Johannesgemeinde feiert Jubiläum

Evangelium aus vielen Händen

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Mathias Volz vom Kirchenvorstand beginnt als Erster mit dem handschriftlichen Abschreiben des Johannesevangeliums; hinten (von links) Pfarrerin Silke Henning, Sabine Schreib, Stefan Böhm und Pfarrerin Mechthild Dietrich-Milk.

Neu-Isenburg - Ein besonderes Projekt läuft bis Mitte September in der Johanneskirche: „Anlässlich des 50. Jubiläums der Kirche und des 60. Gemeindejubiläums fertigen wir zusammen mit allen Menschen, die Freude daran haben, ein handgeschriebenes Johannesevangelium an“, erklärt Pfarrerin Silke Henning.

Dazu gibt es jetzt eine Schreibstation. Und am nächsten Sonntag ein großes Jubiläumskonzert des Kirchenchores.
In der Johanneskirche steht seit Sonntag ein „Schreibtisch“, darauf ein Tintenfässchen mit Feder. Daneben liegt eine Mappe mit eingezeichneter Markierung für ein Blatt Papier, davor die aufgeschlagene Bibel. Dies alles mit Blick auf die original „Schreibstube“ von Martin Luther. Auch dort steht ein sehr barocker Schreibtisch mit Stuhl, an der Wand hängt das Bildnis von Luther. Was hat dies alles zu bedeuten? Was vor der Erfindung des Buchdrucks ganz normal war, das ist heute eine echte Besonderheit: eine handgeschriebene Bibel. Zum 60-jährigen Bestehen will sich die Johannesgemeinde ein ganz besonderes Geschenk machen: ein „eigenes“ – weil von Gemeindemitgliedern handgeschriebenes – Johannes-Evangeliar.

„Wir haben lange überlegt und uns auch beraten, welches besondere Geschenk wir uns selbst für unser Jubiläum machten könnten“, erklärt Henning die Vorgeschichte. Als Johannesgemeinde musste es einen engen Bezug zu „Johannes“, dem Namensgeber der Gemeinde, haben. Schließlich haben sich alle für den Verfasser des Johannes-Evangeliums entschieden. „Wir hätten uns dieses Evangelium als besonders schön aufgemachte Druckversion herstellen lassen, aber wir wollten noch eine ganz persönlich Note unserer Gemeinde mit einbinden“, so Henning.

Nun also kann jeder, der daran Interesse hat, zu den Öffnungszeiten zur Schreibstation kommen und mitschreiben. „Jeder kann hier Platz nehmen und in Ruhe einzelne Passagen aus der Bibel auf vorliegende Schreibbögen übertragen. Es können kurze oder lange Passagen ausgewählt werden, man kann als Gruppe oder alleine kommen“, schildert Henning die Vorgehensweise. Am 16. September ist dann aber Schluss.

Die Firma mt Druck wird die handgeschriebenen Seiten dann für die Gemeinde binden lassen. Außerdem wird das Ergebnis eingescannt und ein Taschenbuch daraus gemacht. Alle, die mitmachen, bekommen im Anschluss ein Exemplar.

„Durch die verschiedenen Handschriften der Gemeindemitglieder – und aller, die sich beteiligen mögen – wird nicht nur ein direkter Bezug zum Zeitraum des Jubiläums hergestellt, das finale Werk wird dadurch auch viel lebendiger“, ist Pfarrerin Henning schon jetzt begeistert.

„Wir würden uns freuen, wenn sich auch Kinder daran beteiligen. Sie könnten ein Bild malen, das wir dann zwischen die handgeschriebenen Blätter einfügen könnten“, lädt Silke Henning auch Kitas oder Klassen ein. Beim Gemeindefest am 16. September sollen dann die ersten Ergebnisse präsentiert werden.

Den Anfang machte am Sonntag Mathias Volz, der stellvertretende Vorsitzender des Kirchenvorstands. Er setzte eine erste Passage mit seiner Handschrift auf das vorbereitete Papier.

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Die Johannesgemeinde lädt des Weiteren für Sonntag, 9. September, zu einem großen Jubiläumskonzert des Kirchenchors ein. Von Anfang an, also seit 1958, gab es in der Gemeinde einen Kirchenchor. Anlässlich des Jubiläums hat dieser sich nun etwas Besonderes vorgenommen: Seit Jahresbeginn üben die etwa 50 Sänger, unterstützt vom Jugendchor sowie einigen Gastsängern, das Oratorium „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn (1732 – 1809) ein. Aufgeführt wird das fast zweistündige Werk am Sonntag um 17 Uhr im Rahmen der „Neu-Isenburger Kirchenklänge“. Neben dem Chor werden drei Solisten sowie ein Sinfonieorchester mit mehr als 30 professionellen Musikern zu hören sein. Zwar ist die Gemeinde froh, dass sich viele Unterstützer gefunden haben, die dieses Konzert überhaupt erst ermöglichen. Dennoch bleibe „eine erhebliche finanzielle Lücke“, weshalb man für das Konzert Eintritt erheben müsse. Der liegt bei zwölf (ermäßigt: acht) Euro; eine Familienkarte kostet 25 Euro. (lfp)

Karten für das Konzert sind im Vorverkauf im Gemeindebüro, Friedrichstraße 94, und im Weltladen in der Lessingstraße erhältlich. Oder – falls noch vorhanden – an der Abendkasse.

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