Stiftung bietet auch Wohnraum

Lebensräume für psychisch Kranke

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Neu-Isenburg - Angststörung, Depression, Schizophrenie: Die Liste psychischer Erkrankungen ist lang, die Ursachen sind vielfältig. Wer unter einer psychischen Beeinträchtigung leidet, muss damit heutzutage aber nicht mehr alleine fertig werden.

Es gibt Helfer – wie die Stiftung Lebensräume, die bereits seit 1997 in Neu-Isenburg in der Löwengasse präsent ist. Um ihr Planungssicherheit zu geben, hat die Stadt nun den Mietvertrag mit der Stiftung um weitere 25 Jahre verlängert. Ein schlichtes Schild an einem Gebäude in der Löwengasse weist auf den Nutzer „Lebensräume“ hin, worunter sich viele Menschen kaum etwas vorstellen können. Ein zweites Schild darunter, es trägt den Hinweis „Sozialpsychiatrischer Dienst – Fachdienst Gesundheit und Gefahrenabwehr“ ist gar für manchen Passanten suspekt. Was sich hinter dem großen Eingangstor verbirgt, haben gestern Klaus-D. Liedke und Monika Hubert von der Stiftung Lebensräume bei der wöchentlichen Magistratspressekonferenz erläutert.

In dem ehemaligen Hotel in der Löwengasse, das der Stadt gehört, hatte Lebensräume 1997 ein Wohnheim eröffnet, das bei der Belegung der Räume vorrangig Isenburger berücksichtigt. Die Stadt stellt dem gemeinnützigen Träger der freien Wohlfahrtspflege, der in Stadt und Kreis Offenbach Einrichtungen für Menschen mit psychischer Erkrankung, Behinderung oder psychosozialer Beeinträchtigung betreibt, das Objekt seither mietfrei zur Verfügung. Sämtliche Instandhaltungspflichten und Betriebskosten übernimmt dafür die Stiftung.

Um den Betreibern „vor dem Hintergrund der wichtigen Leistungen, welche die Stiftung für seelisch Erkrankte erbringt“ Planungssicherheit zu verschaffen, hat der Magistrat nun grünes Licht gegeben für eine vorzeitige Verlängerung des Mietvertrags – um weitere 25 Jahre zu den gleichen Bedingungen. Das Stadtparlament hat vergangene Woche Kenntnis von der Drucksache genommen.

„Wir sind sehr gerne in Neu-Isenburg, es ist sozusagen eine Lieblingsstadt, denn hier erfahren wir für unsere Arbeit eine vorbildliche Akzeptanz und Unterstützung“, sagt Klaus-D. Liedke, Vorstandsvorsitzender der Stiftung.

Wie notwendig die Arbeit der Lebensräume ist, ahnt jeder, der ab und zu Nachrichten hört.

Krankheitsbilder der Depression oder Schizophrenie sind vielen bekannt, es gibt aber vielfältig andere Störungen und Ausprägungen seelischer Handicaps. Man gehe davon aus, dass jeder zweite Mensch einmal in seinem Leben psychisch erkrankt, berichtet Liedke. Rund zehn Prozent der Bevölkerung litten gar dauerhaft an einer „psychischen Folgebelastung“, rund ein Prozent bedarf einer stetigen Behandlung und Betreuung. Und genau das seien Arbeitsfelder der Lebensräume.

Um nach einer Krankheit den Weg zurück in den Alltag zu finden, tut Hilfe oft Not. Eine wichtige Aufgabe für die Stiftung sei es, Betroffenen, die aus dem Krankenhaus entlassen werden, bei der Beschaffung von adäquatem Wohnraum zu helfen, schildert Liedke. Denn nach – oft monatelangen – stationären Therapien stelle sich das größte Problem für den Betroffenen in der Bewältigung des normalen Alltags dar. „Viele sind nicht fähig, einen entsprechenden Antrag auszufüllen, andere können ihren täglichen Ablauf ohne Inanspruchnahme fremder Hilfe nicht bewältigen – und es gibt auch Fälle, wo die Erkrankten keine Wohnung mehr haben, wenn sie aus der stationären Therapie entlassen werden“, beschriebt Liedke das Spektrum der Problemstellungen.

So bietet das Haus in der Löwengasse derzeit insgesamt 15 Menschen eine sichere und vor allem betreute Bleibe. Außerdem kommen Personen, die eine gewisse Selbstständigkeit wiedererlangt haben, tagsüber in das Haus, das dann wie eine Art Tagesstätte den psychisch Kranken eine feste Tagesstruktur mit Gruppenangeboten und sinnvollen Beschäftigungen bietet.

Qualifiziertes Fachpersonal, bestehend unter anderem aus Sozialarbeitern und Ergotherapeuten, steht den Besuchern zur Seite, wenn diese beispielsweise Essen zubereiten. „Es gibt ein Frühstück, wir bieten die Möglichkeit zum gemeinsamen Kochen des Mittagsessens an und es gibt am Nachmittag verschiedene Aktionsangebote“, gibt Monika Hubert Einblick in den Tagesablauf. Manche blieben nur Stunden, andere den ganzen Tag, das sei ganz unterschiedlich.

Zudem hat die Stiftung einen aufsuchenden Dienst, der Betroffene in ihrer Wohnung unterstützt. Ziel der Lebensräume ist es, die Kunden darin zu unterstützen, mit ihrer Krankheit leben zu lernen.

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„Wir erhalten in der Woche fünf bis sechs Anrufe, sei es von psychisch Erkrankten selbst, aber auch von Angehörigen und Ärzten, die eine begleitende Betreuung suchen“, erläutert Liedke das stetige Anwachsen des Klientels. Zu beobachten sei derzeit beispielsweise, dass die Gruppe der sehr Jungen, die Probleme haben, stark gewachsen sei – „junge Leute, die nach der Schule nicht den Anschluss ans Leben, den Übergang in den Beruf finden“. Das Wohnproblem tauche dabei immer wieder auf.

Weil der Bedarf wächst, sucht die Stiftung Lebensräume auch ständig weitere Wohnunterkünfte, „denn ein guter Lebensort und passender Wohnraum sind wichtige Voraussetzungen für eine wirksame Unterstützung“. Aber auch entsprechende Fachkräfte zur Betreuung seien mittlerweile auf dem Arbeitsmarkt stark umworben.

Weitere Informationen zur Arbeit der Stiftung Lebensräume gibt es im Internet auf www.lebsite.de

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