Ziel: Gründung einer Bürgerinitiative

Gegner der RTW machen mobil

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Gesprächsstoff hatten die RTW-Gegner reichlich, zur Gründung einer BI kam es aber bisher nicht.

Neu-Isenburg - Während man im Rathaus große Hoffnungen in die Regionaltangente West (RTW) und deren Verlängerung bis ins Birkengewann setzt, werden diese Woche ein weiteres Mal kritische Stimmen aus der Bürgerschaft gegen das Großprojekt laut: RTW-Gegner wollen eine Bürgerinitiative gründen.

Zu viel Lärm, unschöne Bahnschienen im Stadtbild, notwendige Baumfällungen oder auch der Zweifel an dem Bedarf – die Begründungen der ablehnenden Haltung gegenüber der Regionaltangente West (RTW) in Neu-Isenburg sind vielseitig. Jetzt bringen sich die Gegner in Position und wollen zumindest einen Bau der Bahn ins Birkengewann verhindern. AfD-Mitglied Wolfgang Hufer hat zu einer Gründungsveranstaltung für eine Bürgerinitiative eingeladen. Rund 15 Isenburger kommen dabei zusammen – eine Gründung allerdings scheitert zunächst.

Auch wenn Hufer am liebsten gleich die Formalitäten ausgetauscht hätte, um eine schlagkräftige BI verkünden zu können, muss er sich doch zunächst dem Redebedarf der Bürger stellen: „Wir wohnen auf der Carl-Ulrich-Straße. Der Verkehr dort ist heute schon immens, wenn ich mir vorstelle, dass dort dann auch noch eine Bahn lang fährt, dann ist das ein Alptraum“, sagt einer der direkten Anwohner. Eine junge Frau kann wiederum gar nicht verstehen, dass die Grünen möglicherweise dem Bau der RTW durch Neu-Isenburg zustimmen: „Da stehen 80 Jahre alte Bäume, die sind wunderschön. Jeder fordert Grün in der Stadt und hier will man die Pflanzen achtlos abholzen.“

Die Gegner bezweifeln die Sinnhaftigkeit der Bahn. Mit 100 Metern Länge sei sie völlig überdimensioniert für den Bedarf – selbst wenn die Gewerbegebiete in der Stadt weiter wachsen. Ein Mann ist der Meinung, dass Bürgermeister Herbert Hunkel das „Renomeeprojekt RTW“ um jeden Preis durchboxen wolle.

Einer, der auch schon im Rathaus mit den Verantwortlichen diskutiert hat, ist Jürgen Czernio. „Ich lebe seit 54 Jahren in Neu-Isenburg und bin Anwohner der Friedhofstraße. Wir haben große Bedenken gegen die RTW – aus ganz persönlicher Sicht“, erläutert der Isenburger. Schon jetzt sei die Friedhofstraße eine Autobahn, er müsse dann künftig auf hässliche Oberleitungen blicken und auf neue Hochhäuser im Birkengewann. „Und dann schaue ich vermutlich auf zumeist leere Züge, die im Viertelstundentrakt zwischen fünf Uhr morgens und ein Uhr nachts pendeln. Ich bin kein Gutachter, aber die Annahmen über die Zahlen für den künftigen ÖPNV-Verkehr erscheinen mir als überhöht“, so Jürgen Czernio.

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Die 1300 Neubürger im Birkengewann seien dabei nur ein Beispiel. Viele der Wohnungen seien altengerecht und die künftigen Bewohner sicher keine Berufspendler in Richtung Frankfurt.

Er zweifelt auch an, dass Neu-Isenburg mit dem ehemaligen Geschäftsführer der RTW-Planungsgesellschaft, Rolf Valussi, ergebnisoffen und neutral beraten ist. Czernio fürchtet zudem, dass ein versprochenes Rasenbettgleis aus Kostengründen wieder verworfen werden könnte und dass alle Bedenken von Bürgern im Neu-Isenburger Rathaus vom Tisch gewischt werden.

Oliver Hatzfeld, Fraktionsvize der Isenburger CDU, mischt sich an diesem Abend unter die RTW-Gegner. Er bekennt sich aber von Beginn an dazu, dass er aus Interesse an den Gegenargumenten gekommen ist. „Meine Partei ist noch im Entscheidungsprozess“, stellt er klar. Hatzfeld ist an diesem Abend aber einer der Wenigen, der Details aus der Planung kennt und auch die öffentlich einsehbaren Berichte gelesen hat. Seine Anwesenheit ist durchaus hilfreich, er bringt manches Mal Licht ins Dunkel, ob es bei der genauen Streckenführung oder den potenziellen Nutzerzahlen ist.

Immer wieder mäkeln die Anwesenden an der Glaubhaftigkeit der Basiszahlen herum: „Wenn Sie denken, dass die Gutachten fehlerhaft sind, dann wehren Sie sich dagegen“, empfiehlt Oliver Hatzfeld die Möglichkeit der Einwendung gegen das Projekt.

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Initiator Wolfgang Hufer markiert ein Bürgerbegehren gegen die RTW als großes Ziel. Er schlägt Kaffeekränzchen auf der Friedhofstraße, eine Markierung der Bäume und Protestaktionen vor. Ralf Schmidt ist pragmatischer, er regt an, zunächst einmal die wichtigen Fragen zu sammeln: Auf welcher Basis wurde die RTW geplant? Wo kommt das Gutachten her? Und ist möglicherweise ein zweites Gutachten notwendig? Es gelte, sich zusammenzuschließen, die Bürger besser über die negativen Auswirkungen zu informieren und sich in dem Protest gegen die RTW zu positionieren.

Schmidt sagt aber auch ganz klar: „Ich werde kein Gründungsmitglied in einer BI, die von einem AfD-Mitglied geführt wird.“ Die Gründung einer offiziellen Bürgerinitiative ist an diesem Abend vom Tisch. Die Bürger verabreden nach rund zwei Stunden, sich ein zweites Mal zum Austausch zu treffen. Ein Termin dafür ist noch nicht gefunden. (zcol)

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