Würdiger Abschluss

Nach turbulenten Wochen feiern Abiturienten der Goetheschule im Autokino

Mehr als 100 Autos mit Abiturienten und Familien stehen – in ausreichendem Abstand geparkt – vor der provisorischen Bühne im Autokino Gravenbruch. Fotos: Postl
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Mehr als 100 Autos mit Abiturienten und Familien stehen – in ausreichendem Abstand geparkt – vor der provisorischen Bühne im Autokino Gravenbruch.

Besondere Umstände erfordern besondere Ideen und Aktivitäten. Das beweist die Goetheschule mit ihrer Abitur-Feier.

Neu-Isenburg - Nach den ohnehin corona-bedingt ungünstigen Umständen der Prüfungen mussten nicht nur die beliebten Abiturstreiche ausfallen, sondern auch der feierliche Ball. Doch ganz ohne, zumindest kleine feierliche Zeremonie will die Schulleitung um Ralph Hartung die Abiturienten nicht gehen lassen.

Als geeigneter Ort, um die Abstandsregeln einzuhalten, bietet sich am Mittwochabend das Autokino Gravenbruch an. Dort können die Organisatorinnen Antonia Binder, Lena Kutzbach und Nadine Bunny auf eine installierte „Bühne“ zurückgreifen. Denn am Folgeabend steht dort die Abifeier der Claus-von-Stauffenberg-Schule in Rodgau an. „Die haben bereits einen Lastwagen eines Transportunternehmens als Bühne aufgestellt, diesen dürfen wir auch nutzen“, freut sich Schulleiter Ralph Hartung.

Mehr als 100 Autos von Abiturienten und deren Familien werden im Abstand von mindestens zwei Metern vor der „Bühne“ aufgereiht, dann eröffnet Mara Costa mit einem Song die akademische Feier. Lena Kutzbach begrüßt im Namen der Organisatoren alle Abiturienten, Familien und Pädagogen. „Es waren gar nicht einfache Umstände für unsere Prüfungen, aber dank unserer Pädagogen und der Schulleitung konnten wir alles meistern“, bedankt sie sich im Namen aller. Bürgermeister Herbert Hunkel lobt die perfekte Organisation. „Schauen Sie sich die Welt an, aber kommen Sie wieder zurück nach Neu-Isenburg, denn wir haben mit unserer Stadt noch viel vor – und dazu brauchen wir Sie“, appelliert Hunkel.

Über die Idealnote 1,0 kann sich Jakob Rappolt freuen. Besondere Glückwünsche von der Familie gab es für Antonia Binder.

Hartung geht ebenfalls auf die besonderen Umstände ein. „Herzlichen Glückwunsch zum Abitur. Sie haben es geschafft – dafür sind andere geschafft“, verweist der Schulleiter insbesondere auf die Eltern, treue Begleiter, aber auch das Lehrerkollegium. So sei dieses Abitur „einmalig“ in seiner Laufbahn gewesen, versichert er und erinnert an die besonders unruhigen Tage vor der endgültigen Entscheidung, ob die Prüfungen überhaupt stattfinden können. „Das Ergebnis des Abiturjahrgangs 2020 ist deutlich besser als in den vergangenen Jahren: Der Durchschnitt liegt bei einer Note von 2,2“, hebt Hartung hervor. Ob es an der zusätzlichen Zeit zur Vorbereitung, an den geschlossenen Kneipen und Clubs oder an einem besonders leistungsstarken Jahrgang liegt, lässt der Schulleiter offen. „Bleiben Sie zielstrebig, aber bleiben sie offen, behandeln sie Menschen mit Respekt und vergessen Sie Ihre und unsere schöne Schulgemeinschaft nicht“, gibt er allen mit auf den Weg.

Danach folgen Auszeichnungen: Jakob Rappolt hat die Prüfungen mit 1,0 abgeschlossen. „Jakob kann, wie man weiß, Musik, er spielt Trompete, aber er kann auch Chemie und vor allem Mathematik“, so Hartung. Erstmals kann er einen Abiturienten auszeichnen, der in Mathematik die absolute Punktzahl von 15 Punkten erreicht. Dafür erhält Jakob Rappolt von der Deutschen Mathematiker Vereinigung den DMV-Abiturpreis 2020. Nach dem Erhalt ihrer Zeugnisse, jeweils in Tutorien-Gruppen, lassen die Abiturienten Luftballons mit Wünschen in den blauen Abendhimmel steigen.

Von Leo F. Postl

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