„Ich bin’s, Arnold, und brauche sofort Geld“

Neu-Isenburg - (lu) Dreister „Enkel“ zockte 87-jährige Isenburgerin ab: Witwe überließ ihm fünfstelligen Euro-Betrag für „Wohnungskauf“.

Er hat ein weiteres Mal funktioniert, der so genannte „Enkeltrick“. Diesmal bei einer durchaus rüstigen und geistig regen Seniorin, wie die Polizei meint. Die 87-jährige Frau aus Neu-Isenburg ist seit Donnerstag ihre Ersparnisse los. Mehrere zehntausend Euro dürften es im Zusammenhang mit einer Immobilie gewesen sein, wobei die Polizei auf Anfrage einen nicht ganz niedrigen Betrag im fünfstelligen Euro-Bereich bestätigen wollte. „Der oder die Täter sind mit einer Dreistigkeit ohne gleichen vorgegangen“, meinte Offenbachs Polizeisprecher Henry Faltin. Und die Betrüger hatten auch noch Glück.

Gegen 15.30 Uhr klingelte das Telefon der Seniorin. Es meldete sich ein Mann, der vorgab, ein Verwandter zu sein. Er ließ die Rentnerin raten, wer er sei, bis sie einen Namen nannte, den er bejahte. So glaubte die ältere Dame irrig, dass sie mit ihrem weitläufigen Neffen „Arnold“ spricht.

Er habe gerade eine Wohnung gekauft und benötige nun dringend noch zusätzlich Geld, erzählte Arnold. Um ihrem „in Not geratenen Neffen“ zu helfen, ging die Witwe zu ihrem Geldinstitut und hob ihre Ersparnisse ab. Dort als Stammkundin bekannt, fiel die hohe Summe „für die Wohnung“ auch nicht weiter auf, weil bekannt war, dass im familiären Umfeld der Frau Bautätigkeiten stattfinden.

Kaum war die alte Dame wieder zu Hause, klingelte ihr Telefon erneut. „Arnold“ teilte seiner „Tante“, dass er nicht kommen könne. Ein Herr Schmidt von seiner Bank würde das Geld abholen und sei schon unterwegs. „Tantchen“ möge doch bitte vor dem Haus in der Frankfurter Straße auf ihn warten. Prompt erschien gleich darauf auch ein Mann, der sich als „Herr Schmidt“ vorstellte, die Barschaft in Empfang nahm und in südliche Richtung verschwand.

Als Stunden später „Arnold“ nicht - wie versprochen - nach Abwicklung des Wohnungskaufs bei der Seniorin vorbeigekommen war, wurde sie misstrauisch. Ein Rückruf bei der tatsächlichen Verwandtschaft brachte die bittere Wahrheit ans Licht: Die Seniorin war einem Betrüger aufgesessen.

„Ein geradezu klassischer Ablauf des sogenannten Enkeltricks“, kommentierte Kriminalhauptkommissar Peter Bender. „Die Betrüger rufen bei zumeist älteren Menschen an, geben vor, ein Verwandter zu sein und täuschen eine finanzielle Notsituation vor.“

Die Kriminalpolizei, die nun ermittelt, bittet nun um Hinweise aus der Bevölkerung, die rund um die Uhr unter 069 / 80 98-12 34 entgegen genommen werden, und fragt unter anderem:

Wer hat in der Frankfurter Straße im Bereich zwischen Offenbacher und Bahnhofstraße am Donnerstag zwischen 15.30 und 16.30 Uhr verdächtige Personen beobachtet, die eventuell länger telefonierten?

Wer hat den „Herr Schmidt“ gesehen, der gegen 16.15 Uhr das Geld abholte? Der schlanke Mann ist etwa 1,70 Meter groß und spricht akzentfrei hochdeutsch. Er war mit einer schwarzen Strickmütze und einer schwarzen Strickjacke bekleidet.

Damit man nicht selbst Opfer solcher Trickbetrüger wird, gibt Peter Bender, Leiter der polizeilichen Beratungsstelle, folgende Tipps:

Rufen Sie den vermeintlichen Verwandten oder Bekannten zurück (allerdings nicht über die vom Anrufer eventuell genannte Rufnummer) und versuchen Sie, den Sachverhalt zu klären. Ist das nicht möglich: Sofort die Polizei informieren und weiteres Vorgehen absprechen;

Fremden, die als „Vertrauensperson“ angeblicher Verwandter kommen, niemals Bargeld aushändigen - und Anzeige erstatten, auch wenn man bereits auf den Enkeltrick hereingefallen ist.

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