AfD wird aus dem Stand drittstärkste Kraft

Schockierender Rechtsruck in Neu-Isenburg

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Kollektives Entsetzen mit Blick auf das Abschneiden der AfD: Konsterniert beobachten Vertreter aller etablierten Parteien und Bürger gestern Abend im Rathaus die einlaufenden Ergebnisse. - Foto: Postl

Neu-Isenburg - Fassungslosigkeit dominiert die Stimmung am Wahlabend im Rathaus: Nicht nur, weil bis auf die FDP alle bisher im Stadtparlament vertretenen Parteien Stimmen eingebüßt haben. Von Barbara Hoven

Sondern vor allem mit Blick auf das Abschneiden der AfD: Die holt laut Trendergebnis aus dem Stand 16,9 Prozent. Nun setzen die etablierten Parteien ihre Hoffnung in die heutige Auszählung der kumulierten und panaschierten Stimmen.

Die Floskel von den „langen Gesichtern“ reicht nicht aus, um zu beschreiben, was da gestern Abend im Stadtverordnetensitzungssaal zu beobachten ist. Entsetzen trifft es schon eher, was die Gesichter von Vertretern fast aller Parteien – die AfD ausgenommen – zeichnet, als ab 18.42 Uhr die ersten Trend-Tabellen einlaufen. Die ersten Werte kommen aus einem der Gravenbrucher Wahllokale; hinter dem AfD-Balken ploppt die Zahl 20,71 Prozent auf, die SPD hingegen landet dort bei mageren 10,71 Prozent. „Oh.“ Viel mehr ist da im Saal nicht zu hören. Und dann immer öfter der am diesem Abend wohl meist-verwendete Satz: „Damit hätte ich nicht gerechnet.“ Als gegen 20 Uhr das Trendergebnis aus allen 35 Wahlbezirken vorliegt, sieht die Sache so aus: Die CDU hat zwar deutlich Stimmen verloren, bleibt aber stärkste Kraft. Nach dem Trend liegt sie bei 35,8 Prozent (Ergebnis 2011: 44,1 Prozent). Ihr folgt die SPD mit 20,2 Prozent (2011: 24,5). Drittstärkste Kraft nach Auszählung der Listenkreuze ist die AfD – die rechtspopulistische Partei kommt trotz der Tatsache, dass die sie nur ein äußerst knappes Wahlprogramm für Isenburg vorgelegt hatte, auf 16,9 Prozent. Die Grünen erreichen magere 11,1 Prozent (2011: 20,2), die FWG landet mit 3,4 Prozent nach derzeitigem Stand auf dem hintersten Platz. Aufwind verspüren gestern lediglich die FDP, die auf 7,2 Prozent kommt (2011: 3,6), und die Linken, die den erneuten Sprung ins Parlament (5,4 Prozent) schaffen. Die bisher regierende knappe bürgerliche Mehrheit aus CDU, FDP und FWG dürfte mit diesem Ergebnis Geschichte sein. Eine Kooperation mit der AfD gilt als unwahrscheinlich. Bleibt die AfD außen vor, stehen die Zeichen nun am ehesten auf eine große Koalition.

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Gestern gilt bei den Etablierten erstmal: Prinzip Hoffnung. Man versucht, sich angesichts der AfD-Ergebnisse überfraktionell Mut zu machen: 40 Prozent der Wähler hätten kumuliert und panaschiert, „da sind noch Verschiebungen zwischen zwei und fünf Prozent drin“, heißt es immer wieder. Und ein Trend- sei ja kein Endergebnis. Viele erwarten, dass sich das Ergebnis „noch relativieren“ werde, wie es SPD-Mann Christian Beck formuliert.

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