Kunstaktion in Buchenbuschkirche

Die steinigen Wege der Flucht

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Kunstwerke, die zum Nachdenken anregen, haben die Konfirmanden in der Buchenbuschkirche vorgestellt, rechts Pfarrerin Susanne Lenz.

Neu-Isenburg - Mit einem besonderen Projekt wollen die Konfirmanden der Buchenbuschgemeinde die Isenburger für die Schicksale von Flüchtlingen sensibilisieren.

Die Jugendlichen haben sich während einer Freizeit im Odenwald mit konkreten Fällen beschäftigt und nun sechs Biographien von Flüchtlingen vorgestellt – in selbst geführten Interviews, mit Texten, Gebeten und vor allem anhand von eindrücklichen Kunstwerken. Wie geht es weiter mit der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes an der Rathenaustraße? Wie gelingt es, dauerhaft in Isenburg lebende Flüchtlinge – nicht nur in den Arbeitsmarkt – zu integrieren? Die Flüchtlingsthematik ist nach wie vor sehr präsent in der Stadt; und wird es noch eine ganze Weile bleiben.

Von einer ganz anderen Seite haben sich ihr nun die Konfirmanden der Buchenbuschgemeinde genähert und sich mit Flüchtlingsschicksalen befasst. Die Ergebnisse haben sie unter der Überschrift „Ich war fremd und ihr habt mich (nicht) aufgenommen“ vorgestellt. „Der Titel des Gottesdienstes ist ein biblisches Zitat, das pointiert und deutlich ausdrückt, dass die Aufnahme von Fremden und Flüchtlingen zu den Grundlagen christlicher Existenz gehört“, betont Pfarrerin Susanne Lenz.

So entstanden Bilder über Bootsflüchtlinge, eine junge Frau, die zwei fremde Kinder auf einem versinkenden Boot übernehmen und retten konnte, einen Asylbewerber in Deutschland vor Gericht oder einen syrischen Jungen, der vor brutaler Gewalt in seinem Heimatland unter einer Lkw-Plane fliehen musste. Ängste und Hoffnungen der Flüchtlinge fassten die Jugendlichen in ihrer eigenen Sprache zusammen. Die Flüchtlingsschicksale erzählten von Menschen aus unterschiedlichen Länden wie Afghanistan oder Syrien; betroffen, bewegt und tief beeindruckt verließen die vielen Besucher die Kirche.

Zusammen mit den Konfirmanden Leena Christoph, Philipp Ramantzas, Keran Zola, Isabel Krapf, Leonie Bernhardi und Robin Ottermann-Eakin hatte die Pfarrerin sich über „Pro Asyl“ auf die Suche nach Flüchtlingsschicksalen gemacht. „Da brauchen wir nicht lange suchen, sondern wir wollten nur möglichst viele unterschiedliche aufzeigen“, erklärt Lenz.

So widmete sich Leena Christoph einem Flüchtling aus Sri Lanka, Philipp Ramantzas schlüpfte in die Rolle von Nazil, der aus dem Iran geflohen ist, Keran Zola widmete sich dem Schicksal von Steven Vo. „Meine Eltern kamen als Bootsflüchtlinge über das Südchinesische Meer zunächst nach Thailand, dann sind wir schließlich in Deutschland angekommen“, trug sie vor. Der Junge war ein Fußballtalent und hatte mit 16 Jahren bereits Angebote von sechs Bundesligavereinen. Zu den einzelnen Biographien haben die Jugendlichen Triptychen (dreiteilige Bildtafeln) gebaut und gestaltet, in die Zeitungsausschnitte, Bilder und Bibelverse integriert wurden.

Isabel Krapf berichtet von Doaa, die wegen des Bürgerkrieges mit ihren Eltern zunächst nach Ägypten geflüchtet war und mit einem völlig überfüllten Boot übers Mittelmeer gen europäische Küste gebracht wurde. „Ich musste mit ansehen, wie ein Kind von einer Schiffsschraube zerfetzt wurde“, schildert sie.

Von Milad aus Afghanistan hat Robin Ottermann-Eakin erfahren, wie die Taliban dessen Vater ermordeten. Die Familie flüchtete, der Weg nach Deutschland war steinig. „Ich mache derzeit eine Ausbildung zum Erzieher, denn ich will Kindern helfen, so wie man mir geholfen hat“, beschreibt der Flüchtling seine Zukunft. Auch jenseits des Projekts finden in der Buchenbuschgemeinde viele Treffen und Begegnungen mit Flüchtlingen statt.

lfp

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