Sorge um künftige Situation auf Friedhofstraße

Regionaltangente West: Im Stau statt am Einsatzort?

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Bleibt die Friedhofstraße auch nach dem Bau der „verlängerten RTW“ zweispurig in jede Richtung, sieht der Stadtbrandinspektor Probleme, was die Bildung einer Rettungsgasse betrifft. J   Foto: Postl

Neu-Isenburg - Die RTW-Züge, die künftig quer durch Neu-Isenburg fahren sollen, erschweren es der Wehr, Hilfsfristen einzuhalten. Deshalb denkt man sowohl im Feuerwehr- als auch im Rathaus bereits über die Zukunft und ein entsprechendes Rettungskonzept nach. Von Leo F. Postl

Man versetze sich in das Jahr 2023 – fünf Jahre sind schnell vergangen – und die Regionaltangente West (RTW) fährt bis in den Osten von Neu-Isenburg, also bis zur Endstation „Neu-Isenburg Ost“. Gemäß den vorliegenden Planungen könnte dies durchaus der Fall sein; aber selbst wenn es noch ein paar Jährchen länger dauern sollte, sieht Stadtbrandinspektor Stefan Werner die Sache mit gemischten Gefühlen. Kopfzerbrechen bereitet ihm, dass die Züge sich teilweise den Verkehrsraum mit den Autos teilen werden. Die Sorge: Wenn sich der Verkehr staut, könnte es zu eng werden für Rettungsgassen – und damit für die Einsatzkräfe problematisch, die gesetzlich geforderte Hilfeleistungsfrist von zehn Minuten einzuhalten.

„Die Feuerwehr wird ja nicht nur angefordert wenn es brennt, sondern der größte Teil unserer Einsätze entfällt auf Hilfeleistungen. Und was ist, wenn es einen Unfall mit der RTW gibt?“, fragt sich der Stadtbrandinspektor.

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Es muss ja nicht sein, dass es gerade im Kreuzungsbereich der Friedhofs- mit der St. Florian-Straße oder der gegenüberliegenden Martin-Behaim-Straße ein Problem mit der RTW gibt. „Dann wären wir ohnehin gefangen und könnten nicht ausrücken“, skizziert Werner die Situation. Doch auch bei einem Problem mit der RTW weiter in Richtung Innenstadt, hier denkt Werner an das Fachärztezentrum oder den Eingang zum Friedhof, sieht der Feuerwehr-Chef die Situation bedenklich. „So ein Zug ist 100 Meter lang, wo sollen da die Fahrzeuge, die sich gerade auf der Straße befinden, hin, um eine Rettungsgasse zu bilden?“, fragt sich Werner.

Bleibt die Friedhofstraße auch nach dem Bau und der Inbetriebnahme der „verlängerten RTW“ – es geht hier um den Abschnitt vom Stadttor bis zur Endhaltestelle im Osten – weiterhin zweispurig in jede Richtung, dann sieht der Stadtbrandinspektor beträchtliche Probleme, was die Bildung einer Rettungsgasse bei Einsätzen betrifft: „Wird die Straße nur einspurig, dann müsste man einen ungenutzten Freiraum bereitstellen, was dies für den Verkehr bedeutet, kann sich auch jeder ausmalen.“

Mit einer einspurigen Verkehrsführung, zumindest in Richtung Stadtmitte, wäre allerdings das Ziel der oft diskutierten „Pförtnerampel“ erreicht – es könnten viel weniger Autos in die Stadt kommen. Doch Autofahrer würden sich dann wohl wieder andere Wege suchen; die Möglichkeiten reichen vom ohnehin heute schon ziemlich frequentierten Gravenbruchring über die Offenbacher bis zur Neuhöfer Straße.

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Als mögliche Lösung zur Einhaltung der Hilfeleistungsfrist war bekanntlich auch schon eine weitere Feuerwache im Westen von Isenburg ins Spiel gebracht worden. „Wir haben ja heute schon in einigen Stellen der Stadt das Problem, innerhalb der Zehn-Minuten-Frist am Einsatzort zu sein – dies betrifft nicht nur Gravenbruch“, so Werner. Wo man einen entsprechenden Platz dafür fände und was dies alles kosten würde, darüber hat der Stadtbrandinspektor nicht zu befinden. Dass man zusätzliche Gerätschaften, wie beispielsweise eine Hebeanlage für ein viele Tonnen schweres Schienenfahrzeug, beschaffen müsste, auch darauf verweist der Feuerwehr-Chef schon heute. „Ich muss meine Aufgabe wahrnehmen und rechtzeitig auf mögliche Probleme hinweisen, bei der Lösungsfindung bin ich freilich auch gerne dabei“, betont Werner.

Auch Bürgermeister Herbert Hunkel hat das Thema auf dem Schirm und sagt, man bemühe sich bereits um entsprechende Lösungsmöglichkeiten. „Eine zweite Feuerwache im Westen der Kernstadt halte ich allerdings für ziemlich utopisch, da muss es pragmatische Lösungen geben“, so Hunkel.

Er bringt, bei Blockadesituationen in der Friedhofstraße, ein Ausrücken der Wehr über eine Alternativroute durch das Birkengewann und die Offenbacher Straße ins Spiel. „Wichtig ist, dass wir alles dafür tun, um auch in Zukunft allen Situationen gerecht zu werden, die das Einhalten der Hilfeleistungsfrist möglich machen“, betont das Stadtoberhaupt.

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