Bürgerbeteiligung zum groß angelegten Stadtumbau

Gemeinsam die Stadt schöner machen

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„Urbanes Wohnen und Arbeiten“ soll dort einst hin: Teilnehmer lassen sich bei der Infoveranstaltung von Claudia Metzner die Planungen für das Stadtquartier Süd erläutern.

Neu-Isenburg - Einen Fahrplan entwerfen, wie man gemeinsam die Hugenottenstadt schöner machen kann: Darum geht’s im ersten Schritt bei der nun angestoßenen Umsetzung des Förderprogramms „Stadtumbau“. Rund 80 Bürger sind zur Infoveranstaltung gekommen.

In der Huha sind Wünsche, Ideen und auch Kritik zu hören. Unter dem Titel „Vom Alten Ort zur Neuen Welt“ sollen ganz unterschiedliche Maßnahmen gebündelt werden, um die Stadt für die nächsten Jahrzehnte „nachhaltig und zukunftsweisend“ zu gestalten und herauszuputzen. Der ausgewiesene „Stadtumbau“-Bereich reicht im Norden fast von der Stadtgrenze zu Frankfurt über die Frankfurter Straße, den Alten Ort und den Fußgängerbereich der Bahnhofstraße, weiter zur Stadtmitte bis hin zum noch zu entwickelnden neuen Stadtquartier Süd – der neuen Welt. Mit den planerischen Aufgaben und der Durchführung des Stadtumbaus wurde die NH ProjektStadt betraut. Das Förderprogramm sieht jedoch eine strenge Vorgehensweise vor, eine besondere Anforderung ist die frühe und stetige Bürgerbeteiligung. Mittlerweile wurden nicht nur Wünsche aus stadtplanerischer Sicht geäußert; auch eine erste Begehung mit den „lokalen Partnern“, also Vereinen, Institutionen, Initiativen und Vertretern der politischen Fraktionen durch das Fördergebiet gab es bereits.

Nun sollen die Bürger ebenfalls einbezogen werden. Dazu gab es am Dienstagabend in der Hugenottenhalle eine Infoveranstaltung samt anschließendem Workshop. Im Vorfeld wurden 5 000 Flyer an die Bewohner des Fördergebiets verteilt und im Hugenottensaal 500 Stühle aufgereiht – es kamen rund 80 Bürger.

In Workshops konnten die Bürger ihre Wünsche auf Karten notieren und diese den entsprechenden Projekt-Orten zuweisen; in diesem Beispiel geht es um Ideen für den Innenstadt-Bereich.

„Wir, seitens der städtischen Verwaltung, sehen die Aufnahme in das Förderprogramm Stadtumbau als eine besondere Chance, unsere Stadt noch schöner zu machen, ganz nach den Wünschen der Bürger“, betonte Erster Stadtrat Stefan Schmitt. Er verwies darauf, dass eine Gesamtsumme von rund 20 Millionen Euro für den „Umbau“ veranschlagt wurde. „Dieses Geld müssen wir freilich erst vorfinanzieren und erhalten nach erfolgter Maßnahme und Überprüfung dann die Fördersumme von 52 Prozent zurück.“ Während im Alten Ort und der Stadtmitte insbesondere Verschönerungen und Sanierungen angedacht sind, gilt es in der „Neuen Welt“, von Grund auf ein neues Quartier zu planen.

Michaela Klos, die Projektleiterin seitens der NH Projekt Stadt für Neu-Isenburg, beschrieb noch einmal das ausgewiesene Fördergebiet. „In einer ersten Phase müssen wir das ISEK (Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept) erstellen, welche alle Details der möglichen Maßnahmen enthält – dies soll, ja muss noch in diesem Jahr fertiggestellt werden“, so die Projektleiterin. Um darin auch möglichst viele Wünsche und Anregungen aus der Bürgerschaft einbringen zu können, wird es eine Begehung der drei Projektschwerpunkte (Alter Ort, Innenstadt, Quartier Süd) am 8. September geben.

Bei einer Fragerunde nach der Projektpräsentation kamen immer wieder Problemstellungen zutage, die nicht direkt das Fördergebiet betreffen. „Kann man nicht die einst so praktische Linie 14 wiederbeleben?“, wollte ein jüngerer Isenburger wissen. Hier verwies Stefan Schmitt auf die Zuständigkeit von Frankfurt und deren Verkehrsbetriebe. „Hat man an eine mögliche Verlängerung der Straßenbahn durch die Frankfurter Straße gedacht? Nicht, dass wir diese jetzt mit viel Geld umbauen und dann wieder aufreißen?“, gab Werner Geiß zu bedenken. Hierzu versicherte Klos, dass auch „überregional“ mitgedacht und alle Aspekte mit berücksichtig würden – soweit diese absehbar seien.

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Auch das seit Jahren brach liegende Gelände am Kalbskopf war eine Thema. „Es gibt einen gültigen Bebauungsplan, gemäß diesem könnte der Besitzer des Geländes es längst bebaut haben – er will aber anscheinend mehr, als derzeit zulässig“, versuchte Schmitt, die Hintergründe zu erklären.

Vor vier Jahren habe es ja schon mal einen Rundgang im künftigen Quartier Süd gegeben, damals sei die Rede gewesen von einem tollen Markt im Gebäude der Branntweinmonopol, merkte ein Bürger an. „Ist das alles, was dabei herausgekommen ist – eine neue Begehung?“, fragte er. Hierzu erläuterte Schmitt, dass die Verhandlungen zur Übertragung des Areals an die städtische Gewobau mit der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten recht langwierig, aber jetzt Licht am Horizont zu sehen sei.

In den Workshops konnten die Bürger ihre Wünsche auf Karten notieren und einzelnen Arealen zuordnen. Oft wurde das recht laute und unebene Kopfsteinpflaster im Alten Ort bemängelt. Andere wünschten sich den Umbau der Stadtbibliothek in ein repräsentatives Kulturzentrum oder auch mehr Fachwerk und weniger Verkehr in der Frankfurter Straße. „Wenn ich an Frankfurt denke, was da über den Wiederaufbau der Altstadt gemeckert wurde – und wenn man das jetzt sieht, wie diese angenommen wird, daran sollten sich die Isenburger Kritiker ein Beispiel nehmen“, so ein Befürworter von Brunnen und restaurierbaren Gebäuden. (lfp)

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