Franz Müntefering in Neu-Isenburg

Politprominenz beim SPD-Neujahrsempfang

Zur Erinnerung an seinen Besuch bekam Franz Müntefering (Zweiter von links) ein Buch über Zeppelinheim geschenkt. Das Foto zeigt den Ehrengast zusammen mit (von links) dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Christian Beck, dem Bundestagskandidaten Dirk-Gene Hagelstein, der Fraktionsgeschäftsführerin Irene Linke und dem Landtagskandidaten Corrado di Benedetto.
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Zur Erinnerung an seinen Besuch bekam Franz Müntefering (Zweiter von links) ein Buch über Zeppelinheim geschenkt. Das Foto zeigt den Ehrengast zusammen mit (von links) dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Christian Beck und dem Bundestagskandidaten Dirk-Gene Hagelstein.

Neu-Isenburg - Wer erwartet hatte, dass Franz Müntefering bei seiner Rede gestern beim SPD-Neujahrsempfang auf die aktuelle Politik eingeht oder mit ätzender Kritik an der schwarz-gelben Bundesregierung begeistert, sah sich schnell getäuscht. Von Holger Klemm

Doch das war auch gar nicht die Absicht des ehemaligen Bundesvorsitzenden. Eine Rede bei einem Neujahrsempfang biete die Möglichkeit, allgemeiner Stellung zu nehmen. „Politik muss auch die Möglichkeit haben, über den Wahltag hinaus zu blicken. “.  „Es ist für uns etwas ganz Besonderes, so einen Gast begrüßen zu dürfen.“ SPD-Fraktionschef Christian Beck freute sich nicht nur über den prominenten Besuch, sondern auch über die sehr gute Resonanz im Bürgerhaus Zeppelinheim. Unter den zahlreichen Gästen fanden sich der ehemalige Flughafenchef und Aufsichtsratsvorsitzende von Eintracht Frankfurt Wilhelm Bender, der bislang letzte SPD-Bürgermeister Neu-Isenburgs Hans-Erich Frey und der frühere Zeppelinheimer Bürgermeister Herbert Becker, aber auch viele Vertreter von Vereinen, Parteien oder Kirchen.

Dem SPD-Bundestagskandidaten Dirk-Gene Hagelstein blieb es vorbehalten, den Ehrengast vorzustellen. Es gebe wohl kaum jemanden in der Politik, dem es besser gelungen sei, komplexe Inhalte in griffige Formulierungen umzusetzen. Hagelstein erinnerte an „Opposition ist Mist“ oder die „Heuschrecken“. Der Direktkandidat bedauerte, dass er – sollte er im September nach Berlin kommen – als neuer Abgeordneter nicht auf den Rat von Müntefering bauen kann, da dieser nicht mehr für den Bundestag kandidiert. Hagelstein habe gehört, dass es in der Hauptstadt mächtig rau sein kann. Doch dafür sieht er sich durch seine Erfahrungen in Neu-Isenburg gerüstet.

Bei seinem Auftritt ließ Müntefering sicherlich die klare Kante vermissen, für die er auch bekannt ist, dafür sprach er sehr persönlich und nachdenklich über Themen, die ihn umtreiben. Natürlich setzt er auf einen Sieg seiner Partei bei den Wahlen („Ich hoffe, dass der Slogan ,Hessen vorn‘ wieder einen Sinn ergibt“), im Mittelpunkt seiner gut halbstündigen Rede standen jedoch die Gefahren für die Demokratie in der modernen Technologiegesellschaft, die Bedeutung von Europa und die Folgen des demografischen Wandels. Er sprach von einem Jahrhundert der Kommunikation mit weltweit ungeahnten Möglichkeiten, die aber den Nationalstaat mit seiner Demokratie vor Herausforderungen stelle. Zudem gebe es eine Mitverantwortung für die Bewahrung der Menschenrechte in der ganzen Welt. Besonders wichtig sei es, dass Europa seine Krise überwindet.

Münte und seine Michelle: Bilder

Münte und seine Michelle

Müntefering nannte mit einem Augenzwinkern auch ganz persönliche Dinge. Angesichts der modernen Medien mangele es vielen an Bewegung. Deshalb forderte er die Besucher auf, aktiver zu werden – was nicht zuletzt gut für das Gedächtnis sei. Angesichts der zunehmend älter werdenden Gesellschaft bat der 73-Jährige vor allem seine Altersgenossen, sich ehrenamtlich zu engagieren – beispielsweise gegen die Einsamkeit in der Gesellschaft oder dafür, dass nicht so viele Jugendliche ohne Schulabschluss dastehen. „Solidarität lässt sich organisieren.“ Der Politik gab er mit auf den Weg, in Zukunft jungen Leuten verlässlichere Berufsperspektiven zu bieten und sich auf die Folgen des demografischen Wandels besser vorzubereiten.

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