Unterkunft für Flüchtlinge bereits fast voll

Hilfswelle hält Helfer in Atem

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Fast zu viel der Hilfe: Unzählige Umzugskartons voll mit Spenden, säckeweise Kleidung, diverse Kinderwagen und Fahrräder sortieren dutzende Helfer beim DLB. Hunderte vollgepackte Autos waren allein am Sonntag bei der Feuerwehr vorgefahren.

Neu-Isenburg - Auch in der Nacht zum Dienstag sind wieder Busse auf dem ehemaligen Rundschau-Gelände eingetroffen, teils direkt aus München. „In Neu-Isenburg hatten wir Stand heute Morgen 651 Flüchtlinge in der Unterkunft“, berichtet gestern Nicole Ohly-Müller.

„Die Strukturen in der Einrichtung sind aufgebaut wie geplant und haben den Praxistest bestanden, es läuft also“, ergänzt die Sprecherin des Regierungspräsidiums Darmstadt. Derzeit sei das RP im Gespräch mit einem potentiellen Betreiber für das Erstaufnahmelager mit bis zu 700 Flüchtlingen. Wie von Helfern zu erfahren ist, bemühen sich viele Menschen nach Kräften, den Neuankömmlingen eine menschenwürdige Unterkunft zu bieten. So wurden auf die Schnelle einige richtige Betten besorgt, damit sieben schwangere Frauen, die dort sind, nicht auf Feldbetten schlafen müssen.

Noch immer überwältigt die Hilfsbereitschaft der Isenburger Bürger alle: Unzählige Menschen sind gestern wieder auf dem Betriebsgelände des Dienstleistungsbetriebs (DLB) anzutreffen, schon seit Sonntag sei „die Hölle los“, wie es Michael Kaul, Sprecher der Flüchtlingshilfe, beschreibt. Seit auf dem Betriebshofgelände eine Halle für die Anlieferung von Sachspenden aus der Bevölkerung frei gemacht wurde, reißt dort der Strom der Spenden nicht ab. Von früh bis spät nehmen Mitglieder des DRK und freiwillige Helfer die Spenden an, überprüfen und sortieren diese. Dann werden sie geordnet und in Kisten verpackt. Wie berichtet, liefen die spontan organisierten Hilfsaktionen bereits am Samstag und Sonntag an. Erste Freiwillige verabredeten sich auf Facebook, unmittelbar nachdem sie erfahren hatten, dass schon am Wochenende Hunderte Flüchtlinge ankommen würden. Einige Menschen boten Dolmetscherdienste an, andere wollten gar Lebensmittelspenden abgeben.

Mittlerweile hat die Stadt wiederholt darum gebeten, von weiteren Sachspenden vorerst abzusehen, bis die Hilfe in effektive Bahnen gelenkt werden kann. Gestern treffen beim DLB aber auch noch immer mehr Menschen ein, die spontan helfen wollen. Durch die Stapel von Kisten bahnt sich ein junger Mann einen Weg: „Ich möchte gerne helfen, werde ich noch gebraucht?“, fragt er eine Frau, die gerade Damenkleider aus einer großen Tüte auspackt. „Bestimmt, aber dort ist die Chefin“, verweist die Helferin auf Christine Zoeller. Die Koordinatorin der DRK-Kleiderläden in der Region hat Erfahrung; sie weiß, was gebraucht, aber auch, was überhaupt noch brauchbar ist. „Die Leute meinen es wirklich gut, aber viele Dinge können wir einfach nicht verwenden, andere dürfen wir gar nicht an die Flüchtlinge weitergeben.“

So bittet Zoeller darum, keine Unterwäsche und keine Plüschtiere für Kinder abzugeben. „Aus hygienischen Gründen ist eine Weitergabe nicht gestattet“, erklärt Zoeller. Aber auch Bettzeug wird derzeit nicht gebraucht, ebensowenig große Kleidergrößen. „Und vor allem dürfen wir keine Lebensmittel annehmen“, betont die DRK-Koordinatorin. Mitten in den vielen Kisten, Koffern und Taschen steht Vera Henrizi. „Ich war Kinderkrankenschwester, bin jetzt im Ruhestand und kann das nicht alles so tatenlos ansehen, da muss ich zupacken“, betont die engagierte Frau. Für Michael Kaul ist Henrizi ein besonderes Beispiel eines engagierten Einsatzes.

Bilder: Einblicke in Unterkunft für Flüchtlinge in Neu-Isenburg

Freilich läuft auch aus Sicht der Flüchtlingshilfe noch nicht alles so, wie es laufen könnte – die Koordination der Hilfen muss sich eben einspielen. Kritik gab es am Vortag von Renate Kaul, die sich „tierisch aufregte“, weil sich im DLB die Kisten mit Kleiderspenden stapeln, diese aber nicht zu den Flüchtlingen gebracht werden dürfen. „Hier liegen Schuhe und warme Kleidung zuhauf und dort laufen immer noch Kinder barfuß herum“, hatte sie ihrem Ärger Luft gemacht. Kaul ist sich sicher, dass sich dies mit der Übernahme der Einrichtung durch einen Betreiber sofort bessern wird.

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Um zu sehen, wie eine optimale Betreuung der Flüchtling von außen organisiert werden könne, fuhr Bürgermeister Herbert Hunkel zusammen mit Michael Kaul in das Zeltaufnahmelager nach Heppenheim. „Wir konnten aus den dort gemachten Erfahrungen wichtige Informationen und Erkenntnisse für uns mitnehmen“, erklärt Kaul, ohne zu viel preisgeben zu wollen. Dies will Bürgermeister Herbert Hunkel in einem Treffen mit der Flüchtlingshilfe tun. „Wir verstehen schon, dass es in einer solchen Situation Regeln geben muss, aber wenn man Menschen helfen kann, sollte es auch Ausnahmen geben“, schildert Kaul die Situation aus Sicht der Flüchtlingshilfe.

lfp

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