Bei Zoom-Konferenz der AG Alter Ort geht es um Baugrunduntersuchung, Park-Konzept und mehr

„Kein Heiliger Gral in Neu-Isenburg“

Der Marktplatz des Alten Orts von oben: Die Georadar-Untersuchung zeigt in der Mitte des Platzes, wo einst das historische Hugenottenrathaus stand, Dichteveränderungen des Bodens. Die Fachleute gehen nicht davon aus, dass dort noch Fundamentreste des Bauwerks aus dem späten 17. Jahrhundert zu finden sind.
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Der Marktplatz des Alten Orts von oben: Die Georadar-Untersuchung zeigt in der Mitte des Platzes, wo einst das historische Hugenottenrathaus stand, Dichteveränderungen des Bodens. Die Fachleute gehen nicht davon aus, dass dort noch Fundamentreste des Bauwerks aus dem späten 17. Jahrhundert zu finden sind.

Bürgermeister Herbert Hunkel fasst das digitale Treffen der Arbeitsgemeinschaften Alter Ort und Innenstadt nach 90 engagierten Minuten zusammen: „Der Alte Ort liegt uns sehr am Herzen und es ist ein ganz wichtiger Bestandteil des Stadtumbauprogramms, ihn aufzuwerten. Es heißt nicht umsonst ‘Vom Alten Ort zur Neuen Welt’. Wir haben alle Chancen der Welt, eine deutliche Verbesserung für diesen Kernbereich der Hugenottenstadt zu erreichen“, betont der Rathauschef.

Neu-Isenburg - Mit wie viel Aufwand die Stadt dieses Projekt angeht, und wie groß der Wunsch ist, möglichst alle Akteure zu Wort kommen zu lassen und in die Planungen mit ihren Ideen einzubinden, beweist die jüngste Sitzung einmal mehr. Unter der Moderation von Ulrich Eckerth-Beege von der Nassauischen Heimstätte ProjektStadt stellt zunächst der Trägerverein Hugenottenrathaus Neu-Isenburg seine Idee vor, das historische Rathaus auf dem Marktplatz wieder aufzubauen. Stephen Bürkle vom Trägerverein erinnert daran, dass Isenburg eine Stadt sei, die gut funktioniere, der es aber an einem emotionalen Mittelpunkt fehle. Dies könne der Marktplatz mit dem historischen Hugenottenrathaus werden: „Ein vorzeigbares Wohnzimmer in außergewöhnlicher Architektur, das es schafft einen sanften Kulturtourismus in der Stadt zu installieren“, wünscht sich Bürkle, außerdem eine Beschränkung des Autoverkehrs, eine grüne Altstadt mit Außenmobiliar für mehr Aufenthaltsqualität.

Brigitte Holz, die mit ihrem Büro von der Stadt Neu-Isenburg beauftragt wurde, ein Gestaltungshandbuch für den Alten Ort und die Innenstadt zu entwickeln, hebt die Wichtigkeit hervor, den Blick auf die Wahrnehmbarkeit historischer Wurzeln in Neu-Isenburg zu richten.

Für die Innenstadt stehe die Aufenthaltsqualität im Fokus, eine Begrünung, und Gastronome, Einzelhandel und die Akteure mit ins Boot zu holen und die Konkurrenzfähigkeit zu stärken und damit gleichzeitig an Qualität und Image der Innenstadt zu arbeiten. „Es ist ein ambitioniertes Ziel, aber wir wollen alle motivieren, an einem Strang zu ziehen“, sagt Brigitte Holz.

Bei der Gestaltungssatzung für den Alten Ort werde die Stadt die Ebene der Empfehlung verlassen und sehr klare Vorgaben für die barocke Planstadt aus dem Ende des 17. Jahrhunderts machen. Gemeinsam mit der Verwaltung und den Akteuren werden ganz konkrete Festlegungen zu Baukörpern, Bauweisen, zu Fassaden, Fenstern und Türen zu zusätzlichen Baukörpern, aber auch Oberflächen, Werbeanlagen, Nebengebäuden, Garagen und Einfriedungen getroffen, die an die Hessische Bauordnung angeglichen werden müsse. „Die Entwurfsplanung für die neue Gestaltungssatzung Alter Ort liegt inzwischen schon vor und wir werden uns am Mittwoch mit den lokalen Anwohnern und Gastronomen treffen und besprechen“, verspricht Brigitte Holz, dass diese Satzung gut zu lesen und bebildert sein wird. Der Entwurf für die Innenstadt ist noch nicht ganz so weit, aber die Stadtplanerin hofft, dass bis Ende des Jahres beide Gestaltungssatzungen mit der Verwaltung und allen involvierten Menschen abgestimmt sind.

Der nächste Fachmann in der Expertenrunde ist Maik Reininger-Behrenroth. Er wirft einen spannenden Blick unter die Pflastersteine des alten Marktplatzes. Der Ingenieur mit Schwerpunkt Geotechnik aus Darmstadt hat sich mit der Baugrunderkundung auseinandergesetzt, die bei einer Neugestaltung des Platzes von erheblicher Bedeutung wird – damit, wie er sagt, „auf dem neu gestalteten Platz keine Wellen und Dellen“ entstehen.

Sein Büro hat dabei untersucht, ob möglicherweise noch Fundamentreste des alten Hugenottenrathauses unter der Oberfläche liegen. Die Fachleute konnten mit einem Georadar bis zu drei Meter Tiefe sichtbar machen – historische Reste sind vermutlich nicht mehr da. „Indiana Jones wäre enttäuscht: kein Heiliger Gral in Neu-Isenburg. Aber wir werden uns noch mit der Landesarchäologie abstimmen, und mit einem Georadar mit größerer Auflösung erneut darauf schauen“, kündigt Reininger-Behrenroth an.

Für die Beschaffenheit des Bodens hat er nicht ganz so gute Neuigkeiten: Vermutlich muss es bei einer Neugestaltung einen Austausch geben, weil der Boden unter der Pflasterung sehr heterogen ist und es keinen flächendeckenden Schotterbelag gibt, der für Stabilität sorgt.

Das Büro Habermehl und Follmann ist mit dem Parkraumkonzept für den Stadtumbau beauftragt. Wegen der Einschränkungen der Pandemie gab es bislang noch keine persönlichen Befragungen in den Altstadtgassen. Aber mit Hilfe von Luftbildern haben die Fachleute rund 280 bis 290 private Parkplätze und rund 120 Parkplätze im öffentlichen Raum gezählt. Insgesamt geht das Büro also von rund 405 vorhandenen Parkplätzen aus. In Neu-Isenburg kommen 620 PKWs auf 100 Einwohner, für den Alten Ort bedeute es, dass 407 Parkplätze benötigt werden – noch ohne den Parkanspruch von Kunden oder Besuchern. Es gebe Unsicherheiten, wie beispielsweise, ob der PKW-Besitz im Alten Ort so hoch ist wie in der Gesamtstadt und wie hoch die Parkraumnachfrage von Kunden ist. Das Büro ist aber optimistisch, dass bei einer Umgestaltung die rund 20 wegfallenden Parkplätze nicht zu schwer ins Gewicht fallen werden.

Der letzte Punkt der digitalen Sitzung ist das Anreizprogramm für die Hauseigentümer. Schon ab dem Herbst sollen die Isenburger profitieren und bis zu 19 999 Euro (maximal 20 Prozent) für die Sanierung von Fassaden oder Begrünungen beantragen können.

Von Nicole Jost

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