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Großer Andrang in Neu-Isenburger Kinderarztpraxis

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In Zeiten der Pandemie ist der Besuch einer Arztpraxis oft mit Unannehmlichkeiten und Hindernissen verbunden.
In Zeiten der Pandemie ist der Besuch einer Arztpraxis oft mit Unannehmlichkeiten und Hindernissen verbunden. © picture alliance/dpa/Britta Pedersen

Der Besuch einer Ärztin oder eines Arztes ist in Zeiten der Pandemie oftmals mit Unannehmlichkeiten verbunden, da sich nicht so viele Menschen begegnen sollen. Vor allem bei Kinderärzten sorgen die Corona-Regelungen für Probleme, denn mit den kleinen Patienten kommen auch immer Eltern oder andere Begleitpersonen zu den Medizinern. In der Kinderarztpraxis in der Hugenottenallee 120 in Neu-Isenburg gibt es Engpässe und deswegen Beschwerden.

Neu-Isenburg - Die drei Kinderärzte der Gemeinschaftspraxis lassen auch in diesen nasskalten Wintertagen niemanden im Regen stehen, doch manchmal müssen Eltern und Kinder im Treppenhaus und vor der Eingangstür warten. Der Andrang ist enorm. Dr. med. Jörg Brand, Dr. med. Anoosh Esmaeili und Dr. med. Adrian Bruno Lieb, die vor einem Jahr in der Praxis die Nachfolge von Ulrike Eckert-Tanzki, Inge Geyer-Sodemann und Peter Mondon antraten, haben alle Hände voll zu tun und ihre Arbeitskapazitäten bereits erweitert.

„Seit der Eröffnung haben wir bei der Zahl der Patienten einen Zuwachs von rund 25 Prozent registriert“, sagt Jörg Brand. In Neu-Isenburg gebe es drei bis vier Kinderärzte, doch die Praxen seien heillos überlaufen, sagen die Mediziner. Offensichtlich haben sich die gute Arbeit des Trios und das erweiterte medizinische Angebot herumgesprochen, denn die Familien kommen mit ihren Kindern nicht nur aus Neu-Isenburg oder anderen Kommunen des Kreises in die Hugenottenallee, sondern auch aus dem benachbarten Kreis Groß-Gerau, aus dem Odenwald oder gar aus Limburg.

Viele schätzen die breite Expertise der drei Fachärzte, die weniger Kinder zu anderen Spezialisten überweisen müssen, da sie selbst viele spezielle Behandlungen anbieten. Vor der Eröffnung ihrer Gemeinschaftspraxis haben die drei im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt gearbeitet. Ihre Schwerpunkte der Pädiatrie-Medizin liegen auf der Gastroenterologie, Kardiologie sowie Intensiv- und Palliativmedizin. Die Sicht auf die Kinder und Jugendlichen sei ganzheitlich, die Patienten profitierten von einem innovativen an den aktuellen Leitlinien orientierten Konzept.

Einige Eltern haben sich Anfang des Jahres wegen der Probleme in der Praxis beschwert. „Am Telefon kommt man nicht mehr durch oder nach einigen Minuten in der Warteschleife wird das Gespräch beendet“, klagt ein Vater zweier Kinder, der die Zustände als untragbar bezeichnet. „Wir mussten in der Kälte warten und manchmal ruft jemand aus dem Fenster von oben aus der Praxis den Wartenden unten etwas zu. Das ist nicht in Ordnung“, sagt der Neu-Isenburger, der gleichzeitig auch Verständnis dafür zeigt, dass sich die Situation wegen des gestiegenen Pensums in der Pandemie mit Tests und Impfungen verschlechtert habe. „Aber wo sollen wir mit unseren Kindern denn hingehen, woanders ist es ja auch nicht besser“, meint eine Mutter.

Den drei Praxisinhabern und der Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Dr. Kachina Behnke-Hall, die das Team verstärkt, sind die Probleme bekannt. Wenn jemand Urlaub habe oder eine Kollegin krank sei, spitze sich die Lage zu. „Wir tun alles, um Lösungen zu finden und unsere Patienten zu entlasten“, sagt Dr. Jörg Brand. So sei die Zahl der Telefonleitungen von zwei auf acht erhöht worden, um mehr Termine vereinbaren zu können.

Um den Service zu verbessern und die Wartezeiten zu verkürzen, kann die Praxis seit Januar ausschließlich mit Termin aufgesucht werden. Die offene Sprechstunde ist weggefallen. Eltern müssen jetzt telefonisch oder online einen Termin vereinbaren. Zugleich sei das Personal aufgestockt worden. „Wir bauen unsere Kapazitäten laufend aus“, sagt Dr. Adrian Bruno Lieb. Auf der Homepage und auf einer Hinweistafel am Eingang informierten die Mediziner darüber, dass akut erkrankte Kinder weiterhin „zeitnah versorgt werden“. Bei einer Anfrage werde sofort die Dringlichkeit geklärt und wenn möglich noch am selben Tag ein Termin angeboten, so das Versprechen.

Der große Andrang in der Praxis und die Unzufriedenheit mancher Eltern könnten darauf hindeuten, dass Neu-Isenburg dem Ärzte-Trio in der Hugenottenallee und mit Dr. med. Melanie Buchacker-Hajduk, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, in Gravenbruch, unterversorgt sei. Doch dem widerspricht Karl M. Roth, Abteilungsleiter Kommunikation der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, auf Anfrage. Die Bedarfsplanung sehe eine Soll-Verhältniszahl im Bereich der kinderärztlichen Versorgung von 2 800 Einwohnern unter 18 Jahren je kinderärztlichem Versorgungsauftrag vor.

Den insgesamt vier Kinderärzten in Neu-Isenburg mit zusammen 3,5 Versorgungsaufträgen stehen nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung in Neu-Isenburg genau 6 628 Einwohner unter 18 Jahren (Stand: 31.12.2020) gegenüber. Das entspreche einem Verhältnis von einem Kinderarzt für 1 894 Einwohner unter 18 Jahren.

Die Zahlen anderer Kreiskommunen sehen nach Darstellung von Karl M. Roth wie folgt aus: Heusenstamm steht laut Statistik mit 1 589 Kindern und Jugendlichen pro Arzt am besten da, gefolgt von Seligenstadt (1 699), Langen (1 726) und Neu-Isenburg (1 894). Theoretisch schlechter in der Versorgung sind Dreieich (3 798), Obertshausen (4 142) sowie am Ende der Liste Rödermark (4 798). Im Durchschnitt seien es im Kreis 2 673 Patienten pro Kinderärztin oder -arzt. Der Landesausschuss habe in seinem jüngsten Beschluss im November eine Überversorgung festgestellt. Somit stünden aktuell im Kreis keine freien Kinderarztsitze zur Verfügung, so der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung. „Laut Bedarfsplanung kann in Neu-Isenburg von einer überdurchschnittlich guten Versorgung ausgegangen werden.“  air

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