„Wir machen weiter“

Pleite von Thomas Cook: Reisebüro hat turbulente Wochen hinter sich

Patrick Orth (Holiday Land) hat glücklicherweise nicht nur Thomas-Cook-Reisen verkauft. Foto: jost
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Patrick Orth (Holiday Land) hat glücklicherweise nicht nur Thomas-Cook-Reisen verkauft. 

Die Pleite von Thomas Cook hat tausenden Reisenden die Ferien verhagelt. In der vergangenen Woche wurde dann bekannt, dass auch die gebuchten Reisen für 2020 nicht angetreten werden können und Thomas Cook Deutschland den Betrieb zum 1. Dezember einstellen muss.

Neu-Isenburg – Für Patrick Orth, mit seiner Geschäftspartnerin Rita Hofmayer als Holiday Land in Neu-Isenburg Franchise-Nehmer von Thomas Cook, waren das turbulente Wochen. Diejenigen, die gerade im Urlaub weilten, hatten nach der Aussage des Chefs keine Probleme in den Hotels. „Wir haben aber rund 30 Kunden, die eine Reise in der Zukunft mit dem Anbieter gebucht haben. Allen haben wir die Möglichkeit gegeben, mit uns die Unterlagen auf Entschädigung auszufüllen und sie an den richtigen Stellen einzureichen. Einige haben das auch angenommen“, berichtet Orth. Schnell war aber klar, dass der Sicherungsschein für die Kunden von Pauschalreisen nicht ausreichen wird und sie keinesfalls ihre gesamten Kosten erstattet bekommen: „Eigentlich müssen wir die Frage stellen, wer diesen viel zu kleinen Sicherungsfonds von 110 Millionen Euro genehmigt hat“, ärgert sich Orth.

Für den Betrieb in der Frankfurter Straße ist die Cook-Pleite nicht existenzgefährdend. „Zu sagen, dass sie uns wirtschaftlich nicht trifft, ist allerdings falsch“, betont er. Seit September haben die Reisebüros von Thomas Cook keine Provisionen mehr bekommen. Noch vier Tage vor der Pleite war eine Vertreterin des Unternehmens zu Besuch in Neu-Isenburg, hat Anreize gesetzt, mehr Reisen zu verkaufen. „Ich sage jetzt mal, dass sie das selbst nicht wusste“, unterstellt er keine Absicht. Gerüchte, dass es dem Mutterkonzern in England nicht gut gehe, gab es schon lange. „Aber Thomas Cook Deutschland hätte überleben können“, sagt der Reisebüro-Besitzer. Der Vorteil von Orth und Hofmayer sei, dass sie nicht ausschließlich Reisen von Thomas Cook verkauft haben. Das Team sei breit aufgestellt und kooperiere mit vielen Anbietern. Doch nach der Pleite machte im Ort schnell die Runde, dass das Reisebüro möglicherweise schließen müsse. „Das ist aber nicht so. Wir haben direkt die Cook-Kataloge aus den Regalen genommen, die Werbung aus den Schaufenstern und das typische Thomas-Cook-Herz von unserer Außenwerbung – es ist jetzt einfach negativ besetzt. Aber wir machen weiter!“

Nun werde das Team in Ruhe nachdenken, mit welchem Partner es in die Zukunft gehen wird. Es gebe Überlegungen, dass DER, hinter der die Rewe-Gruppe stecke, Holiday Land übernehme. Das hätte Vorteile, nicht alles verändern zu müssen, aber entschieden sei noch nichts. Andere Anbieter wie TUI oder RTK seien Optionen. „Wir nehmen uns jetzt bis Jahresendes Zeit, um dann zu sagen, wem wir uns anschließen. Für die Kunden hat das ohnehin keine Auswirkungen, wir verkaufen die Reise, von der wir überzeugt sind, dass sie zu unserem Gegenüber passt“, betont Orth.

Und wenn es jetzt schon mal die Gelegenheit gibt, mit einem Reiseprofi zu sprechen, wie verreist er persönlich am liebsten? „Ich mag auch mal einen tollen Cluburlaub, aber am liebsten bin ich mit dem Rucksack unterwegs. Die letzte Reise war eine solche – quer durch China“, verrät er.

VON NICOLE JOST

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