Den großen Bürokratien ausgeliefert

Inhaberin des „Kuchenseppel“ gewinnt 50.000-Euro-Preis

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Grund zur Freude: Claudia Domnik gestern bei einer Pressekonferenz in Berlin.

Berlin/Neu-Isenburg - Die Reise nach Berlin hat sich für die Isenburgerin gelohnt: Claudia Domnik ist gestern von einer in der Hauptstadt ansässigen Stiftung mit dem mit 50.000 Euro dotierten „Werner-Bonhoff-Preis-wider-den-Paragrafendschungel“ ausgezeichnet worden.

Die 46-Jährige war als eine von fünf Bewerbern für den Preis nominiert. Denn lange musste Claudia Domnik kämpfen, bis sich ihr Traum von der Selbständigkeit erfüllen ließ – doch schließlich gelang der früheren Verwaltungsangestellten die Existenzgründung aus der Arbeitsunfähigkeit. Seit zwei Jahren verkauft sie nun Kuchen auf Wochenmärkten in der Region. Erst im Oktober 2013 hatte die Inhaberin des „Kuchenseppel“ mit ihrer Geschäftsidee den Sprung ins Halbfinale des Wettbewerbs um den hessischen Gründerpreis geschafft. Nun durfte sie erneut auf einen Preis hoffen – und seit gestern ist klar: Das Hoffen hat sich gelohnt.

Die Stiftung vergibt nach eigenen Angaben in ihrem Projekt „bureaucratic transparency“ seit 2006 jährlich den üppig dotierten Preis. Ausgezeichnet werden „unternehmerische Menschen, die Bürokratismus nicht einfach hinnehmen und damit Verbesserungen von unten nach oben anregen“.

In einer Pressemitteilung heißt es gestern als Begründung für die Wahl der Preisträgerin, Claudia Domnik zeige mit ihrem Fall, „dass schablonenhaftes Verwaltungshandeln nicht einfach hingenommen werden muss. Viele hätten in ihrer Situation aufgegeben und sich der Frühverrentung ergeben.“ Stiftungsvorstand Till Bartelt: „Frau Domnik ist eine beeindruckende Gründerin. Das Problem, sich großen Bürokratien ausgeliefert zu fühlen, kennen Millionen von Menschen. Noch viel zu selten führt deren Protest zu einer besseren Problemlösungsorientierung dieser Giganten. Dabei sind dies klassische Führungsaufgaben, an welche die Jury die Bundesagentur für Arbeit und die Führungsebenen aller anderen Großbürokratien hiermit erinnert.“ Wie berichtet, war die Isenburgerin nach einer bösartigen Tumorerkrankung zunächst in die Arbeitsunfähigkeit geraten. Als es ihr besser ging und sie Pläne für eine Existenzgründung hatte, habe sich die Agentur für Arbeit quer gestellt, so die Stiftung. Erst mit Hilfe der Medien sei die Wende gelungen.

hov

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