„Wir stehen fest zum Projekt“

Nahversorger: Gravenbruch in der Warteschleife

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Schnee bedeckt gestern gnädig den riesigen Schutthaufen mit den Tengelmann-Resten mitten in Gravenbruch, der vielen Bürgern ein Dorn im Auge ist. Jetzt soll es aber weitergehen mit der Entsorgung, versicherten (von rechts) die Investoren Cansel und Metin Altuntas gestern beim Gespräch mit Bürgermeister Herbert Hunkel.

Gravenbruch - Die Vorfreude auf den neuen Nahversorger ist groß, das Murren in der Gravenbrucher Bevölkerung darüber, dass die Dinge einfach nicht recht vorangehen, nicht zu überhören.

Die noch ausstehende Baugenehmigung, das Warten auf den Tengelmann-Abriss, dann das Trümmerfeld, auf dem es keine Bewegung gab – das Interesse am Projekt ist da und die Bürger haben Fragen an den Investor. Bei diesem hat sich Bürgermeister Herbert Hunkel deshalb gestern vor Ort über den Stand der Dinge informiert.

Gut Ding will Weile haben, das Sprichwort kennt man – und Metin Altuntas will alles gut machen. Nachdem die Markthalle des ehemaligen Tengelmann abgebrochen wurde, herrschte erst einmal Stille auf der Baustelle – und der Trümmerhaufen mitten im Stadtteil bietet alles andere als einen schönen Anblick. Wieder einmal kursieren zahlreiche Gerüchte – von einer Pleite des Investors über einen möglichen Rückzug vom Projekt wegen verschiedener Probleme bis hin zu einer Verwerfung der Pläne durch die Baugenehmigungsbehörde. „Der Anblick des Trümmerfelds mag für die Gravenbrucher nicht der schönste sein, doch es muss alles seine Ordnung haben – und die hat es auch“, betonte Metin Altuntas, der sich mit seiner Frau Cansel gestern vor Ort mit Bürgermeister Herbert Hunkel traf. Das Stadtoberhaupt war den Beschwerden aus der Bürgerschaft nachgegangen und wollte „aus erster Hand“ die Gründe der Verzögerung erfahren. „Es ist zwar alles ordentlich eingezäunt, sodass keine Gefahr besteht, dennoch wollen die Bürger wissen, weshalb sich so lange nichts hier getan hat“, stellte Hunkel die berechtigte Frage an Metin Altuntas. Und der Käufer der Immobilie Tengelmann-Markt samt benachbarter Forsthaus-Galerie stand Rede und Antwort.

„Wir haben mit dem Abbruch der Markthalle den Gravenbruchern gezeigt, dass es hier vorangeht, dann gibt es die normale Winterpause und schließlich kam noch ein Trauerfall in der Familie des Abbruchunternehmers dazwischen, aber jetzt geht es wie geplant weiter“, betonte der Eigentümer. Da man mit dem schweren Abbruchbagger nicht auf der Decke der darunter liegenden Garage herumfahren könne, sei nun zum Zerkleinern und Trennen der verschiedenen Alt-Baustoffe wie Beton, Metall oder Elektrokabel und Isoliermaterial sowohl Handarbeit als auch ein kleiner Bagger nötig. „Wir sind jetzt jeden Tag hier und es wird bald alles ganz aufgeräumt aussehen“, bestätigt auch Kadir Aktas, den der Eigentümer mit der Entsorgung der Abbruchreste beauftragt hat.

Etwas zu Unrecht angegangen fühlt sich Cansel Altuntas, die als Projektleiterin in Gravenbruch die Fäden in der Hand hat. „Erst gestern rief mich eine Frau aus dem großen Gebäudeblock an und hat mich angeschrien, dass man nicht mehr über den freien Platz laufen könne – aber ihren Namen wollte sie mir nicht nennen“, beschreibt Altuntas nicht den einzigen Anruf dieser Art. „Wir müssen behördliche Auflagen erfüllen und denen kommen wir auch nach“, betont sie noch einmal und verweist beispielsweise auf Probleme bei der Einrichtung einer Ersatzunterkunft für die Pizzeria oder auch die Pilsstube. Beim Umbau des Ex-Schlecker-Markts seien damals offenbar alle Bodenabflussrohre einfach zugemauert worden. „Und jetzt suchen wir schon an mehreren Stellen im Fußboden das Anschlussrohr für den Ölabscheider“, erklärt Altuntas die Problematik. Eine Ersatz-Location für die Apotheke gibt es bereits; dort werden jetzt die Arbeiten für den Umzug beginnen.

„Klar, die Baubehörde des Kreises hatte auch weitere Nachfragen und forderte entsprechende Unterlagen, dies alles haben wir jetzt nachgereicht“, bestätigt Altuntas und hofft auf das baldige Eintreffen der Baugenehmigung. Er ist sich sicher, dass die Gravenbrucher nicht nur bald einen aufgeräumten Abbruchplatz vorfinden werden, sondern auch den Baubeginn des ersehnten Rewe-Markts verfolgen können.

Ex-Tengelmann in Gravenbruch: Bilder zu den Abrissarbeiten

Zur Erinnerung: Ursprünglich sollten die Bauarbeiten für den neuen Markt noch 2017 losgehen, noch in 2018 sollten die Gravenbrucher im neuen Rewe einkaufen können. Angesichts der Warteschleife fragen sich jedoch manche Bürger mittlerweile laut, wie lange Rewe denn wohl im Boot bleibe, wenn nichts vorwärts geht? Die Angst vor dem Absprung des Handelskonzerns ist aber unbegründet, wie Axel Kittler gestern auf Anfrage klarstellt. Die wichtigste Botschaft des Rewe-Standortplaners: „Rewe steht fest zum Projekt, wir würden am liebsten morgen anfangen zu bauen.“ Dass die Baugenehmigung noch nicht erteilt sei, liege ja auch nicht am Rewe-Gebäude, da sei alles klar. Wie berichtet, hängt die Sache vielmehr an Fragen rund um die Tiefgarage – der Neubau auf dem Altbestand birgt Herausforderungen.

Eine Rewe-Eröffnung noch in diesem Jahr ist aber wohl mittlerweile zeitlich nicht mehr drin. Denn mit Baubeginn, so erklärt Kittler, werden gut zwölf Monate nötig sein bis zur Eröffnung. Thema sein wird das ganze Projekt auch bei der Sitzung des Ortsbeirats am Donnerstag, 22. Februar (19.30 Uhr, Seniorenhaus, Meisenstraße 24). Wie berichtet hat die AfD diesbezüglich eine Anfrage zur Baugenehmigung eingebracht. (lfp / hov)

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