Haft wegen „bewaffneten Handels“

Heilendes Hasch-Öl: Hanfdoktor hinter Gitter geschickt

Neu-Isenburg - Sämtliche ehrenhaften Absichten zur Behandlung schwerkranker Menschen haben nicht geholfen. Der Heilpraktiker, der auf dem Rastplatz Stadtwald an der A3 bei Neu-Isenburg mit 1,7 Kilogramm Haschisch-Öl erwischt wurde, muss ins Gefängnis. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Christoph Trapp, Vorsitzender Richter am Landgericht Darmstadt, schickt den 41-Jährigen wegen bewaffnetem Handeln mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge für zwei Jahre und acht Monate hinter Gitter. Seine nicht vorbestrafte 55-jährige Begleiterin kommt wegen Beihilfe mit einer Bewährungsstrafe von 16 Monaten davon. Außerdem bleibt die Untersuchungshaft des Heilers aufgrund akuter Fluchtgefahr aufrecht erhalten. Verteidiger Michael Koch kündigte direkt im Anschluss an das Urteil Revision an. „Aufgrund des eindeutigen, nicht kriminellen Verwendungszwecks für die Droge plädiere ich für eine Haftstrafe, die noch zur Bewährungs ausgesetzt werden kann“, hatte der Anwalt in seinem Schlussvortrag gefordert. Die einzige Vorstrafe seines Mandanten aus 2006 sei nicht einschlägig und somit rechtlich unrelevant.

Knackpunkt war jedoch neben den vielen mit Haschisch-Öl gefüllten Marmeladengläsern und Spritzen der im Kofferraum des VW-Phaeton gefundene leichte Plastikschlagstock, der dem Handeltreiben das ungünstige Adjektiv „bewaffnet“ hinzufügte. Für diese Art Tatbestand sieht das Betäubungsmittelgesetz eine Mindeststrafe von mindestens fünf Jahren vor. Der Mann hatte also noch Glück, dass die zwölfte Strafkammer den Fall – wegen des Heilgedankens – als minderschwer einstufte und den Paragrafen 30a nicht voll ausnutzte. Dazu der Angeklagte: „Den Schlagstock habe ich geschenkt bekommen und nie eingesetzt.“ Trotzdem werden die vielen Patienten des auf dem Balkan in allen Medien populären Mediziners noch lange auf weitere Behandlung warten müssen, denn auch im Falle einer erfolgreichen Revision würde noch ein Jahr Untersuchungshaft ins Land ziehen.

Leid und Tod durch Drogen: 187 000 sterben durch Sucht

Seinen Ursprung nahm der unerlaubte Drogentransport durch Deutschland mit dem Versiegen einer Anbauquelle in Montenegro. Von dieser bezog der „Hanfdoktor“ bis dato seine Cannabis Indica, die er daheim in Belgrad zu dem begehrten Heil-Öl extrahierte. Dieses hat einen THC-Gehalt von 40 bis 70 Prozent und wird tropfenweise verabreicht. Ein Bekannter aus Amsterdam bot ihm die seltene Indica-Sorte an, die gewöhnlich nicht für Rauschzwecke verwendet wird. Der Serbe fuhr nach Holland und orderte sechs Kilogramm Pflanzenmaterial und die erforderlichen Herstellungsutensilien. Da er die erforderlichen 3500 Euro nicht dabei hatte, buchte er kurzerhand für die 55-Jährige ein Flugticket und ließ sich das Geld nachliefern. Dass er die unschuldige Belgraderin in die Sache hineinzog, kreidete ihm der Richter auch prompt in der Urteilsbegründung an.

Nach einer Nachtschicht hatte er alles in Gläser und Spritzen abgefüllt und begab sich mit seiner entfernt verwandten Mitangeklagten auf den Heimweg mit Umweg über Bruchköbel, wo er seine dort lebende Mutter und einen Patienten besuchen wollte. Es wäre wohl alles glatt gelaufen, wenn nicht ausgerechnet an diesem Tag eine Zivilstreife der Polizei Jagd nach Einbrecherbanden aus dem ehemaligen Jugoslawien gemacht hätte. Sie fischte den Phaeton mit serbischem Kennzeichen aus dem laufenden Verkehr und wurden bei Öffnung der Wagentüren sofort fündig.

Rubriklistenbild: © dpa

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