Konzept in Arbeit

Ideen sammeln für die Friedhofstraße

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Wie die Zukunft der Friedhofstraße, die für die verschiedenen Verkehrsteilnehmer schon wegen der RTW komplett neu aufgeteilt werden muss, aussehen kann, darüber wird ab Mai in einer Planungswerkstatt gesprochen. Da bei diesem Thema diverse Interessenskonflikte quasi vorprogrammiert sind, will die Stadt möglichst früh alle Betroffenen ins Boot holen und zu Wort kommen lassen. Vor allem auch an der hier gezeigten Kreuzung mit der Frankfurter Straße muss aus Sicht der Fachleute dringend etwas passieren.

Neu-Isenburg - In Isenburg gerät derzeit vieles in Bewegung – nicht nur durch das Birkengewann. Der Planfeststellungsabschnitt Süd 1 der Regionaltangente West geht in die heiße Phase, weitere Großprojekte werfen ihre Schatten voraus.

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Aber wo geht die Reise auf den Straßen hin? Wie bewältigt man das Verkehrsaufkommen von 2030? Und was wird zum Beispiel aus der Friedhofstraße? Auf der Suche nach einem Gesamtkonzept sollen die Bürger mitreden.
Der kluge Mensch baut vor. Dass die Zukunft erheblich mehr Verkehr – in welcher Form auch immer – mit sich bringt, ist unbestritten. Doch wie dieser bewältigt werden soll, darüber gibt es viele Meinungen. „Es ist ein dickes Brett, das wir da bohren müssen“, formuliert es gestern Bürgermeister Herbert Hunkel. Die Stadt hat bekanntlich das Ingenieurbüro Habermehl und Follmann beauftragt, ein Stadtentwicklungskonzept Mobilität zu erstellen, das aufzeigen soll, mit welchen Verkehrsaufkommen für das Jahr 2030 zu rechnen ist und wie die Mengen stadtverträglich und leistungsfähig abgewickelt werden können.

Die Beantwortung der Frage, wie man sich die „verkehrliche Zukunft“ vorstellt, hat durch die Fahrtaufnahme der Regionaltangente West einen neuen Dringlichkeitsschub erhalten. „Wir wollen und müssen im Zuge der Planungen der RTW der zuständigen Planungsgesellschaft möglichst frühzeitig sagen, wie wir uns die Verkehrsinfrastruktur der Zukunft in unserer Stadt vorstellen“, beschreibt Hunkel die Aufgabe des Stadtentwicklungskonzepts. Deshalb hatte er die beiden Verkehrsplanungsspezialisten Edwin Mayer und Jürgen Follmann, Dekan des Fachbereiches Bauingenieurwesen der Hochschule Darmstadt, ins Rathaus eingeladen für einen aktuellen Sachstandsbericht.

Noch mehr Zuwachs im Ampel-Wald? Der Kreisel am Güterbahnhof gewinnt nach wie vor keinen Beliebtheitspreis bei Autofahrern. Als kurzfristige Maßnahme gegen die Rückstaus schwirrt derzeit noch der Vorschlag der Verkehrsplaner herum, ein „Zusatzsignal in der Schleussnerstraße“ zu installieren. -

„Wir müssen den heutigen und auch künftigen Verkehr in Neu-Isenburg in den hausgemachten, also vor Ort entstehenden, aber auch im Zusammenhang mit der Region sehen“, betont Mayer. Gemäß seiner Prognose wird der Gesamtverkehr in Isenburg bis 2030 allein beim motorisierten Individualverkehr von derzeit 131.779 auf 171.991 Verkehrsteilnehmer täglich steigen. Die Gesamtzahl aller Verkehrsteilnehmer soll von heute 205.877 auf 262.615 steigen. Grund hierfür ist auch die Ansiedlung neuer Einwohner im Birkengewann oder später im Quartier Süd. Klar ist: Tut die Stadt nichts, kommen die Straßen früher oder später an die Kapazitätsgrenze. Stichwort: Kollaps. Umso wichtiger, sagen die Planer, sei es, dass der öffentliche Nahverkehr erheblich ausgebaut werde.

Die Arbeiten am Stadtentwicklungskonzept sind laut Auskunft der Planer weit fortgeschritten. „Wir haben intensiv gearbeitet und fünf verschiedene Verkehrsszenarien erarbeitet, die fünfte Stufe dann wiederum drei Betrachtungsweisen unterworfen“, schildert Mayer den Prozess der Lösungsfindung. Durch verschiedene Maßnahmen, wie den PKW-Verkehr zu reduzieren, den ÖPNV sowie das Radfahren aber auch das zu Fuß gehen zu favorisieren, soll ein verträgliches Miteinander aller Verkehrsteilnehmer erreicht werden. „Wir haben immer die Gesamtstadt im Blick, aber freilich steht die Ost-West-Achse mit Friedhof- und Carl-Ulrich-Straße im Fokus“, betont Mayer.

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Noch im ersten Quartal 2018 sollen die vorbereitenden Arbeiten so weit abgeschlossen werden, dass man die Sache in den politischen Gremien diskutieren kann. In der Sitzung des Stadtparlaments am 7. März sollen die Ergebnisse der Experten auch Thema sein. Ein Schlussbericht ist fürs zweite Quartal vorgesehen.

Jürgen Follmann geht konkreter auf die angedachte Planungswerkstatt ein, bei der es um die Frage gehen soll, wie die Friedhof- und Carl-Ulrich-Straße umgestaltet werden kann. Denn dem Verkehrsexperten ist klar, dass da viele Interessen aufeinanderprallen; „es wird Diskussionen und bestimmt auch richtig Stress an verschiedenen Stellen geben, bis wir alle Problemstellungen bewältigt haben“. Die Interessen der Anwohner seien natürlich andere als die der Autofahrer.

Darum will er den Isenburgern keine fertige Lösung vor die Nase setzen, sondern sie aktiv mit in einen Findungsprozess per Planungswerkstatt einbinden. Unter Follmanns Leitung soll ab Mai gemeinsam an der Straßenraumgestaltung entlang des RTW-Korridors gearbeitet werden, um möglichst viele Belange zu berücksichtigen.

Im Vorfeld dieser Bürgerbeteiligung werden Studierende der Darmstädter Hochschule auf der Straße mit den Bürgern das Gespräch suchen, um erste Wünsche und Tendenzen aufzunehmen.

Klar sei: „Wir müssen den Straßenraum neu aufteilen, die Friedhofstraße kann final nicht mehr so aussehen, wie sie heute ist.“ Die RTW, die Fußgänger, die Radler (bei deren Anteil sich die Experten eine Steigerung möglichst auf 20 bis 25 Prozent in der Friedhofstraße erhoffen): Sie alle müssen ihren Raum kriegen. Als Ziel habe man sich gesetzt, eine „Straße für die Isenburger“ zu schaffen.

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Es könne auch nicht sein, dass man vom Bus oder der RTW dann direkt auf den Radweg aussteigt. „Wichtig ist, dass wir eine Umsetzung nicht erst in 20 Jahren erreichen“, verweist Follmann auf die Bedeutung der Planungswerkstatt. Davon soll es dann nach dem Auftakt im Mai zwei weitere im August und im Herbst geben, die Ergebnisse sollen auch in die Machbarkeitsstudie zur Verlängerung der RTW einfließen.

„Wir wollen alle Bürger mitnehmen und alle Einwände ernst nehmen, wenngleich wir sicherlich nicht jedem seinen Lieblingswunsch erfüllen können – uns ist aber wichtig, dass sich möglichst viele Bürger beteiligen“, betont der Bürgermeister.

Und wie immer, wenn’s um verstopfte Straßen geht, kommt auch der Kreisel Hugenottenallee/Carl-Ulrich- und Schleussnerstraße vor, an dem es nach wie vor zu reichlich Rückstau in den Hauptverkehrszeiten kommt. Diskutiert wird (dem Vernehmen nach recht kontrovers) derzeit in der Politik ein Vorschlag der Planer, „durch ein Zusatzsignal in der Schleussnerstraße den Verkehrsfluss zu verbessern“ – als kurzfristige Maßnahme, die rund 20.000 Euro kosten würde. Das letzte Wort hat dann das Stadtparlament.

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