Autobahnlärm auf dem Prüfstand

Krach an der A3: Bewohner genervt - Lärmschutzwand hilft nicht jedem

Das Haus in der Stieglitzstraße 21 ist besonders vom Krach der in der Nähe gelegenen A3 betroffen. Für Wohnungen in den oberen Stockwerken wird nun der Lärm berechnet. Fotos: postl
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Das Haus in der Stieglitzstraße 21 ist besonders vom Krach der in der Nähe gelegenen A3 betroffen. Für Wohnungen in den oberen Stockwerken wird nun der Lärm berechnet.

Die Stadt ist schon länger an dem Thema dran. Nun ergibt sich eine neue Möglichkeit, in Sachen Autobahnlärm in Gravenbruch aktiv zu werden.

Neu-Isenburg – In der vergangenen Woche gab es dazu eine Begehung von Wohnungen in der Gravenbrucher Stieglitzstraße durch Hessen Mobil, um die Belastung für die Bewohner zu untersuchen. Mit dabei war der von der Stadt beauftragte Rechtsanwalt Thomas Mehler, der bei der Pressekonferenz des Magistrats über die Erfolgsaussichten berichtete.

Verkehr auf der A3 verursacht Verlärmung im Norden von Gravenbruch

Seit geraumer Zeit bemüht sich die Stadt um eine Verbesserung der durch den zunehmenden Verkehr auf der A3 verursachten Verlärmung im Norden von Gravenbruch. Denn dabei handelt es sich um eine der am stärksten frequentierten Autobahnen im gesamten Bundesgebiet mit bis zu 100 000 Autos täglich. Gerade bei den Gebäuden der Stieglitzstraße in unmittelbarer Nähe der A3 werden die vorgeschriebenen Grenzwerte nach Ansicht der Neu-Isenburger deutlich überschritten, weil der passive Lärmschutz dort nicht mehr ausreichend zu sein scheint.

Mit dem Anliegen zur Überprüfung der Lärmsituation und unter dem Eindruck geplanter Baumaßnahmen an der A3 hatte sich die Stadt mehrfach an das zuständige Wirtschaftsministerium in Wiesbadens gewandt – bislang ohne Erfolg. Das Ministerium hat schließlich angeboten, dass die betroffenen Wohnungen zusammen mit Hessen Mobil stichprobenartig überprüft werden können.

Veränderungen beim Lärmschutz gibt es bislang nur, wenn neu gebaut wird – oder wenn die Belastungen zu hoch werden, erklärt Thomas Mehler. Ansatz für eine Neubewertung der Situation war nun der Bau einer Brücke im Bereich eines Zubringers zum Offenbacher Kreuz.

An dem Termin in der Stieglitzstraße 21 mit ihren zehn Stockwerken nahmen neben Mehler Mitarbeiter von Hessen Mobil sowie der städtische Biologe und Fluglärmbeauftragte Dr. Markus Bucher teil. Im Vorfeld hatte man die Bewohner des Hauses um Mithilfe gebeten, da für die Lärmberechnungen eine Begehung der Wohnungen notwendig war. Viele haben sich freiwillig gemeldet. So konnten drei Wohnungen in den oberen Stockwerken des Hauses in Augenschein genommen werden.

Autolärm auf A3: Lärmschutzwand schützt nur die Wohnungen unterer Stockwerke

Diese sind besonders vom Krach der Autobahn betroffen, da die vorhandene Lärmschutzwand nur die Wohnungen unterer Stockwerke schützt. Mehler geht von Belastungen von mehr als 70 Dezibel am Tag und 60 in der Nacht aus, was als gesundheitsgefährdend gilt. Mit der Untersuchung soll nun festgestellt werden, wie es mit der Verlärmung in den Räumen aussieht.

Dabei kamen keine Mikros zum Einsatz, erklärt der Rechtsanwalt. Denn die ermittelte Belastung wäre nicht repräsentativ, weil beispielsweise in Zeiten von Corona weniger Autos in dem Bereich unterwegs sind.

Der Rechtsanwalt Thomas Mehler vertritt die Stadt in Sachen Lärmschutz für Gravenbruch.

Die Mitarbeiter von Hessen Mobil setzten vielmehr auf die zu einer Berechnung des Lärms notwendigen Parameter wie beispielsweise Wandstärke, Baumaterialien, Fensterstärke oder Raumvolumen. Hessen Mobil wird jetzt als nächsten Schritt anhand der Protokolle die Berechnungen vornehmen und die Stadt in den nächsten Wochen dann über die Ergebnisse informieren.

Mehler geht davon aus, dass ein passiver Schallschutz für die Stieglitzstraße im Vordergrund steht. Bei aktiven Maßnahmen wie beispielsweise einem Tempolimit auf der Autobahn sehe es schlechter aus. Denn da verhalte sich Hessen Mobil erfahrungsgemäß ablehnend. Für den Rechtsanwalt ist das nicht nachvollziehbar: „Ein Tempolimit ist kostengünstiger zu haben als die Sanierung von Wohnungen.“ Denn eine solche gehe richtig ins Geld.

Bürgermeister Herbert Hunkel versprach bei der Magistratspressekonferenz, auch weiter an der Sache Lärmschutz dranzubleiben. (VON HOLGER KLEMM)

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