Kollegen dank Ersthilfe bei Notfällen gerettet

Gemeinsam ein Leben gerettet

+
Antonio Trinchese überlebt einen Herzanfall dank des Eingreifens von Kollegen, Feuerwehr und Notarzt. Sie alle erzählen nun die Geschichte, um anderen Laienhelfern Mut zu machen. Zur Woche der Wiederbelebung zeigt die Wehr, wie jeder Laie Leben retten kann – wie Ferhat Akagunduz (links). Sein Kollege Antonio Trinchese (rechts) überlebte einen Herzanfall dank optimaler Rettungskette mit Ersthelfer und Fachkräften wie Feuerwehrmann Frank Burger. 

Neu-Isenburg - Als Antonio Trinchese bei der Arbeit auf einer Baustelle im Buchenbusch mit einem Herzanfall bewusstlos zusammensackt, denkt Ferhat Akagunduz nicht lange nach. Von Barbara Hoven 

Er kniet nieder, drückt rhythmisch auf den Brustkorb des Kollegen, immer wieder, schnell und fest, wie er es in einem Kurs gelernt hat. Herzmassage. „Damit hat Ferhat Akagunduz die entscheidenden Schritte eingeleitet für die erfolgreiche Rettung“, sagt Frank Burger, hauptamtlicher Feuerwehrmann und bei der Isenburger Wehr für die Defibrillator-Ausbildung zuständig. „Denn die Zeit, die nach einem Herzstillstand vergeht bis zum Beginn der Reanimationsmaßnahmen, ist für das Überleben entscheidend. Hier zählt jede Sekunde. “ Minutenlang hat Ferhat Akagunduz sich um den Kollegen gekümmert, andere wählten den Notruf und setzten so eine Rettungskette in Gang – die am Ende das Leben des 53-jährigen Trinchese rettete.

Es ist Woche der Wiederbelebung, bundesweit finden derzeit unter dem Motto „Ein Leben retten: 100 Pro Reanimation“ Aktionen statt. Deshalb erzählen Retter und Geretteter gestern diese Geschichte, weil sie das Selbstvertrauen der Isenburger in ihre eigenen Fähigkeiten als Ersthelfer stärken wollen. Dass die Rettung von Antonio Trinchese so erfolgreich verlaufen sei, sei vor allem der Tatsache geschuldet, dass Ersthelfer, Leitstellendisponent der Feuerwehr, Notarzt und Rettungsdienst ohne Zeitverlust reagiert und toll zusammengearbeitet haben, betont Burger immer wieder.

Beide Rettungswagen waren in dem Moment im Einsatz

Es ist der 17. März diesen Jahres, als um 12.54 Uhr bei der Feuerwehr der Notruf aus der Dietzenbacher Leitstelle zum Erste-Hilfe-Einsatz im Buchenbusch eingeht. Leitstellendisponent Dirk Eisentraut weiß, dass ausgerechnet in diesem Moment beide in Isenburg stationierten Rettungswagen im Einsatz sind und dass Rettungsdienst und Notarzt aus Langen eine längere Anfahrt zum Einsatzort haben würden als die Ersthelfer der Feuerwehr. Und so ist es auch. Nur eine Minute nach der Meldung, um 12.55 Uhr, ist die Isenburger Wehr vor Ort. Sie finden den bewusstlosen Antonio Trinchese vor, der von seinem Kollege Ferhat Akagunduz eine Herzmassage erhält. Sofort übernehmen nun die Feuerwehrleute Frank Burger, Michael Hörr, Daniel Edelmann, Torsten Knaus und Alexander Staskiewicz. Zum Einsatz kommt auch ein sogenanntes AED-Gerät (Automatisierter-Externer-Defibrillator), mit dem der Herzmuskel mit Strom gezielt „geschockt“ wird, um einen stabilen Rhythmus zu erzeugen.

Als der Notarzt gegen 12.59 Uhr eintrifft, können die Wiederbelebungsmaßnahmen fortgesetzt werden. Antonio Trinchese wird gerettet. Jetzt, ein halbes Jahr danach, hat der den Herzanfall so gut überstanden, dass er nicht nur der Presse mithilfe eines Dolmetschers von diesem Tag erzählen kann. Sondern er wird bald gar wieder arbeiten können. „Entscheidend war das optimale Ineinandergreifen der Rettungskette. Die Laienreanimation durch nicht professionelle Helfer stellt dabei das erste Glied dar“, erläutert Frank Burger. Ein weiterer wichtiger Punkt sei der frühestmögliche Beginn der Defibrillation, da durch Kammerflimmern eine Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff schnell zu massiven Schäden führen könne. Seit 2003 gibt es AED-Geräte in Neu-Isenburg. Mittlerweile sind es zwölf Stück, die verteilt an zentralen öffentlichen Orten einsatzbereit aufgehängt sind – zum Beispiel im Isenburg-Zentrum. Die Wehr hat zwei Geräte. Gestiftet wurden alle zwölf von der Bodo-Sponholz-Stifung, die Erwin Nöske vertritt. „Dafür sind wir ihm zu Dank verpflichtet“, betont Bürgermeister Herbert Hunkel. Isenburg könne sich glücklich schätzen, mehrere der rund 1800 Euro teuren Geräte zu haben, ergänzt Burger. Nicht, dass man den Wert eines Menschenlebens aufrechnen könne, „aber es ist ein stolzer Preis, das kann sich nicht jede Kommune erlauben“.

„112 wählen und Herzdruckmassage beginnen“

Burger stellt auch klar, dass längst nicht alle Fälle so glücklich ausgehen. Sechs oder sieben Mal seien die AED-Geräte bisher in Isenburg eingesetzt worden, die den Nutzer per Sprachsteuerung durch die Reanimation leiten – doch nicht immer könne ein Leben gerettet werden. „Kurz nach dem geschilderten Einsatz etwa gab es einen zweiten im Restaurant der Hugenottenhalle, leider ohne Erfolg“, so Burger. Dirk Eisentraut, der schon unzählige Notrufe angenommen hat, weiß, in welche Stresssituation so ein Notfall den Laien versetzt. Viele zögerten aus Sorge, etwas falsch zu machen. Er plädiert daher: „Das Wichtigste ist, die 112 zu wählen und die Herzdruckmassage gleich zu beginnen.“ Der Disponent berichtet auch von Fällen, in denen er per Telefon die Ersthelfer vor Ort instruiert und die Reanimation erklärt. Allein: „Man muss sich auch trauen, zu helfen.“

Erste Hilfe bei Herzinfarkt

Erste Hilfe bei Herzinfarkt

Die Wehr weist auf eine Aktion hin, mit der Isenburg mit mehr AED-Geräten noch „herzsicherer“ werden könnte: Anlässlich der Wiederbelebungswoche räumt die Firma Lifepak.de 30 Prozent Rabatt auf die Geräte für Isenburger Vereine und Unternehmen ein. Info unter der Telefonnummer 0151-12296501.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare