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Immer wieder Ärger mit Schimmel in Gravenbrucher Wohnhaus

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Von: Joel Schmidt

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Keine 24 Stunden dauerte es, bis sich die kleine feuchte Stelle im Flur von Nesima Mirakai in „einen riesengroßen Fleck“ verwandelte. Mit Schimmel hatte die 42-Jährige in ihrer Wohnung schon häufiger zu kämpfen.
Keine 24 Stunden dauerte es, bis sich die kleine feuchte Stelle im Flur von Nesima Mirakai in „einen riesengroßen Fleck“ verwandelte. Mit Schimmel hatte die 42-Jährige in ihrer Wohnung schon häufiger zu kämpfen. © strohfeldt

Anfangs sei es nur eine kleine feuchte Stelle im Flur ihrer Wohnung im Schönbornring 1 in Gravenbruch gewesen, erzählt Nesima Mirakai. Nichts Auffälliges, eher so, „als hätte man etwas Wasser verkippt.“ Doch dann dauerte es keine 24 Stunden, bis aus der feuchten Stelle „ein riesengroßer Fleck“ wurde – und damit ein Problem in Nesima Mirakais Leben zurückkehrte, mit dem sie schon ein Mal zu kämpfen hatte: Schimmel.

Neu-Isenburg - Vor vier Jahren bezog die medizinisch-technische Laborassistentin ihre Wohnung im Schönbornring 1. Seitdem, sagt sie, „gibt es hier ständig Probleme. Es ist wirklich ein Siffhaus.“ Bereits zwei Wochen nach ihrem Einzug habe die alleinerziehende Mutter von drei Kindern in ihrem Schlafzimmer einen „enormen Schimmelbefall“ gehabt. „Der hatte vier verschiedene Farben“, erinnert sich die 42-Jährige.

Damals hieß es seitens der Hausverwaltung, der Schimmel sei durch falsches Lüften entstanden. Doch Mirakai sagt: „Ich wohne seit 25 Jahren zur Miete, ich weiß schon, wie man richtig lüftet.“ Das Gutachten einer Fachfirma habe letztendlich ergeben, „dass der Vormieter den Schaden einfach übermalt hatte.“

Das Haus in dem Nesima Mirakai und ihre drei Kinder leben, gehört dem börsennotierten Immobilienunternehmen Grand City Properties (GCP), mit Firmensitz in Luxemburg. Bundesweit befinden sich über 63 000 Wohnungen im Besitz der Firma.

Wirft man einen Blick ins Internet, finden sich im Handumdrehen unzählige Beschwerden. Von Bewohnern aus dem gesamten Bundesgebiet, die bei der GCP zur Miete wohnen. Auch bei den Bewohnern im Schönbornring 1 hört man zuhauf Klagen. Über eine untätige Hausverwaltung, verschleppte Reparaturen – und immer wieder eins: Ärger mit Schimmel (wir berichteten).

„Die ganze Außenfassade ist nass, die ist ja nicht wirklich dicht“, benennt Nesima Mirakai eine der möglichen Ursachen für den häufigen Schimmelbefall. Ihre Wohnung sei indes kein Einzelfall, viele im Haus hätten mit ähnlichen Problemen zu tun. Sicher, vor ein paar Jahren habe es Sanierungsarbeiten an der Fassade gegeben. Allerdings seien dabei nur die Eckseiten des Gebäudes neu isoliert worden, berichtet ein Nachbar. Der Rest der Fassade sei seinerzeit lediglich „mit wasserabweisender Farbe“ gestrichen worden.

In Nesima Mirkais Wohnung haben sich auf Geheiß der Hausverwaltung mittlerweile Handwerker des Problems angenommen und den Schaden im Flur beseitigt. Und dennoch bleibt für sie die Ungewissheit, ob der Schaden damit auch nachhaltig behoben ist. Ihr Schlafzimmer, erzählt die alleinerziehende Mutter, benutze sie schon seit gut einem Jahr nicht mehr – irgendwann sei der Schimmel von Neuem aufgetaucht. „Im Endeffekt zahle ich für eine Vier-Zimmer-Wohnung, bewohne aber nur drei. Es ist eigentlich traurig.“

Neben der psychischen Belastung sei diese von andauernder Unsicherheit geplagte Wohnsituation irgendwann natürlich auch eine Frage des Geldes. „Beim Einzug dachte ich noch, das wird jetzt erst mal meine letzte Wohnung und habe mir für 10 000 Euro eine nigelnagelneue Küche einbauen lassen“, sagt Mirakai. „Aber was mache ich, wenn die dann plötzlich auch verschimmelt ist?“

Auf Nachfrage räumt die Hausverwaltung ein, dass es „im Schönbornring 1 und 5 in der Vergangenheit zu Wasserschäden und daraus resultierend zu Schimmelbildung“ gekommen ist. Die genannten Schäden seien aber behoben „und somit die Ursache beseitigt.“ Dem Thema Schimmelvermeidung versuche man zweigleisig beizukommen. Mit handwerklichen Maßnahmen „wie Neuauftrag eines atmungsaktiven Putzes, Anbringung von Innendämmungen und dem Aufbringen von Isoliertapeten“, einerseits. Mit„aktiver Aufklärung über ein notwendiges und funktionales Lüftungs- und Heizverhalten zur Vorbeugung“, andererseits.

Mit Maßnahmen wie der Modernisierung des Aufzuges, der Sanierung mehrerer Wasserleitungen im Keller sowie dem Einbau einer neuen Rauch- und Wärmeabzugsanlage in der Hausnummer 1 habe die GCP bereits „deutlich in den Standort und die Wohnqualität investiert“, teilt eine Sprecherin des Unternehmens mit. Eine Frage nach dem Zustand und den konkreten Sanierungsmaßnahmen der Fassade ließ sie indes unbeantwortet.

Genauso wie eine Frage nach dem Immobilienunternehmen „Aroundtown SA“. Dabei handelt es sich nicht nur um den ehemaligen Mutterkonzern und heute größten Einzelaktionär bei GCP. Die Firma ist auch in der dritten Saison in Folge Hauptsponsor des Bundesligavereins Union Berlin, deren Jugendabteilung bereits seit 2017 gesponsort wird. Obgleich es sich offiziell um zwei voneinander getrennte Firmen handelt, hinterlassen die Sponsor-Tätigkeiten im Schönbornring einen bitteren Nachgeschmack. „Geld für einen Fußballverein in Berlin haben sie, aber für ihre Mieter nicht“, so der Eindruck eines Bewohners.

Von Joel Schmidt

Das Unternehmen Grand City Properties (GCP)

Der Großteil des Immobilienbestands von Grand City Properties (GCP) in Deutschland befindet sich in dicht besiedelten Gebieten, etwa in Berlin, Nordrhein-Westfalen oder dem Rhein-Main-Gebiet. In Neu-Isenburg gehören dem Unternehmen knapp 200 Wohnungen, darunter die beiden Hochhäuser im Schönbornring 1 und 5.

Auf ihrer Homepage beschreibt die Firma ihr Geschäftsmodell als „Neupositionierung und Optimierung von Wohnimmobilien“. Aktionäre haben in den vergangen Jahren eine Dividende von rund 140 Millionen Euro ausgezahlt bekommen.

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