Dialog mit Muslimen

Korane in der Stadt verteilt

Neu-Isenburg - In den vergangenen Wochen haben junge Männer in Neu-Isenburg Exemplare des Korans und Flyer verteilt. Ende der Woche trifft sich Bürgermeister Herbert Hunkel mit Teilnehmern an der Verteilaktion.

„Die Aktionen verliefen ohne Zwischenfälle und bei der Polizeikontrolle verhielten sich die befragten Personen kooperativ und freundlich“, sagt Erster Polizeihauptkommissar Volkmar Meyer, Leiter der Polizeistation. In den vergangenen Tagen sind einzelne Gespräche mit den muslimischen Gemeinden geführt worden. Deren Vertreter hätten sich entschlossen von der salafistischen Ideologie distanziert und ihre Bereitschaft, aktiv dagegen zu wirken, geäußert. Dank ihrer Kooperation sei es möglich gewesen, für Ende der Woche ein Treffen mit zwei der an der Verteilaktion beteiligten Jugendlichen und ihren Familien zu organisieren. Daran wird auch Bürgermeister Herbert Hunkel teilnehmen: „Ich werde auf die lange Tradition der praktizierten Toleranz hinweisen. Diese garantiert, dass sich niemand durch Handeln Dritter beeinträchtigt fühlt. “ Darüber hinaus wird Infomaterial in Moscheen, Schulen und Jugendeinrichtungen verteilt. Das Thema Salafismus wird im Juni Thema des nächsten Religionsforums sein.

Keine Einwände seitens der Politik

Die SPD nimmt die Verteilaktion zum Anlass, auf die Gefahren durch den Salafismus hinzuweisen. „In Neu-Isenburg gibt es keinen Platz für radikale Umtriebe“, betont SPD-Vorsitzender Markus Munari. „Dabei wissen wir die überwiegende Mehrheit der Muslime mit uns.“ Gegen die Verteilung des Korans sei nichts einzuwenden, „wohl aber gegen die Leute, die ihn für ihre politischen Zwecke missbrauchen“. Vor rund einem Jahr hatten radikale Salafisten für Aufsehen gesorgt, weil sie in Fußgängerzonen zahlreicher Städte das islamische Gebetsbuch verschenkten.

Gene Hagelstein, Mitglied des Ortsvereins und Bundestagskandidat der SPD, will bezüglich der Bekämpfung dieser Gruppierung das Gespräch mit allen gesellschaftlichen Akteuren suchen.

Mit ihrer Opferrhetorik treffen die Salafisten nach Meinung der SPD oft auf ein Grundgefühl bei Jugendlichen, die sich unerwünscht und diskriminiert fühlen. Da möchte Corrado Di Benedetto, Landtagskandidat des Wahlkreises 44 ansetzen. „Einerseits müssen wir unmissverständlich klar machen, dass wir uns mit allen demokratischen Mitteln zur Wehr zu setzen wissen.“ Andererseits empfiehlt er, über diese Gruppen aufzuklären und insbesondere die Jugendarbeit zu stärken. Di Benedetto: „Dazu gehört neben der Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz auch eine Willkommens- und Anerkennungskultur, die den Jugendlichen das Gefühl vermittelt, dass sie wirklich Kinder dieser Gesellschaft sind.“ hok

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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