Wohin mit all den Autos ?

Parkraum- und Schulmobilitätskonzept für Gravenbruch in Arbeit

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Was hilft gegen Elterntaxis? Dass sich etwas tun muss, zeigen Bilder wie dieses: Morgens kurz vor Schulbeginn ist vor dem Eingang der LUS häufig Autochaos zu beobachten. 

Die Verkehrssicherheit für die Gravenbrucher Grundschulkinder ist seit einer ganzen Weile ein heiß diskutiertes Thema im Stadtteil – rücksichtslos parkende Elterntaxis, die bis vor das Zugangstor zum Schulgelände fahren, sind nur eine der diversen Sorgen.

Gravenbruch – Gleiches gilt für die miserable Parkplatz-Situation rund um den Dreiherrnsteinplatz. Bei beiden Themen gibt’s gestern Neuigkeiten.

„Für Gravenbruch wird nun ein Parkraumbewirtschaftungskonzept erarbeitet“, berichtet Bürgermeister Herbert Hunkel. Beauftragt hat die Stadt damit die Verkehrsexpertin Katalin Saary, Inhaberin des Büros „Mobilitätslösung“. Ziel und Aufgabenstellung des Projekts ist es, in Kooperation mit den örtlichen Akteuren des Stadtteils, der Politik und der Verwaltung Lösungsvorschläge für die Verbesserung der Parksituation zu erarbeiten. Denn zunehmend klagen die Anwohner in dem 6 200-Einwohner-Stadtteil über eine ungeordnete Parksituation und große Parkplatznot. Als einen Grund für das Problem sehen viele das zunehmende Sprinter-Parken, auch von diversen ortsfremden Fahrzeugen. Gleichzeitig ist seit dem Entstehen des Stadtteils in den 1960er Jahren der Pkw-Besitz deutlich gestiegen.

„Im Rahmen des Projektes sollen zum einen die oben beschriebene subjektive Einschätzung durch eine objektive Erhebung der Bestandszahlen gestützt, zum anderen geeignete, konsensfähige Handlungsansätze entwickelt werden“, erläutert Hunkel. Die Ist-Situation im öffentlichen Straßenraum haben die Fachleute im Mai bereits unter die Lupe genommen – und eine Momentaufnahme aller im Straßenraum und auf öffentlich zugänglichen Parkflächen abgestellten Fahrzeuge an einem repräsentativen Werktag gemacht.

Auf privaten Grundstücken ist die Sache nicht ganz so einfach – da können die Planer nicht einfach hingehen und Autos zählen. Um dennoch auch Informationen zu der Vergabepraxis und der Auslastung der privaten Stellplätze zu erhalten, sollen Hauseigentümer und Mieter angeschrieben und um Auskunft gebeten werden. Die Beteiligung an der Umfrage ist freiwillig. „Ziel ist es, bis zum Jahresende die Analyseergebnisse sowie Maßnahmenvorschläge vorzulegen und mit dem Ortbeirat und der Bürgerschaft zu diskutieren“, skizziert Saary den weiteren Zeitplan.

Auch die Gedankenspiele in Richtung Autokino, die es im Bemühen um eine Linderung der Parkplatznot im Stadtteil gibt, erwähnt Hunkel. Der Rathauschef hatte mit dem Besitzer Gespräche geführt, um eine Ausweisung von Parkplätzen auf dem Gelände zu erreichen – beispielsweise für die Lehrer der Ludwig-Uhland-Schule. Und es gebe auch „eine grundsätzliche Bereitschaft, Parkplätze zur Verfügung zu stellen“.

Apropos Uhland-Schule: Um den Weg für den Nachwuchs dorthin sicherer zu machen, hatte die Stadt bekanntlich bereits vor einer Weile reagiert und Katalin Saary auch in diesem Fall beauftragt, gemeinsam mit Schulleiterin Doris Keiber, dem Team des Kinderzentrums, dem Ortsbeirat und Mitarbeiterinnen der Stadt einen speziellen Schulmobilitätsplan zu entwickeln, der das Mobilitätsverhalten breit auffächert.

Bürgermeister Herbert Hunkel baut dabei, so berichtet er gestern, auf die guten Erfahrungen mit diesem Ansatz im Buchenbusch. An der dortigen Grundschule hatte man bekanntlich auch lange mit Verkehrsproblemen gerungen. Doch mittlerweile sei es dort gelungen, den Elterntaxi-Verkehr besser in den Griff zu bekommen.

Das soll nun auch mit dem Gravenbrucher Konzept gelingen. Das A und O, sagt Saary, sei es dafür, Eltern, Kinder, Lehrer mit ins Boot zu holen, „denn kein Projekt funktioniert, wenn man es nicht zum Leben erweckt“.

Obwohl es in Gravenbruch keinen klassischen Unfallschwerpunkt gebe, habe es doch im Stadtteil in den Jahren 2013 bis 2017 insgesamt 162 Verkehrsunfälle gegeben, drei davon auf dem Schulweg.

In einem nun vorgelegten Arbeitspapier wird aufgezeigt, welche Möglichkeiten bestehen, den Schulweg sicherer zu gestalten. „Einige der Maßnahmen wurden bereits unmittelbar umgesetzt, andere werden noch mit allen Akteuren diskutiert“, berichtet Saary.

Ein Beispiel: In der Nähe der Schule werden sogenannte „Aufmerksamkeitsfiguren“ aufgestellt. Die von den Schülern handbemalten Schilder zeigen Kinder mit Botschaften wie „Vorsicht“. Die Schilder erhöhen aus Sicht der Fachleute „deutlich die Aufmerksamkeit der Autofahrer, wie sich bereits vor der Kita der Johannesgemeinde in der Hugenottenallee und im Bereich der Schule im Buchenbusch gezeigt hat“. Mitte Juni werden mit dem Ordnungsamt Standorte ausgewählt; spätestens zum Beginn des neuen Schuljahrs sollen die Figuren stehen.

Für den Bereich des Forsthauses Gravenbruch wurden zudem bereits Dialogdisplays zur Geschwindigkeitskontrolle bestellt.

Eine wichtige Maßnahme betrifft die Querung am bestehenden Zebrastreifen an der Straße Am Forsthaus Gravenbruch/Dreiherrnsteinplatz. Um die sicher zu machen, sollen durch eine sogenannte „Gehwegnase“ eine vorgezogene Aufstellfläche geschaffen und damit die Sichtfelder vergrößert werden. „Kinder können so besser sehen und werden auch besser gesehen“, sagt Saary.

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