Eine Frage der Parkmoral

Neu-Isenburg (hov) - Eine Stadt mit einigem Stolz darauf, dass vieles in Bewegung ist, kann gutes Geld mit manchem machen, was sich nicht bewegt. Vor allem nicht in den Grenzen der Straßenverkehrsordnung.

Das macht Ordnungsliebe zum Geschäft: 453.000 Euro haben Verkehrssünder der Stadt Neu-Isenburg im vergangenen Jahr bezahlt, den Löwenanteil davon Falschparker, den Rest Raser.

Im sogenannten ruhenden Verkehr verteilt haben die Knöllchen acht Uniformierte – sechs Frauen und Männer der städtischen Ordnungspolizei plus zwei Hilfspolizeibeamte des privaten Frankfurter Sicherheitsdienstes Securitas. Letztere stehen seit dem Probejahr 2003 regulär in den Diensten der Stadt. Und werden es noch mindestens ein weiteres Jahr. Vor allem im mit behördlichen Bordmitteln sonst kaum abzudeckenden Früh- und im Spätdienst. Ihr Vertrag soll im nächsten Stadtparlament bis Ende 2013 verlängert werden, weil sie sich, wie Bürgermeister Herbert Hunkel und Erster Stadtrat Stefan Schmitt verkünden, bewährt haben. 108.000 Euro wird das Zusatzpersonal kosten.

Überwachung des ruhenden Verkehrs

Mit Bewährung hat die Überwachung des ruhenden Verkehrs für Erwischte natürlich nichts zu tun. Wer seine Karosse am falschen Ort, zur falschen Zeit oder über die erlaubte Frist hinaus und dann auch noch unter den Augen der Wächter ruhen lässt, muss in aller Regel für seine Verfehlung blechen. Die Quote der eingestellten Verfahren bewegt sich zwischen knapp drei und knapp vier Prozent.

Die beiden bei Securitas zur Verstärkung der eigenen Truppe entliehenen Hipos verschaffen den mit Chef Hans-Jürgen Maas 14 Mitarbeitern des städtischen Fachbereichs „Sicherheit, Ordnung und Straßenverkehrsbehörde“ Luft für andere, hoheitlichere und damit nicht auszulagernde Aufgaben. Sie zeigen vor allem an besonders heiklen Stellen Isenburgs Präsenz und Strafzettel. Da wäre der Innenstadtbereich mit den unter Dauerparkstress stehenden Straßen rund ums Isenburg-Zentrum, die Frankfurter Straße mit ihrer Parkscheibenregelung und am Nachmittag und Abend auch gerne die zentralen Bewohnerparkbereiche.

„Die Akzeptanz von Seiten der Bevölkerung ist hoch“

Dass jemand mit einem Knöllchencomputer nicht jedermanns uneingeschränkte Sympathie genießt, liegt dabei in der Natur der Sache. Trotzdem stellt Hunkel fest: „Die Akzeptanz von Seiten der Bevölkerung ist hoch“. Seit es die Hilfspolizeibeamten gebe, habe sich das Parkverhalten an der Frankfurter Straße und im Alten Ort verbessert. Das wiederum ist nicht Gefühl, sondern Statistik: 2009 gab es 25 066 Verwarnungen, im vergangenen Jahr noch 21 949. Die Stadtoberen freuen sich also über eine präventive Wirkung des Securitas-Doppels: Das scheine sich „bei einigen Menschen positiv auf die Parkmoral auszuwirken“.

Und möglicherweise nicht nur auf die. Seit 2011 sind die Hipos auch stärker als bisher bei der Überwachung von Veranstaltungen im Einsatz. Beim Lumpenmontag etwa, beim Open Doors-Festival oder dem Stadtfest.

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