Zu Fuß durch Zeit & Raum

Kunst vor Ort: Werkschau der Preisträger

Schüler-Fußabdrücke im Quadrat und stimmige Kunst vor Ort erfreuen alle Beteiligten, von links (kniend): Dr. Bettina Stuckard, das Künstler-Ehepaar Wolfgang und Andrea Auer, dahinter stehend Kulturdezernent Theo Wershoven, Regina Barth und Birgit Ingenfeld (Brüder-Grimm-Schule), Landrat Oliver Quilling, Marco Thoms sowie Walter Metzger von der Sparkasse Langen-Seligenstadt.   J Foto: Postl
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Schüler-Fußabdrücke im Quadrat und stimmige Kunst vor Ort erfreuen alle Beteiligten, von links (kniend): Dr. Bettina Stuckard, das Künstler-Ehepaar Wolfgang und Andrea Auer, dahinter stehend Kulturdezernent Theo Wershoven, Regina Barth und Birgit Ingenfeld (Brüder-Grimm-Schule), Landrat Oliver Quilling, Marco Thoms sowie Walter Metzger von der Sparkasse Langen-Seligenstadt.

Neu-Isenburg - Das Künstlerpaar Wolfgang und Andrea Auer hat den Wettbewerb Kunst vor Ort, ausgeschrieben von der Sparkasse Langen-Seligenstadt und dem Kreis Offenbach, gewonnen. Aufgabe war es, ein Kunstwerk zum Thema „Die Hugenotten und Neu-Isenburg“ zu schaffen.

Als Einstimmung auf die für den 24. März geplante Einweihung des „Zeit-Raum-Fensters“ vor der Hugenottenhalle ist in der Stadtgalerie nun eine Werkschau der Künstler zu sehen. Titel: „Throw in Another World“. Fußabdrücke – als Symbol jener Fußstapfen, welche die damaligen Glaubensflüchtlinge bis heute in der Hugenottenstadt hinterlassen haben – spielen in dem Kunstwerk eine große Rolle. Andrea und Wolfgang Auer fanden die benötigten Fußabdrücke (wie berichtet) bei Schülern der Klasse 6cF der Brüder-Grimm-Schule. Das Werk für das Projekt „Kunst vor Ort“, ein Porträt des Stadtgründers Graf Johann Philipp, wird nämlich aus vielen kleinen Fußabdrücken zusammengesetzt sein und aus mehreren langen, besonders stabilen Glasscheiben bestehend vor der Stadtbibliothek seinen Platz finden.

Welche Kunstwerke Andrea Auer als Malerin und Wolfgang Auer als Holzbildhauer, Maler und Zeichner normalerweise erschaffen, das zeigen sie nun in der Stadtgalerie im Alten Stadthaus. Zu sehen sind Skulpturen, Zeichnungen und Malerei.

Beide Künstler arbeiten seit 1995 freischaffend in einer Ateliergemeinschaft zusammen. Wer das Kunstschaffen von Wolfgang Auer verfolgt, der wird von der Farbe Schwarz „gefangen genommen“. Dass ein Stier mit gesenktem Kopf – in Angriffsposition dargestellt – in schwarz lackiertem Holz dasteht, scheint durchaus normal. Doch dass der Künstler die tiefen Risse im Holz auch künstlerisch nutzt, um der Kraft des Tieres gerecht zu werden, ist typisch für Wolfgang Auer. Auch die Skulptur eines kraftstrotzenden „Köters“, der seinem Halter alle Kraft abverlangt, um ihn zu bändigen – diesmal in Bronze gegossen (Foto links) – ist nahezu in Schwarz gehalten. „Aus der Farbe schwarz ziehe ich so viel Energie wie aus keiner anderen“, betont Wolfgang Auer. So dominiert sie seine Gemälde und Zeichnungen. Es sind nur wenige, dafür umso kräftigere Pinselschwünge, mit denen er die fast schon expressiven Darstellungen vom Ritt auf einem Stier oder einem Stierkampf erahnen lässt. Und ein „Stadtwolf“ wäre nicht solch ein mit vielen Mythen behaftetes Tier, wäre es nicht in Schwarz porträtiert. „Schwarze Löcher sind in der Wissenschaft bekanntlich die energiereichsten Erscheinungen des Universums“, findet Wolfgang Auer eine weitere Erklärung für seine Energiequelle.

Andrea Auer beschränkt sich indes auf die besondere Kunst der Malerei. Sie zeigt Spiegelungen von nicht immer harmonischen Zuständen. „Ich lebe aus der Fantasie, die für mich jedoch auch ein Stück der Realität ist“, beschreibt die Künstlerin die Intention ihres Schaffens. Arbeiten mit Titeln wie „Es gibt nichts mehr zu reden“, „Zeitwäscher“ oder „Ein Steinwurf entfernt“ lassen den Betrachter in eine künstlerische Welt eintauchen. „Man muss ja nicht alles gleich verstehen – oder auch überhaupt nicht. Ich will Denkanstöße geben“, betont Andrea Auer.

Bei der Vernissage verweist Landrat Oliver Quilling noch einmal auf den historischen Hintergrund des Siegerprojekts und dessen Parallelen: „Wer sich mit der Vergangenheit Neu-Isenburgs beschäftigt, bekommt einen spannenden Einblick in die Zeit des Barock, aber auch in die Zeit der Hugenottenvertreibung. Er erfährt etwas über die Aufnahme der Flüchtlinge und die daraus resultierende wirtschaftliche als auch soziale Entwicklung einer funktionierenden Gesellschaft – so wie wir sie heute haben.“ Die Kunst widme sich der Geschichte mit eigenen Interpretationsmöglichkeiten und Annäherungen. „Kunst vor Ort heißt nicht, einfach nur ein Kunstwerk hinzustellen. Kunst vor Ort heißt auch, den Schaffensprozess verfolgen zu können und ein Angebot des Miterschaffens zu erhalten – genau dies haben Andrea und Wolfgang Auer in ihre Konzeption mit einbezogen“, lobt Quilling das Künstler-Paar.

Die Gips-Fußabdrücke der Grimm-Schüler sind in der Ausstellung als Quadrat ausgelegt – ein Hinweis auf den quadratischen Ursprung der Siedlung Neu-Isenburg.

Die Schau „Throw in Another World“ in der Stadtgalerie (Schulgasse 1, über dem Bürgeramt) ist bis Juni 2019 montags bis freitags von 7 bis 18 Uhr sowie samstags von 9 bis 12 Uhr zu sehen. (lfp)

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