„Konsens nur durch Dialog“

Neu-Isenburg - (lfp) Die FDP hatte ihren jüngsten Stammtisch mit der provokanten Frage überschrieben, ob heutzutage Ausländerbeiräte noch nötig seien. Referent war Corrado Di Benedetto, Vorsitzender des Kreisausländerbeirates und zudem Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaften für Ausländerbeiräte in Hessen.

„Gut Ding braucht Weile“, meinte der Referent und verwies auf die späte Erkenntnis des unumkehrbaren Zuwanderungsprozesses in Deutschland und die zu bewältigenden Aufgaben als Einwanderungsland. Der Integrationsprozess hätte bereits mit der Unterzeichnung des Anwerbungsvertrages für italienische Gastarbeiter im Jahre 1955 beginnen müssen.

„Integration kann in einer pluralistischen Gesellschaft nicht einseitig durch Anpassung an vorgefundene Regeln verstanden werden“, betonte Di Benedetto. Zukünftig sollten weniger die Defizite der Zuwanderer als vielmehr die Chancen zur Nutzung ihrer Fähigkeiten hervorgehoben werden. Für ihn sei es schon „bedenklich“, dass ausländische Ingenieure angelockt werden müssen.

Fakt sei aber auch, dass in Hessen bereits rund 50 Prozent der Kinder unter sieben Jahren einen Migrationshintergrund hätten. „Integration kann nur gelingen, wenn im Dialog ein Konsens eines für alle Seiten zufrieden stellendes Zusammenlebens gefunden wird“, betonte Di Benedetto. Er forderte, die Arbeit der Ausländerbeiräte bald auf eine „parlamentarische Ebene“ zu heben. Allen, die hier ihren Lebensmittelpunkt hätten, sollte man das Wahlrecht zugestehen. Di Benedetto verwies zudem auf die enorme volkswirtschaftliche Leistung der ausländischen Arbeitnehmer: „Ich wünsche mir eine verbindlichere Mitarbeit in Kommunen und anderen Verwaltungsstrukturen.“

In der Diskussion wurde vor allem das mangelnde Engagement der Ausländerbeiräte auf kommunaler Ebene kritisiert. „Selbst die Wahlbeteiligung lag nur bei rund 15 Prozent“ stellte Edith Reitz fest. Dies begründete Di Benedetto mit den geringen Mitspracherechten. Insgesamt wurde von den Fragestellern das mangelnde Interesse am Erlernen der Sprache und die Vernachlässigung der Kinder durch Eltern kritisiert.

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