Jung und Alt als Spielkameraden

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Maria Flach hat mit Leon ein Zwiebelmännchen gebastelt.

Neu-Isenburg - „Was gibt es Schöneres, als voneinander zu lernen oder sich gegenseitig zu helfen?“, meint Maria Flach. Sie wartet schon sehnsüchtig auf das Eintreffen der Kinder aus der Freizeitvilla. Von Leo F. Postl

Mit 98 Jahren ist sie die älteste Teilnehmerin des Projektes „Jung trifft Alt“. Seit knapp einem Jahr läuft die gemeinsame Aktion der städtischen Kinderbetreuungseinrichtung und des Altenpflegeheims „An den Platanen“ der Mission Leben. Ein Altersunterschied von teils mehr als 90 Jahren trennt die Kinder und die Senioren in der Runde. In einem großen Stuhlkreis sitzen sechs Kinder neben ebenso vielen älteren Damen, dazwischen Cornelia Bünger und Bettina Liebermann von der Freizeitvilla sowie Klaus Dieter Meier und Sevinc Herres vom Sozialdienst des Pflegeheims.

Damiano greift sich den Ball und sagt „Ich bin gerne hier, weil es immer so lustig ist“. Er rollt den Ball zu Elsa Powalla. Die Seniorin nimmt ihn auf und sagt: „Ich bin gerne hier, weil mir alles, was wir hier machen, viel Spaß macht“. Aufgrund des großen Erfolges finden die Begegnungen zwischen Kindern und Senioren schon das zweite Schulhalbjahr in Folge statt. Jeden Donnerstagnachmittag treffen sich sechs Hortkinder der Freizeitvilla aus dem ersten und zweiten Schuljahr mit sechs Bewohnern des Altenheims für anderthalb Stunden zu gemeinsamen Aktivitäten. Zu Beginn des ersten Treffens erkundeten die Kinder das Haus und lernten die Lebenswirklichkeit der Senioren kennen. Daraus ergaben sich weitere Anknüpfungspunkte.

Klaus Dieter Meier (Sozialarbeiter) und Sevinc Herres (Alltagsbegleiterin, vom Sozialdienst des Hauses) erarbeiteten gemeinsam mit Bettina Liebermann und Cornelia Bünger, der Leiterin der Freizeitvilla, ein vielfältiges und abwechslungsreiches Programm – das dem Altersunterschied der Beteiligten gerecht werden soll.

Rollstuhltanz oder Ballspielen

Die Treffen beginnen immer mit einem gemütlichen Kaffeeplausch und dem gemeinsamen Lied „Alle Kinder sind jetzt da“. Es wird gegenseitig gefragt, wie es geht, was in der Zeit, in der man sich nicht gesehen hat, so passiert ist. Dann wird gebastelt, gemalt oder gebacken. Und es steht immer auch Bewegung auf dem Programm – in Form von Rollstuhltanz oder Ballspielen.

Bewegungsspiel mit dem Schwingtuch: Der Ball muss in eines der Löcher befördert werden.

Aber auch ganz menschliche Probleme bleiben nicht aus, beispielsweise wenn die Kinder beim „Mensch-ärgere-dich-nicht“ gleich mehrfach die Spielregeln zu ihren Gunsten ändern. „Das wollten sich die Damen aber nicht gefallen lassen, und ich musste mich als Schiedsrichter dazu setzen“, erzählt Cornelia Bünger. Eine lustige Anekdote gibt es von der Weihnachtsfeier zu berichten. Die Kinder hatten Zweifel, ob der schöne Bart des Nikolauses auch wirklich echt ist. Jeder wollte mal ziehen – und als Bodhi Elliot (Kinderzirkus Wannabe) laut „Aua!“ schrie – waren alle Zweifel beseitigt. „Da hatten die Seniorinnen ihren Spaß und erzählten noch tagelang davon“, erinnert sich Sevinc Herres.

Am wichtigsten sind und bleiben jedoch die Begegnungen zwischen Jung und Alt. Es entstehen spontane Gespräche, ein Miteinander und ein unkomplizierter Austausch zwischen der Lebenswelt von Kindern und Senioren. „Die Erfahrung, sich mit der anderen Generation auseinanderzusetzen, bereichert beide Seiten“, betont Cornelia Bünger und kündigt an, dass das Projekt auch in Zukunft fortgesetzt werde.

Die Bewohner finden ebenso wie die Kinder aufmerksame Zuhörer. Alle stellen immer wieder fest, dass sie in der Lage sind, sich gegenseitig zu helfen und voneinander zu lernen.

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