Die neue Vielseitigkeit

Reiterverein stellt sich nach Betreiberwechsel breiter auf

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Gemeinsam in die Zukunft: Vorsitzende Ingeborg Trimpert (rechts) mit Anja Winterstein und Olaf Meyntz, den neuen Betreibern des Reitbetriebs.

Beim Reiterverein Gravenbruch stand in den vergangenen Jahren der Vielseitigkeitssport im Mittelpunkt. Pächter und Pferdewirtschaftsmeister Albrecht Schmidt war ein besonderer Freund der Geländereiterei.

Neu-Isenburg – Wegen der vielseitigen Anforderungen an Pferd und Reiter während eines Geländerittes wird die Kategorie des Reitsports „Vielseitigkeit“ genannt – früher war es Military. Prominenteste Military-Reiterin war Prinzessin Anne, die 1971 gar die Europameisterschaft gewann. Albrecht Schmidt hatte das Gelände des Reitervereins Gravenbruch zu einem „Mekka“ der Vielseitigkeit gemacht. Alljährlich eröffneten die „Buschreiter“, wie die Geländereiter auch genannt werden, ihre Freiluftsaison beim Reiterverein Gravenbruch – so wie auch vor anderthalb Wochen.

Nun gibt es mit Anja Winterstein und ihrem Lebensgefährten Olaf Meyntz neue Hausherren, was den reiterlichen Betrieb betrifft. Anja Winterstein ist Isenburgerin, hat ihre Ausbildung zur Pferdewirtschaftsmeisterin in Zucht und Haltung von der Pike auf gelernt. „Ich werde mich künftig vorwiegend dem Nachwuchs widmen, also Kindern und Anfängern den richtigen Sitz im Sattel und den korrekten Umgang mit dem Partner Pferd vermitteln“, so Winterstein. Sie will auch das bei Kindern so beliebte Voltigieren wieder ins Programm nehmen.

Mit Olaf Meyntz kommt nicht nur ein erfahrener Bereiter und Reitlehrer zum Reiterverein Gravenbruch, er bringt auch gleich 14 Schulpferde mit. „Mein Part hier auf der Anlage ist es, nicht nur entsprechenden Reitunterricht für Fortgeschrittene und Erwachsene zu geben, sondern auch noch nicht perfekt ausgebildete Pferde zu bereiten und umgänglich zu machen“, so Meyntz. Insgesamt will er den Reitbetrieb „vielseitiger“ ausrichten. „Die reiterliche Kategorie der Vielseitigkeit wird es hier natürlich weiter geben, dafür ist der Verein schließlich bekannt, aber wir wollen auch das Voltigieren, Dressur und den Springsport wieder hier etablieren“, skizziert Meyntz die neue Ausrichtung.

So soll es noch in diesem Jahr einen Tag der offenen Tür – einen Reitertag – geben, um alle reiterlichen Angebote zu präsentieren. Doch auch die Kategorie der Vielseitigkeit selbst erfuhr bereits eine wegweisende Veränderung. „Mein Vorgänger hatte den Parcours mehr auf einen naturnahen Zuschnitt ausgerichtet, ich wollte aber eine Ausrichtung auf internationale Anforderungen“, beschreibt Meyntz die Veränderung. Dies war bereits jüngst beim Turnier zu sehen. „Wir haben hier rund 300 Tonnen Boden bewegt, um den Parcours den allgemeinen Anforderungen anzupassen“, erklärt Meyntz. Dies gebe den Vielseitigkeitsreitern die Möglichkeit, in Gravenbruch nach internationalen Regeln zu trainieren.

Für Ingeborg Trimpert, die Vorsitzende des Reitervereins, ist die neue Entwicklung ein positives Signal für den Fortbestand des Vereins. „Es ist ja bekannt, dass sich die Anforderungen und Ausrichtungen auch eines Reitvereins mal ändern. Ich denke, wir haben hier mit Anja Winterstein und Olaf Meyntz eine perfekte Kombination“, so Trimpert. Auch Bürgermeister Herbert Hunkel, der dem Saisoneröffnungsturnier einen Besuch abstattete, lobt die Neuausrichtung und hebt vor allem die sehr gute Jugendarbeit des Vereins hervor. „Ich möchte vor allem Ingeborg Trimpert danken, die den Verein auch über eine schwierige Phase hinweg wieder in eine Zukunft mit Perspektive geführt hat“, so Hunkel.

VON LEO F. POSTL

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