Landgericht Darmstadt

Tödliches Ende einer halsbrecherischen Fahrt - hat Unfallverursacher paranoide Schizophrenie?

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Nach einer halsbrecherischen Fahrt vom Taunus über Egelsbach und zurück Richtung Frankfurt kracht ein 38-jähriger Autofahrer am 13. Mai 2017 an der Kreuzung Sprendlinger Landstraße / B 459 mit einem Vespa-Fahrer zusammen.

Nach einer halsbrecherischen Fahrt vom Taunus über Egelsbach und zurück Richtung Frankfurt kracht ein 38-jähriger Autofahrer am 13. Mai 2017 an der Kreuzung Sprendlinger Landstraße / B 459 mit einem Ves-pa-Fahrer zusammen.

Neu-Isenburg – Der Raser hatte die x-te rote Ampel mit Tempo 140 überfahren, was der 52-jährige Dreieichenhainer Familienvater mit dem Leben bezahlte.

Seit gestern wird der Fall vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt verhandelt. Die Anklage lautet: fahrlässige Tötung im Zustand der verminderten Schuldfähigkeit, zudem unzählige grobe Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung.

Ein silberner Sportwagen, ein großes Faible für Formel Eins und die Diagnose „Paranoide Schizophrenie“ – bei dieser Kombination kann einem schon mulmig werden. An jenem Samstagmorgen im Mai ereignet sich dann tatsächlich der Worst Case im Leben des Hobbyrennfahrers und Dauerstudenten aus Frankfurt. Ein Wunder war nur, dass nicht schon viel früher die „Spazierfahrt“ durch einen Crash beendet vorzeitig wurde.

Angeklagter gesteht seine Schuld vor Gericht ein

Der Angeklagte versucht gar nicht erst, irgendetwas zu beschönigen. Er weiß um seine psychische Krankheit und er weiß, das es mindestens zwei Dutzend Zeugen gibt, die wegen ihm auf den Standstreifen ausweichen mussten oder einfach nur sprachlos mit Scheibenwischer-Geste dem Heck seines Toyota Celica hinterher geschaut haben. Der Student: „Ich wollte zu einem Freund in Glashütten, um ihm beim Umzug zu helfen. Ich war aber viel zu früh da, deshalb entschied ich mich für eine kleine Spritztour.“ Er sei hoch auf den Feldberg gefahren und habe bergab mit quietschenden Reifen die Kurven geschnitten. „Dann bin ich die A 661 bis zum Ende durch gefahren, hab so manche Fahrzeuge auf dem Standstreifen überholt.“ Nach einem kurzen Tankstopp rast er auf der Landstraße zurück über Langen, Sprendlingen und Isenburg – so wie er es beim Formel-Eins-Schauen und an seinen Spielekonsolen jahrelang gelernt hat. Der Mann erinnert sich an alle Details – einzig die roten Ampeln will er nicht bemerkt haben, vor denen er kolonnenweise rechts oder links alle wartenden Autos überholte.

Wo bei dem Studenten die besessene Rennlust aufhört und die Krankheit Oberhand gewinnt, ist für den Laien schwer feststellbar. Darüber muss der psychiatrische Sachverständige Dr. Andreas Angelov das Gericht noch aufklären. Die prahlerischen Bildeinträge in den sozialen Medien, in denen er neben einem Ferrari posiert und die Filmergebnisse seiner Kurvenfahrten mit dem am Beifahrersitz befestigten Handy zeigt, sprechen aber eine eigene Sprache.

Krankheit des Unfallverursachers wurde nicht ausreichend behandelt

Ein Knackpunkt im Verfahren ist die unzureichende Behandlung der seit seinem Abitur 2000 bekannten Krankheit: „Ich fühlte mich wie vom Teufel besessen und gleichzeitig verfolgt, war völlig aufgedreht, hatte schlaflose Nächte.“ 2014 werden ihm für ein Jahr Medikamente verordnet, die auch gut anschlagen. Warum die dann abgesetzt wurden, will der Gutachter jetzt bei seinen Frankfurter Kollegen klären. Neben dem Studium jobbte der Angeklagte am Flughafen in der Gepäckabfertigung. Seit dem Unfall ist er arbeitslos und lebt von Grundsicherung.

Während ihm selbst bei dem Frontalzusammenstoß nichts passierte, erlitt der Dreieichenhainer so schwere Verletzungen, dass er trotz rascher Erstversorgung keine Überlebenschancen hatte.

Ehefrau und beide Töchter des Opfers sitzen als Nebenkläger mit im Saal. Sie überlegen noch, ob sie sich als Zeugen äußern wollen. Der Prozess wird fortgesetzt.

VON SILKE GELHAUSEN

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