Das Ende der Stille naht

Glocken in St. Josef in Neu-Isenburg läuten bald wieder

Markus Schneider richtet den Klöppel der Cäcilia-Glocke im Turn von St. Josef.
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Markus Schneider richtet den Klöppel der Cäcilia-Glocke im Turm von St. Josef.

Zu Ostern sollen die Glocken der katholischen Kirchengemeinde St. Josef in Neu-Isenburg wieder läuten. Die Sanierungsarbeiten laufen auf Hochtouren.

Neu-Isenburg – Der Turm des Iseborjer Doms, wie die katholische Kirche St. Josef im Volksmund heißt, überragt das Stadtbild. Wie hoch er tatsächlich ist, spürt erst so richtig, wer die nahezu 100 Stufen zum Glockengestühl erklommen hat. Diesen Kraftakt muss das Team der Flörsheimer Firma Jakob Höckel-Schneider Turmuhren und Glockentechnik GmbH derzeit mehrmals täglich bewältigen.

Denn die Fachleute kümmern sich um die Instandsetzungsarbeiten an den 1954 geweihten Glocken und an ihrem Glockenstuhl aus dem Jahr 1911. Schon seit 2019 durften von den vier Glocken aufgrund von Mängeln nur noch zwei geläutet werden. Aufgrund von Schäden an den Klöppeln der mit 1731 Kilo schwersten Christus- sowie an der Cäcilia-Glocke durften diese beiden nicht mehr angeschlagen werden. Seit zwei Wochen nun schweigt das komplette Quartett für die Sanierung. Zu Ostern soll jedoch das volle Geläut wieder in der Kirchstraße ertönen.

Der Gutachter, der damals die Schäden diagnostizierte, riet ferner zu einer Behebung von altersbedingten Schäden am Glockenstuhl – der aus einem eisernen Gerüst bestand. Um den Glockenstuhl reparieren zu können, sollte zuvor auch noch der betagte Aufstieg in den Turm erneuert werden. „So kam eines zum anderen und wir standen erst einmal vor einem nahezu unüberwindlichen Berg von finanziellen Belastungen“, schildert Pfarrer Martin Berker die Situation.

Nach dem Motto „wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg“ wandte man sich an die Gläubigen. „Ihre Spende wird man hören!“: Unter diesem Motto startete im August 2019 der Spendenaufruf zur Instandsetzung von Glocken und Glockenstuhl.

Und die Isenburger halfen nicht nur mit Geldspenden. In der Gemeinde wurde etwa Marmelade zum Verkauf angeboten und der Erlös kam dem Projekt zugute. Innerhalb von drei Jahren sei so dank des guten Spendenaufkommens die Sanierung möglich geworden, bedankt sich Berker bei allen Unterstützern und den Zuschuss-Gebern: Von der Stadt kommen zudem 6000 und vom Kreis 2000 Euro, das Bischöfliche Ordinariat gibt 10 000 Euro für den Leiterzugang.

Somit konnte das aufwendige Unternehmen Sanierung angegangen werden. Bereits 2019 wurde der Aufstieg erneuert und am Sonntag vor zwei Wochen läuteten die Glocken zum vorerst letzten Mal. Seither laufen die Instandsetzungsarbeiten. Glockenstuhl und Glockenerneuerung (Klöppel) kosten rund 65 000 Euro, hinzu kommen für Leitern mit Gutachten und Unterkonstruktion zur Herstellung der Statik gut 18 000 Euro. Was den Wunsch der Gemeinde angeht, die Glocken Ostern wieder läuten zu können, sind die Fachleute zuversichtlich, dies zu schaffen. Daher war es in den vergangenen Tagen zwar still nach außen, doch im Inneren des Turms herrschte dafür umso größere Betriebsamkeit.

„So eine Sache ist immer eine logistische Herausforderung, denn wir wollten ja die Kirchstraße nicht eine Woche lang sperren“, erläutert Markus Schneider von Höckel-Schneider. Alle Teile wurden angeliefert und erst einmal auf dem Gelände von St. Josef deponiert. Die größten Brocken waren dabei allein vier Tonnen Eichenholz für den neuen Glockenstuhl. „Damals hat man wohl aus Kostengründen eine Eisenkonstruktion gewählt, wir empfehlen aber Eichenholz, denn das ist nicht nur ein perfekter Schwingungsdämpfer, sondern auch langlebiger – denn es rostet nicht“, verweist Schneider auf gleich mehrere Vorzüge. Alle Teile, auch jene des abgebauten Metall-Glockenstuhls, wurden im Inneren des Turms per Seilwinde abgelassen oder hochgezogen.

Eine besonders logistische Herausforderung für die Mechaniker stellt immer die Enge im Turm dar. „Wir haben schon kompliziertere Aufträge gehabt, besonders wenn der Glockenstuhl aus mehreren Stockwerken besteht“, sieht der Turmuhren- und Glockentechniker in St. Josef keine Probleme. Maßarbeit ist in jedem Fall gefragt. „Wenn ein Teil hier nicht passt, dann gibt es ein echtes Problem“, betont Schneider, der bei der Vermessung der benötigten Holzkonstruktion schon dabei war. Vier Tonnen bestes abgelagertes Eichenholz wurden im neuen Glockenstuhl verbaut, da muss alles perfekt passen. An den Glocken selbst wurden alle Klöppel ausgetauscht. „Dieser wiegt allein 70 Kilo und den müssen wir per Hand dort oben unter der Christus-Glocke einhängen“, zeigt Mitarbeiter David Kloft eine Koordinationsaufgabe des Teams auf. Wieder in Gang gesetzt werden auch die beiden Hammerwerke für den Viertelstundenschlag an der Cäcilia- und den Stundenschlag an der Marien-Glocke.

Von Leo F. Postl

Michael Schneider (von links), David Kloft und Sharif El Agha von der Flörsheimer Firma Jakob Höckel-Schneider Turmuhren und Glockentechnik GmbH justieren das Joch der Christus-Glocke.

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