Umzug mit vielen Hürden

Kinderzirkus Wannabe: Verein aus Neu-Isenburg erlebt Welle der Hilfsbereitschaft

Hammerspende: Bei der symbolischen Scheckübergabe freuen sich (von links) Inga Mielmann-Seipel, Simon und Kathrin Gröpler (Keksbäcker), Elfi Elliot, Thilo Seipel und Birgit Schickedanz-Müller (Keksbäckerin).
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Hammerspende: Bei der symbolischen Scheckübergabe freuen sich (von links) Inga Mielmann-Seipel, Simon und Kathrin Gröpler (Keksbäcker), Elfi Elliot, Thilo Seipel und Birgit Schickedanz-Müller (Keksbäckerin).

Der dringend nötige Umzug des Kinder- und Jugendzirkus Wannabe läuft nach wie vor schleppend. Doch nun gab es finanzielle Hilfe durch eine Benefizaktion.

Neu-Isenburg – In der Hasenbehausung tummeln sich noch kleine Hoppler, in den Schweinesuhlen grunzt es, und die Pferde, Lamas und Ziegen nutzen das riesige Gelände für Sprints und Sprünge. Darüber hinaus aber ist das Areal an der Rinderwiese, das über viele Jahre Menschen, Tiere und Ausstattung des Kinder- und Jugendzirkus Wannabe beherbergte, recht leer geworden. So fehlt das große Zirkuszelt des Vereins, das gut eingepackt einer ungeklärten Zukunft harrt, für vier Zirkuswagen wird noch immer ein Lagerplatz gesucht.

Auch wenn es langsam geht, so sind die Wannabes doch Stück für Stück im Umzug begriffen. Nach einem langen Übergang winkt ein Neuanfang auf einem gesicherten Vereinsgelände an der Offenbacher Straße in der Nähe des FKK-Vereins Orplid. Auf dem jetzt noch vorhandenen Idyll an der Rinderwiese soll schon bald die Mobilitätsstation für die Regionaltangente West entstehen.

Indes stößt das Unternehmen Zirkus-Umzug trotz aller Planungen immer wieder an seine Grenzen. Eine erste große Hürde musste der Verein im Herbst 2017 nehmen, als nach Auflagen der Behörden das neue Gelände wieder geräumt und auf Bomben untersucht werden musste. „Dazu kommt, dass das Areal, auf das wir ziehen, viel kleiner ist, sodass wir schon vor Jahren begonnen haben, Equipment und leider auch Tiere abzugeben“, berichtet Elfi Elliot, die gemeinsam mit ihrem Mann Bodhi dem Zirkusverein vorsteht. Geld sei dabei kaum zusammengekommen, aber sie könne wenigstens sagen, dass es die Tiere gut getroffen hätten.

„Am schwierigsten ist aber immer die finanziell so enge Situation“, stellt die Zirkus-Chefin fest. Auch ohne Umzugskosten braucht der Verein etwa 600 Euro im Monat für Futter, derzeit schränkt das coronabedingt reduzierte Leben die Möglichkeiten erheblich ein. Hat doch auch Wannabe, wie viele andere Vereine, zahlreiche Austritte zu verzeichnen. „Durch Kurzarbeit oder sogar Arbeitslosigkeit haben die Menschen weniger Geld. Da ist eine Mitgliedschaft schnell mal gekündigt“, weiß Elliot.

Trotzdem sind in der künftigen Heimat bereits ein Pferdestall und ein Mistcontainer angelegt, ein Lagerplatz ist errichtet, ein Pferdegehege, ein Zaun und ein Löschtank. Einige Wagen sind schon an die Offenbacher Straße transportiert worden. Noch immer aber fehlen weitere Stallungen, Einzäunungen, Bodenplatten, ein Müll- und ein Longierplatz. Auch Strom muss noch her.

„Wir haben mittlerweile mehr als 100 000 Euro verbaut, aber immer, wenn wir das Gefühl haben, es geht nicht mehr weiter, erleben wir eine Welle von Hilfsbereitschaft“, erzählt Elliot. Unterstützung kommt nicht nur von Stadtverwaltung und Unternehmen, sondern auch von zahllosen Privatleuten und nicht zuletzt von den katholischen Kirchengemeinden im Rahmen der 72-Stunden-Aktion. Das neueste Projekt, das ordentlich Geld in die Kasse spült, geht auf eine Initiative des Bürgermeisterkandidaten Thilo Seipel und seiner Frau Inga Mielmann-Seipel zurück. Übersättigt von der üblichen Schokoladenflut zu Ostern hatte das Ehepaar dazu aufgerufen, süße Hasen und Eier zu schmelzen und in Kekse umzuwandeln.

„Es war eine völlig spontane Idee, aber schon am ersten Abend war die Sammelkiste voll“, so Seipel. Allein die Verkaufsaktionen der Kekstüten erbrachten eine Summe von mehr als 2 000 Euro. „Aber dabei ist es lange nicht geblieben“, freut sich der FDP-Mann. Dank äußerst großzügiger Spenden konnte das Schmelz- und Backteam mehr als 23 400 Euro an den Kinderzirkus überweisen. „Wannabe ist ein wesentlicher Teil der Stadt und hat jede Unterstützung verdient“, sagt Seipel, der schon an weiteren Ideen brütet für Vereine, die unter Corona besonders leiden.

Dermaßen motiviert arbeitet das Zirkusteam intensiv nicht nur weiter am Umzug, der bis zum Jahresende abgeschlossen sein muss, sondern auch an einer Zeit nach Corona. „Wenn wir auch immer noch hauptsächlich im Freien und kontaktlos trainieren, so haben wir doch teilweise wieder einen guten Rhythmus für unsere jungen Mitglieder“, sagt Elfi Elliot. Auch das beliebte Sommerferiencamp für das kommende Jahr sei in Planung – mit einem ganz neuen Konzept. (Barbara Scholze)

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