern keinen neuen Besitzer.

Gravenbruch/Offenbach - Neugierde: ja. Ernstzunehmende Gebote: Fehlanzeige. Dieses Fazit lässt sich nach dem ersten Zwangsversteigerungstermin für die Forsthaus-Galerie ziehen. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Dabei sieht es anfangs gar nicht so schlecht aus: Der Saal 270 im Altbau des Offenbacher Amtsgerichts ist gestern mit 24 Zuschauern gut gefüllt, in kleinen Grüppchen sitzt das bis auf eine Ausnahme ausschließlich männliche Publikum zusammen, tuschelt hin und wieder, befragt die Smartphones. Rechts vom Rechtspfleger sitzt der Anwalt der Eigentümer-GbR, dessen einzige sichtbare Amtshandlung sich in der Abgabe eines handgeschriebenen Befangenheitsantrags gegen den Rechtspfleger erschöpft. Den Platz zu seiner Linken nehmen zwei Vertreter der Gläubigerin, die Deutsche Pfandbriefbank AG in Unterschleißheim, ein. Die ihr zustehende Grundschuld ist mit neun Millionen Euro im Grundbuch eingetragen.

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Das ist weit mehr als der Verkehrswert des 6363 Quadratmeter großen Areals: Der wurde 2010 von einem Frankfurter Gutachterbüro mit 5.080.000 Euro ermittelt. 50 Prozent dieser gut fünf Millionen Euro – oder 5/10, wie es juristisch korrekt heißt – müssen mindestens geboten werden, sonst muss der Rechtspfleger von Amts wegen den Zuschlag versagen. Genau solch ein Fall ist das erste Gebot eines Heilbronner Unternehmers: Er bietet eine Million – das Gebot wird zurückgewiesen „mangels Erbringung der Sicherheitsleistung von 5/10“.

Danach: Stille. In der Garderobe klingelt ein Handy, wenige Beobachter gehen raus und kommen wieder rein. Die Luft ist zum Zerschneiden dick, ähnlich der gespannten Atmosphäre, ob sich noch einmal jemand zum Gebot erhebt. Endlich, als der Rechtspfleger schon zweimal auf das nahende Ende der Bietzeit von 30 Minuten hingewiesen hat, traut sich ein großgewachsener Mann mittleren Alters nach vorne. Er bietet die erforderlichen 2.540.000 Euro, legt ein paar Papiere und seinen Personalausweis auf den Tisch. Doch das zweite und letzte Gebot hat wieder einen Haken, den der Rechtspfleger gnadenlos aufdeckt: „Der Handelsregisterauszug ihres Gewerbes ist nicht amtlich, den kann ich nicht anerkennen. Wenn Sie beim Gebot bleiben, werden Sie als Privatperson haften!“ Das will der Bieter nicht und zieht sein Angebot zurück.

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Dann ist die Zeit abgelaufen und die Sitzung offiziell beendet. Was nicht so ganz stimmt, denn der mit dem Misstrauen der Eigentümer belegte Rechtspfleger darf den am Ende stehenden Beschluss nicht verkünden. Das muss ein Kollege an einem Termin Ende Januar für ihn übernehmen. Was verkündet wird, ist indes kein Geheimnis: „Aufgrund des Mangels an Gebotsabgaben wird das Verfahren nach Paragraf 77 des Zwangsversteigerungsgesetzes einstweilig eingestellt.“ Danach hat die Gläubigerin, also die Pfandbriefbank, sechs Monate Zeit, einen Fortsetzungsantrag zu stellen. Ob sie dies macht, ist derzeit ungewiss – die Bankvertreter waren zu einer Stellungnahme gegenüber der Presse nicht bereit.

Für die Substanz der Immobilie im Herzen Gravenbruchs – wie berichtet geht es um den „Wohn- und Geschäftshauskomplex Dreiherrnsteinplatz 14-19“ samt teilweise leerstehender Ladengalerie, Tiefgarage, Büros und Mietwohnungen und einsturzgefährdetem Ex-Tengelmann – ist eine weitere Verzögerung mehr als schädlich. Schon vor knapp einem Jahr hatte Zwangsverwalterin Barbara Schultz den teils maroden Zustand des Komplexes beklagt. Die drei Eigentümer aus Mexiko, Israel und Frankfurt hätten schlichtweg alles vergammeln lassen und überzogene Wertvorstellungen von der Immobilie.

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