Geschäftsmodell der sozialen Art

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Verkäuferin Hanne Steffens (links) freut sich über gut erhaltene Ware. Gabriele Keydel bringt Kleidung, die ihre Familie nicht mehr braucht, inzwischen regelmäßig zum DRK-Laden an der Bahnhofstraße.

Neu-Isenburg - „Wenn Kunden den Laden betreten“, sagt Verkäuferin Hanne Steffens, „dann kommen sie entweder um Kleidung zu kaufen oder welche vorbeizubringen. Von Cora Werwitzke

“ Damit ist das Prinzip des kleinen Geschäfts „Bekleidung & mehr“, das vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) betrieben wird, auch schon erklärt: Wer gut erhaltene Hosen, Shirts und Schuhe nicht mehr gebrauchen kann, spendet sie dem Laden. Und wer günstig einkaufen möchte, wird in dem umfangreichen Sortiment fündig.

Vor genau einem Jahr eröffnete das DRK den Kleiderladen an der Bahnhofstraße. Der Geburtstag soll am kommenden Wochenende beim Verkaufsoffenen Sonntag gebührend gefeiert werden.

Doch soweit denken Hanne Steffens und ihre beiden Kolleginnen Mari Mokhtarzada und Christine Lüdke noch nicht. Es brummt gerade im Laden. Ein halbes Dutzend Frauen stöbert zwischen Blazern, Jeans und Kinderklamotten, die mit Preisen zwischen einem und fünf Euro mehr als günstig sind. „Wie viel kosten die Schuhe hier?“, will eine Kundin wissen. Eine andere fragt, ob die rote Kinderhose für Mädchen oder Jungen sei.

„Ach, das können heutzutage doch beide tragen.“ An der Kasse packt Hanne Steffens die Hose mit ein paar anderen Sachen in eine Tüte. Der Preis fällt moderat aus. Wer 20 Euro zahlt, nimmt mindestens vier Kleidungsstücke oder Schuhe mit nach Hause. Jeder, der auf Hartz IV oder Sozialhilfe angewiesen ist, kann zudem alle drei Monate mit Gutscheinen kostenlos einkaufen.

Während zwei Frauen mit vollen Tüten hinaus gehen, kommt Gabriele Keydel mit einer vollen Tüte herein. „Die wollt’ ich schnell hier abgeben“, sagt sie zur Begrüßung. „Shirts von meinem Sohn.“ Hanne Steffens nimmt die Ware entgegen. „Die sind kaum getragen“, sagt Gabriele Keydel. Ihr Sohn sei gerade vier Tage nicht zu Hause, das habe sie ausgenutzt, um die mal auszusortieren. „Das wird er gar nicht merken“, fügt sie augenzwinkernd hinzu. „Mein Mann merkt das auch nie“, bemerkt Hanne Steffens. Die beiden Frauen schmunzeln. Früher habe sie ausgemistete Klamotten immer in die Kleidercontainer geworfen, sagt Gabriele Keydel. „Seitdem ich von dem Laden weiß, bringe ich sie hierher.“

Mittlerweile habe sich das herumgesprochen, sagt Hanne Steffens. „Wir bekommen reichlich Kleiderspenden, ab und zu müssen wir abwarten, bis wieder Platz im Laden ist. Solange bewahren wir die Sachen im Lager auf.“ Meistens zu dritt kümmern sich die ehrenamtlichen Verkäuferinnen um einen reibungslosen Ablauf während der Öffnungszeiten. „Es gibt immer etwas zu tun“, sagt Verkäuferin Christine Lüdke. „Wir beraten, verkaufen und sortieren die gespendete Ware ein.“ Dabei legen die Frauen wert darauf, dass die Kleidung, die in die Regale und auf Ständer wandert, in gutem Zustand ist. „Schmutzige oder kaputte Sachen sortieren wir aus“, schildert Christine Lüdke. Auch Hanne Steffens betont: „Hier gibt’s keinen Ramsch, sondern Sachen, die man noch gut tragen kann.“

Beide Verkäuferinnen engagieren sich seit mehreren Wochen im DRK-Kleiderladen. Der Stamm ehrenamtlicher Helfer wuchs in den vergangenen zwölf Monaten enorm. „Mit acht ging es los, heute sind es mehr als 30 Ehrenamtliche“, sagt Beatrix Duttine-Eberhardt, beim DRK zuständig für Wohlfahrts- und Sozialarbeit. Auch die Öffnungszeiten konnte das Deutsche Rote Kreuz mit so viel Frauenpower ausweiten: von anfangs zwei auf mittlerweile sechs Tage pro Woche.

Vier Kleiderläden dieser Art gebe es im Kreis Offenbach, schildert Beatrix Duttine-Eberhardt. „Generell steht ein sozialer Gedanke hinter dem Projekt“, erklärt sie. So habe sich das DRK bei der Standortsuche für den vierten Kleiderladen am Sozialstrukturatlas orientiert. „Aber das Geschäft ist für alle da“, unterstreicht Duttine-Eberhardt. „Jeder, der bei uns einkauft, unterstützt damit den Fortbestand des Ladens.“ Laufende Kosten und Miete müssten schließlich durch den Verkauf wieder hereingeholt werden, führt die DRK-Mitarbeiterin aus.

Wer sich in dem Kleiderladen an der Fußgängerzone (Bahnstraße 23) umsehen möchte, kann das zu folgenden Öffnungszeiten tun: Montag bis Donnerstag 10 bis 12 Uhr, Dienstag, Donnerstag und Freitag 15 bis 17 Uhr sowie Samstag 9.30 bis 11.30 Uhr. Eine gute Gelegenheit ist auch der Verkaufsoffene Sonntag am 1. April: Ab 13 Uhr feiert der Laden Geburtstag. Für 15 Uhr ist eine Modenschau geplant.

Übrigens: Der DRK-Kleiderladen sucht nach weiteren Helfern, um noch häufiger zu öffnen. Interessierte können sich im Laden melden.

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