Gabriele Schweitzer fertigt Urnen für verstorbene Haustiere

Auch im Tod etwas Besonderes

Für ihre Urnen nutzt Gabriele Schweitzer als Ausgangsmaterial Holz und Keramik. Hinzu kommen Fasern, gepresste Pflanzen, Seide, Farbe, Perlen oder Schmuckstücke.
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Für ihre Urnen nutzt Gabriele Schweitzer als Ausgangsmaterial Holz und Keramik. Hinzu kommen Fasern, gepresste Pflanzen, Seide, Farbe, Perlen oder Schmuckstücke.

Neu-Isenburg - Individuelle Formen des Abschiednehmens spielen im Werk der Neu-Isenburger Künstlerin Gabriele Schweitzer eine große Rolle. Auch Haustieren ermöglicht sie mit speziell gestalteten Urnen ein würdevolles Andenken. Von Barbara Scholze

Wenn der vierbeinige Kamerad stirbt, trauert der Mensch zutiefst. Der Gedanke, die sterblichen Überreste des Hundes, der Katze oder des einst stolzen Pferdes einer Tierkörperverwertung zu übergeben, ist für viele unerträglich. Das Tier verbrennen zu lassen und die Asche aufzuheben oder im Garten beizusetzen, ist zu einer echten Alternative geworden. Dem letzten Weg des tierischen Freundes besondere Würde zu geben, hat sich Gabriele Schweitzer aufgemacht. Unter dem Namen „Pigmentum“ fertigt die Künstlerin nicht nur Schmuck aus Tierhaar als Erinnerung. Sie formt auch individuelle Urnen für die Asche des verstorbenen Vierbeiners. „Der Weggefährte hat schließlich deutliche Spuren im Leben seiner Menschen hinterlassen und soll auch im Tod etwas Besonderes sein“, sagt sie.

Seit vielen Jahren beschäftigt sich Schweitzer in ihrem Atelier mit verschiedenen Kunstrichtungen. „Angefangen habe ich ganz klassisch mit Malerei“, erzählt sie. Nicht nur Form und Farbe, sondern auch die intensive Auseinandersetzung mit den Materialien und der Struktur habe von Anfang an im Mittelpunkt ihres Schaffens gestanden. Mit der Zeit habe sie den Weg ins Plastische gefunden. „Als unser geliebter Hund gestorben ist, habe ich mich zum ersten Mal an eine Urne gewagt“, erinnert sich die Künstlerin. Es sei ihr bewusst geworden, wie wichtig ein individuelles Element beim Abschiednehmen ist. „Der Gedanke, unsere Hündin in einer Kunststoff- oder Metalldose aufzubewahren, war mir unvorstellbar.“ Seit Jahren sei nun dafür gesorgt, dass die Urne einen festen Platz in der Vitrine hat. „Sie gehört einfach dazu.“

Das Hauptmotiv, Geld in die Hand zu nehmen und einem Tier eine passende letzte Heimstätte zu verschaffen, sei immer die Individualität. „Die Urne soll wiedergeben, wie der Hund oder die Katze vom Typ her gewesen ist.“ Besonders gut gelinge eine solche Gestaltung mit den Rohstoffen Holz und Keramik. Aus beiden Materialien fertig Schweitzer auf Wunsch auch Bestattungsgefäße für menschliche Verstorbene, selbstverständlich nach den Vorschriften des Friedhofswesens. „Dabei halte ich mich an die Grundform der Urne mit den vorgegebenen Maßen.“ Wer sie bittet, eine entsprechende Urne zu gestalten, setze sich oft sehr bewusst mit dem Thema Tod auseinander. Schweitzer weiß: „Der Hinterbliebene will nicht nur einen würdevollen Abschied bereiten. Der letzte Ruheplatz soll auch ein Zeichen sein.“

So ist auch bei den Urnen für die sterblichen Überreste des Menschen Individuelles gefragt, auch sie sollen Ausdruck für das Leben und die Persönlichkeit des Toten sein. Für die äußere Gestaltung nutzt Gabriele Schweitzer Pflanzenfasern, gepresste Pflanzen, Seide, Farbe, Perlen oder Schmuckstücke. „Auf Wunsch kann ich auch einen Talisman oder ein Abzeichen einarbeiten.“ Darüber hinaus lässt die Künstlerin die uralte Tradition der Totenmaske aufleben. „Die Maske wirkt von jeher als Symbol und Erinnerung“, sagt sie. Auch wenn es in unserem Land eine eher ungewöhnliche Art der Trauerarbeit sei. Aber niemand müsse eine Berühmtheit sein, um seine Gesichtszüge abnehmen zu lassen und so nach dem Tod den Hinterbliebenen ein plastisches Andenken zu vererben. „Ich erstelle auch Fingerprints, Hand- und Fußabdrücke oder bei Tieren Pfotenformen“, so Schweitzer.

Dass sie sich durch ihre Kunst immer mehr mit dem Tod beschäftige, sei einfach geschehen. Einen Auslöser sieht die Künstlerin am ehesten in einem tragischen Todesfall, den sie erlebte. „Ich habe mich mit vielem auseinandergesetzt, was wir in diesem Zusammenhang erlebt haben.“ Zumindest in ihrer Verbindung zu den Tieren hat sie für sich selbst einen Entschluss gefasst: „Wenn ich sterbe, dann möchte ich, dass die Urne mit der Asche unseres Hundes in meinem Sarg beigesetzt wird.“

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