Plötzlich mit ruhiger Hand

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Mit seiner Interpretation der Frankfurter Skyline sorgte Jörgen Bruchhäuser für Aufsehen.

Neu-Isenburg - Wenn das Zittern kommt, ist das ein Schock. Da ging es Jörgen Bruchhäuser nicht anders als den vermutlich weit mehr als 300.000 Menschen, die allein in Deutschland mit Parkinson leben müssen. Es war im Jahr 2004, als die Krankheit bei ihm diagnostiziert wurde. Von Barbara Hoven

Seitdem hat sie Spuren in seinen Körper gefurcht. Doch an seinem Geist, an seiner Kreativität prallt sie ab. Wenn Bruchhäuser von dem Weg erzählt, auf den die Krankheit ihn seither geführt hat, dann auch deshalb, weil seine Geschichte anderen Menschen Mut machen soll.

Dabei hätte der gebürtige Kopenhagener, der seit 1968 in Deutschland und seit mehr als 25 Jahren in Neu-Isenburg lebt, den Weg, der ihm seit Jahren am besten gegen die Krankheit hilft, fast verfehlt. Den der Malerei nämlich. Seine erste Berührung damit hatte er Ende 2008 während eines Klinikaufenthaltes in der Parkinsonklinik Bad Schwalbach. „Malen wurde als Therapie angeboten, aber der Kurs war schon voll“, erzählt er. Erst drei Tage bevor die Heimreise anstand habe er die Chance bekommen, eine Stunde lang am Kurs teilzunehmen. Er nahm einen Block Aquarellpapier mit und malte alleine weiter.

Das Erstaunliche: Seine Hand blieb dabei ruhig. „Wenn ich anfange zu malen, dann tauche ich da dermaßen ein, dass das Zittern aufhört.“ So sei ihm durch die Krankheit eine bislang unbekannte, kreative Seite seiner Persönlichkeit gezeigt worden, „und damit ein Weg, mich konstruktiv mit meinem Schicksal auseinanderzusetzen“.

Zunächst malte der pensionierte Wirtschaftsingenieur Aquarellbilder, „die üblichen Blumen- und Landschaftsmotive“. Dann habe ihn das Projekt gereizt, „in Anlehnung an Hundertwasser etwas Farbe und Leben in die Frankfurter Skyline zu bringen“. So entstand eine viel beachtete und sehr bunte Reihe von Bildern mit Acrylfarbe, mit unterschiedlichen Formaten und Farbnuancen schuf Bruchhäuser eine neue bunte und lebendige Ansicht der Bankenmetropole. Dabei nahm er sich die Freiheit, alle Farben und Perspektiven zu verändern, um neue Blicke auf die Hochhäuser zu geben.

Im April 2012 entstanden zwei Acryl-Gemälde, die in der gleichen Bildsprache die Außenansicht des neuen, energetisch sanierten Isenburger Rathauses zeigen. Auch anderen Isenburger Motiven verlieh Jörgen Bruchhäuser seine ganz eigene Note – zum Beispiel dem alten französischen Schulhaus. Das hat er in satten Gelb- und Rot-Tönen gemalt – „weil ich finde, dass das traditionsreiche Haus durch Farbe mehr Ausstrahlung bekommt“.

Im vergangenen Jahr entstand eine weitere neue Serie, die der Künstler „Farbenspiel“ nennt. Bruchhäuser arbeitet dabei nur mit dem Spachtel, um die leuchtenden Acrylfarben auf der Leinwand zur Geltung zu bringen. Die Bilder sollen die Fantasie ansprechen und eigene Interpretationen ermöglichen.

Etwa 60 Werke von Jörgen Bruchhäuser, darunter auch die besonderen Ansichten von Neu-Isenburg, sind ab Freitag, 1. Februar, in einer neuen Ausstellung im Rathaus-Foyer zu sehen, die den Titel „Mit ruhiger Hand“ trägt. Bis zum 28. Februar sind die Werke zu den üblichen Öffnungszeiten im Rathaus zu besichtigen. Die Vernissage beginnt am Donnerstag, 7. Februar, um 18 Uhr.

Die Bilder gibt es auch zu kaufen. Weil ihm die Arbeit dieser Isenburger Einrichtung sehr am Herzen liegt, hat Bruchhäuser sich übrigens dazu entschieden, den Erlös aus den Verkäufen dem Weltladen zu spenden.

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