Bürgerinitiative gegen Fluglärm

Kampf für den Wald-Erhalt

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Ausbau-Gegner im Zeppelinheimer Wald: Rund 1000 Menschen, darunter auch viele Isenburger, machten sich ein Bild von dem Ort, an dem gerodet werden soll.

Neu-Isenburg - Es regt sich was im Wald rund um den Flughafen – denn „wieder einmal soll wertvoller Bannwald für den Flughafenausbau abgeholzt werden“, warnt die Isenburger Bürgerinitiative gegen Fluglärm und Schadstoffbelastung.

Mit dem Bau des geplanten Terminal 3 würde eine „verkehrstechnische Erschließung“ notwendig, die wie schon so oft Wald verbraucht. Daher richten sich die Bürgerinitiativen aus dem Süden des Flughafens auf Widerstand ein. So gab es ihn damals bei den Protesten gegen die Waldrodung für die Startbahn West, die am 12. April 1984 eröffnet wurde, oder auch bei den Waldbesetzungen vor fünf Jahren, um den Kelsterbacher Stadtwald vor der Rodung zu retten.

Im Treburer Oberwald, so die Gemarkung östlich der A3, werden rund sechs Hektar Wald für den Bau einer neuen Anschlussstelle „Zeppelinheim“ benötigt. „Dieses Stückchen Wald ist zwar weit weg von Trebur, doch man muss heute um jeden Baum kämpfen und zudem wird mit dem Terminal 3 auch weiterer Lärm für die Region südlich des Flughafens kommen“, betont Barbara Fuchs. Die kürzlich knapp gescheiterte Bürgermeisterkandidatin ist Mitglied des Treburer Gemeindeparlaments und kämpft an vorderster Front gegen die anstehende Waldrodung. Das Treburer Parlament hat einen Verkauf der bereits ausgewiesen Fläche abgelehnt. Jetzt droht die Enteignung.

Begehung im Zeppelinheimer Wald

Um die Bürger in der Region auf die erneute Waldrodung aufmerksam zu machen und alle Kräfte für einen Protest zu mobilisieren, hatten fünf Bürgerinitiativen für Sonntagnachmittag zur Begehung in den Zeppelinheimer Wald eingeladen – um sich vor Ort ein Bild von dem Wald zu machen, den Fraport abholzen will. Ob es nun die erneute Aktualität war, dass wiederholt Bannwald für einen weiteren Ausbau des Flughafens geopfert werden soll, oder auch das gute Wetter ein wenig zum Erfolg beitrug – die Beteiligung jedenfalls übertraf alle Erwartungen der Organisatoren. „Ich kann es kaum glauben, wenn ich sehe, wer da alles ankommt, das ist eine tolle Resonanz und auch eine Bestätigung unserer Aktivitäten“, freut sich Wilma Frühwacht-Treber von der Bürgerinitiative Mörfelden-Walldorf. Ihr Mann Dirk Treber schätzt die Zahl am Ende gar auf mehr als 1000 Teilnehmer. „Das macht uns doch allen noch mal so richtig Mut“, betont Treber.

Die neue Anschlussstelle für das Terminal 3 soll etwas weiter südlich als die heutige entstehen. Dafür sollen nach den vorliegenden Plänen 4,5 Hektar Bannwald gerodet werden, weitere 1,5 Hektar als „Verfügungsfläche“ für die Bauarbeiten. Dafür soll Fraport eine Ausgleichsfläche von zwölf Hektar bereitstellen. Alle Waldflächen gehören der Gemeinde Trebur, die wie gesagt nicht an die Fraport verkaufen will. Der Bannwaldstatus des Oberwalds wurde bereits unter Hessens damaligem Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) aufgehoben. Große Hoffnungen setzen die Ausbaugegner nun in den neuen Regierungspräsidenten, der ja ein Grüner sein wird. „Wenn das mit dem Ausbau dann noch so weiter geht, dann habe ich meinen Glauben an diese Partei verloren“, so sagt es ein Teilnehmer deutlich.

Baubeginn von Terminal 3 frühestens 2015

Doch wie kommt eigentlich Trebur zu einem Waldgebiet so weit ab von seinen Ortsgrenzen? Trebur war früher eine Kaiserpfalz und wurde mit entsprechenden Ländereien ausgestattet. Alles, was innerhalb eines Tagesmarsches lag – das waren damals rund 25 Kilometer – gehörte zum Besitz der Pfalz. Für die Gemeinde Trebur ist der Verkauf oder Nichtverkauf nicht nur für die Gemeinde selbst von Bedeutung – die Sache hat eine moralische Wirkung auf die ganze Region.

„Wir könnten mit einer Verhandlungslösung mit der Fraport sicher einen wesentlich höheren Preis erzielen, doch wir stehen zu unserem Wort – und lassen uns unter Protest eher enteignen“, betont Barbara Fuchs. Vor einer Enteignung steht die „vorzeitige Besitzeinweisung“. Diese ermächtigt bereits den künftigen Eigentümer zu allen Nutzungsrechten. So blicken alle gespannt nach Darmstadt, wo am 1. März Brigitte Lindscheid (Grüne) ihr neues Amt als Regierungspräsidentin übernimmt. Die Fraport will frühestens 2015 mit dem Bau des neuen Terminals beginnen, welches – gemäß der Koalitionsvereinbarung der schwarz-grünen Landesregierung – jedoch noch einmal auf den Prüfstand soll.

„Für mich ist die entscheidende Frage, ob die Verkehrserschließungsmaßnahmen Teil der Baugenehmigung fürs Terminal 3 sind oder ob man jetzt versucht, diese abzutrennen, um auf Umwegen doch hier früher mit den Bau beginnen zu können“, nennt Nick Timm von den Isenburger Grünen seine Bedenken. So richtet sich denn auch der Protest der Teilnehmer am Sonntag generell gegen den Bau des Terminal 3. „Die rückläufigen Passagierzahlen sind doch der beste Beleg dafür, dass dieses dann unwirtschaftliche Ding niemand braucht“, wettert Dirk Treber.

Zeppelinheim: Protest gegen Terminal 3

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Die vielen Bürger, die dem Ruf in den Zeppelinheimer Wald gefolgt sind, nutzen die Gelegenheit, sich anhand von Tafeln, Flyern, Gesprächen bei Kaffee und Kuchen zu informieren. Bei drei Waldbegehungen machen sie sich ein Bild direkt an bereits ausgewiesenen Rodungsflächen entlang der A5. Misstrauen erweckte am Sonntag bei vielen Teilnehmern vor allem der doch recht starke Holzeinschlag im unmittelbar an die mögliche Rodungsfläche grenzenden Waldstück.

Fluglärm-Urteile für Frankfurter Flughafen

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lfp

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